Produzenten in SorgeLebensmittel: "Historische Kostenlawine und Rohstoffmangel"

Getreidemärkte, Zucker, Gewürze und vieles mehr von Preissteigerungen betroffen. Fachverband: Keine Entspannung in Sicht.

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Die Turbulenzen rund um Rohstoffknappheit und Engpässe in Verkehr und Logistik haben auch die Lebensmittelproduktion erfasst. Der Fachverband der Lebensmittelindustrie in der Wirtschaftskammer sieht auch Preiserhöhungen für Energie und Ernteausfälle für die "historische Kostenlawine" verantwortlich.

Das ist eine ungewöhnliche Situation und belastet die Betriebe sehr. Wir sind in großer Sorge.

Katharina Koßdorff

Die Unternehmen könnten oft weder auf andere Lieferanten oder Logistikdienstleister ausweichen noch Agrarwaren in der notwendigen Qualität und Quantität im Inland oder am Weltmarkt ordern. "Das ist eine ungewöhnliche Situation und belastet die Betriebe sehr. Wir sind in großer Sorge", so Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin im Fachverband der Lebensmittelindustrie in der Wirtschaftskammer Österreich am Montag in einer Aussendung.

wko.at Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin im Fachverband der Lebensmittelindustrie in der Wirtschaftskammer Österreich
Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin im Fachverband der Lebensmittelindustrie in der Wirtschaftskammer Österreich © wko.at

Kaum ein Bereich ist nicht von Verteuerungen betroffen

Dramatische Verteuerungen hätten die Obst- und Gemüseverarbeitungsindustrie getroffen. Auch die Lage auf den Getreidemärkten, etwa bei Weizen, sei prekär. Die Wetterkapriolen hätten die Qualität und die verfügbaren Mengen massiv beeinträchtigt und zu enormen Preissteigerungen bei Mahl- und Futtergetreide geführt. Das treffe etwa Mehl oder Back- und Teigwaren.

Auch die Preise für Zucker, Glukosesirup und Alkohol seien um bis zu 20 Prozent angestiegen. Die Grundweinpreise für die Sekthersteller hätten sich aufgrund der überproportionalen Rosé-Preissteigerungen um 25 bis 30 Prozent nach oben bewegt. Die Preise für Speiseöle, Kakao, Molkereiprodukte, Geflügel aus Österreich und vieles mehr hätten ebenfalls im zweistelligen Prozentbereich zugelegt.

Logistikprobleme und Ernteausfälle

Auch Gewürze, die aus aller Welt kommen, seien durch die Ernteausfälle und die weltweiten Logistikprobleme extrem betroffen. Unmittelbar gelte das etwa für den Import von Gewürzen wie Pfeffer, Paprika, Ingwer, Muskat, Zimt, Kreuzkümmel und Kurkuma. Zusätzlich zu den hohen Frachtkosten hätten auch die Preise für Pfeffer und Zimt um 50 Prozent und Paprika um 20 Prozent deutlich angezogen. Weiters sei Senfsaat für die Senf- und Feinkostindustrie im Inland kaum zu bekommen und um rund 50 Prozent teurer.

Eine Entspannung der Lage scheint aktuell nicht in Sicht zu sein.

Katharina Koßdorff

Hinzu kämen die Verteuerungen bei Verpackungen wie Verpackungsglas, Kunststoff, RePET, Aluminium oder Papier und Kartonagen. Aluminium für Verpackungen habe sich um fast 70 Prozent, Stahl für die Deckel von Verpackungsglas sogar um 80 Prozent verteuert. Mit einer Entspannung der Situation im weltweiten Frachtgeschäft rechnen Logistik-Experten frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2022. Für die Betriebe der Lebensmittelindustrie gebe es durch die Marktentwicklungen extreme Herausforderungen. "Eine Entspannung der Lage scheint aktuell nicht in Sicht zu sein", so Koßdorff abschließend.

Kommentare (19)
niederlh
0
11
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Interessant wäre

eine Auswertung wieviel vom Famulieneinkommen in den 70er und 80er Jahren für Ernährung ausgegeben wurde, bzw. wieviele Minuten man damals für ein Bier oder eine Schnitzelsemmel arbeiten musste....... Natürlich hatte damals keiner den 3. Fernseher, das 2. Auto und mindestens 1 Smartphone pro Kind. Die Menschen gibt's trotzdem noch.

Freitag
0
1
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Preise Ende der 70er

Ich habe 1977 in den Ferien in Kärnten am Faakersee gejobbt. Damals 4.500 Schilling (ca. 305 Euro) netto verdient, allerdings Kost und Logos frei, und an den Milchpreis von 9,50 Schilling (ca. 64 Cent) kann ich mich noch erinnern, weil ich frühmorgens immer das Kühlregal eingeräumt hab.

Freitag
0
1
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Preise Ende der 70er

Ich habe 1977 in den Ferien in Kärnten am Faakersee gejobbt. Damals 4.500 Schilling (ca. 305 Euro) netto verdient, allerdings Kost und Logos frei, und an den Milchpreis von 9,50 Schilling (ca. 64 Cent) kann ich mich noch erinnern, weil ich frühmorgens immer das Kühlregal eingeräumt hab.

paarchr
4
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Ernährung

Was braucht der Mensch zum Leben!
Frisches Gemüse 🌶 saisonal!
Obst 🍇 regional!
Getreide & Gebäck,
einige Milchprodukte,etwas Fleisch 🥩 und Eier.
Das ist in guter Qualität leistbar!

Alles andere kam man im Geschäft liegen lassen und schon ist die Verpflegung leistbar und auch noch Gesund!

SANDOKAN13
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6
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Bei den vielen fetten Leuten

die mir auf der Strasse entgegenkommen, können die Lebensmittel gar nicht teuer genug sein. Junge Mädchen sind von der Übergewichtspandemie besonders betroffen. Wann kommt endlich das Zuckerverbot, was unternimmt Mückstein gg diese Pandemie, die uns tuerer kommt als Corona??

melahide
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Auch wenn

Ihre Wortwahl despektierlich ist. An falscher Ernährung sterben jedes Jahr auf der Welt -zig Millionen Menschen. Ebenso wie an Abgasen, Luftverschmutzung, Rauchen, Alkohol ..,

stadtkater
14
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Die bevorstehenden Preiserhöhungen

decken wir doch locker mit dem Ederer-Tausender ab.

weinsteirer
3
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Awo…….

Kostenlawine na sowas…..
Unsere soziallandesrätin hat den heizkostenzuschuss für die ärmsten der armen seit 2004!!! Nicht erhöht!

seierberger
0
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Kostenlawine

Wäre interessant zu wissen, wie viel davon beim Produzenten (Bauern) hängen bleibt.

seierberger
0
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Kostenlawine

Wäre interessant zu wissen, wie viel davon beim Produzenten (Bauern) hängen bleibt.

HRGallist
4
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Produzenten in Sorge

Es ist erstaunlich! Von überfüllten Regalen mit jeder Geschmacksnuance gibt es jetzt deutliche Lücken im Regal. Es sei der Verdacht erlaubt, dass Vetknappungen auch künstlich herbeigeführt werden, um dann die Verbraucher mit übermäßigen Preissteigerungen so richtig abzuzocken.

zeus9020
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MAN SPRICHT ES NICHT AUS...

...aber gerade diese Phänomene sind typische Auswirkungen einer pandemischen Krise, die leider in einer Weltwirtschaftskrise infolge sich selbst überholender Inflation münden wird...

erstdenkendannsprechen
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meine güte - diese inflation hat aber mehr als eine ursache!

die größte ist der rohstoffverbrauch und energiebedarf in china selber. die nächste ist nun mal der wachsene konsum weltweit. der standard, auf dem wir gelebt haben, wird nun auch für viele andere regionen der erde langsam wirklichkeit - die folge davon spüren wir halt. das nächste sind wirklich klimatische auswirkungen auf die ernte in vielen gebieten der welt.
und nicht vergessen: jedes jahr kommen ca. 80 mio menschen dazu. jedes jahr ein land wie deutschland. und die haben auch bedarf.

derhannes
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Anders produzieren

Weniger Futtermittel für weniger Vieh und mehr Gemüseanbau würde die Situation verändern. So viel Land wird nur für Futtermais etc. vergeudet, dabei weiß doch mittlerweile jeder, dass es eh ungesund und unnötig ist, so viel Fleisch zu essen.

Captain Einsicht
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...

Live in the pod. Eat the bug.

hansi01
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2,7% Inflation?

Preissteigerungen von 20-80% bei Rohwaren. Und da glauben noch mancher Wirtschaftforscher und die IV die Inflation beträgt knapp 2%. Wir können uns einstellen das die schleichende Geldentwertung 10-15% betragen wird. Anders können auch die Staaten die horrenden Schulden nicht begleichen.

checker43
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Das

eine kommt erst, die Inflation wird aufs letzte Jahre betrachtet.

Captain Einsicht
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...

Ein Rebound Effekt der Just-In-Time Industrie.

EinDenker
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...

...und der Globalisierung.