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Ex-Wirecard-Vorstand MarsalekUntergetauchter Manager prahlte mit Nervengas-Dokumenten

Der Skandal um den flüchtigen Ex-Wirecard-Vorstand Jan Marsalek ist um eine Facette reicher: Er soll in Großbritannien mit brisanten Geheimdienstdokumenten geprahlt haben. Laut Ex-Innenminister Herbert Kickl (FP) war Marsalek einmal im Innenministerium.

Jan Marsalek © 
 

Der untergetauchte Ex-Wirecard-Vorstand Jan Marsalek (40) soll im Sommer 2018 mit Geheimdienstdokumenten geprotzt haben, die unter anderem die exakte Formel für das Nervengas Nowitschok enthalten hätten, das beim Anschlag auf den ehemaligen russischen Doppelagenten Sergei Skripal und dessen Tochter im britischen Salisbury zum Einsatz gekommen war. Die britische Regierung macht den russischen Geheimdienst für den Anschlag verantwortlich. Moskau weist die Vorwürfe zurück.

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8. März 2018: Marsalek prahlte laut Financial Times mit Geheimdienstwissen rund um den Anschlag auf den früheren russischen Doppelagenten Skripal und dessen Tochter in Salisbury Foto © APA/AFP/BEN STANSALL

"Streng geheim"

Der aus Österreich stammende Manager habe die die Dokumente bei einem Treffen mit Londoner Börsenhändlern herumgezeigt. Marsalek wird in Medienberichten immer wieder nachgesagt, mit seinen internationalen Kontakten geprahlt zu haben. Drei der von Marsalek angepriesenen Papiere trugen der Financial Times zufolge das Siegel „OPCW streng geheim“. OPCW ist eine Organisation für das Verbot chemischer Waffen.

Wer ist Jan Marsalek?

Jan Marsalek wurde am 15. März 19080 in Wien geboren. Er besuchte das Französische Gymnasium. Mit 19 Jahren gründete er ein Softwareunternehmen. Im Jahr 2000 begann er seine Karriere bei Wirecard. Im Februar 2010 wurde er Chief Operating Officer und Vorstandsmitglied des Unternehmens.

Sein Vermögen wird auf einen dreistelligen Millionenbetrag geschätzt. Zuletzt lebte er in München. 

Mit internationalem Haftbefehl wird Marsalek derzeit gesucht. Ihm wird Marktmanipulation, Bilanzfälschung und Untreue vorgeworfen. Seine angebliche Einreise in die Philippinen am 23. Juni 2020 und seine Ausreise nach China am 24. Juni 2020 stellten sich als fingiert heraus. Sein Aufenthaltsort ist unbekannt.

Laut einem Bericht der „Presse“ soll der untergetauchte ehemalige  Marsalek geheimer Informant der FPÖ gewesen sein. Er soll über einen Mittelsmann vertrauliche Informationen aus dem Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) und dem Innenministerium an die FPÖ weitergegeben haben.

Der deutsche Finanzdienstleister Wirecard hatte im Juni eingeräumt, dass 1,9 Milliarden Euro auf asiatischen Treuhandkonten verbuchte Firmengelder sehr wahrscheinlich nicht existieren – und hatte Ende Juni Insolvenz angemeldet. Eine Schlüsselfigur ist neben Ex-Vorstandschef Markus Braun der früher im Wirecard-Vorstand für das Tagesgeschäft zuständige Manager Marsalek. Der wie Braun aus Österreich stammende Manager ist derzeit untergetaucht. Ermittelt wird nun gegen Braun, Marsalek und andere wegen Verdachts unrichtiger Angaben und Marktmanipulation.

Zukünftig dürften das wohl aber nicht die einzigen Ermittlungen sein, die sich gegen Marsalek richten. Im Zuge der Untersuchungen zur „Ibiza-Affäre“ seien der „Presse“ zufolge Chats zwischen Ex-FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus und seinem Informanten Florian S. gefunden worden. S. habe Gudenus „heikle Informationen“ sowohl aus dem Innenministerium als auch aus dem Amt für Verfassungsschutz zukommen lassen. S. soll seine Informationen wiederum von Marsalek erhalten haben.

Laut Angaben aus dem Innenministerium und dem BVT soll Marsalek zwar nicht offiziell als Informant gearbeitet haben, der „Presse“ zufolge müsse er jedoch Quellen im BVT und im Innenministerium gehabt haben. Den Vorwürfen werde nun im Zuge der BVT-Ermittlungen nachgegangen.

„Tatsache ist jedenfalls“, so die „Presse“, „dass Marsaleks Informationen das Misstrauen der FPÖ gegen die ÖVP schürten. Tatsache ist auch, dass dieses Misstrauen zu der engen Kooperation von Ex-FPÖ-Innenminister Herbert Kickls Kabinett mit der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) und schließlich zur Hausdurchsuchung im BVT inklusive internationalem Skandal geführt hat.“

"Das Normalste der Welt"

Als Gegenleistung soll Marsalek von Gudenus etwa um einen Termin mit OMV-Chef Rainer Seele gebeten haben. Tatsächlich habe es aber keine Gegenleistungen gegeben, so Gudenus gegenüber der „Presse“. Als Politiker Informationen aus verschiedensten Bereichen zu erhalten sei „das Normalste der Welt“.

Auch der Mittelsmann S. scheint einige interessante biografische Details aufzuweisen. So ist er wie auf der Website ersichtlich nicht nur der Generalsekretär der Österreichisch-Russischen Freundschaftsgesellschaft, sondern soll laut dem „Presse“-Bericht auch eine Firma mit Ex-ÖVP-Innenminister Ernst Strasser (Russia GmbH) gehabt haben.

Die „Presse“ schreibt: „Längst gilt er als Türöffner für die FPÖ nach Russland. Und umgekehrt vernetzt er Russen mit heimischen Politikern.“ In den Chats mit Gudenus sei über russische Geschäftsinteressen geschrieben worden, auch der Name des Mannes von Ex-Außenministerin Karin Kneissl sei von S. als Kontakt genannt worden. Ein Thema sei etwa auch der Verkauf des burgenländischen Mineralwasserabfüllers Güssinger gewesen.

Für alle Genannten gilt die Unschuldsvermutung.

Norbert Hofer: "Ich kenne ihn nicht"

FPÖ-Obmann Norbert Hofer wies in der "Zib2" (vom 9. Juli) die Vorwürfe zurück und erklärte, er kenne Marsalek nicht. Und ein Mitarbeiter des früheren Innenministers Herbert Kickl habe ihm versichert, dass es auch dort keinen Kontakt mit dem Mann gegeben habe. Kickl selbst habe er vorerst nicht erreicht, erläuterte Hofer.

Ex-Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) hat am Freitag einen Besuch Marsaleks während seiner Amtszeit bestätigt. Marsalek habe im Sommer 2018 in Anwesenheit von Beamten des Hauses einen Vorschlag im Bereich des Asylwesens präsentiert, sagt Kickl. Konkret sei es um die Bekämpfung illegaler Einwanderung gegangen. Kickl war laut eigener Angabe nicht dabei.

Indessen prüfen deutsche Ermittler bei Wirecard auch einen  Geldwäscheverdacht. "Wir ermitteln wegen Geldwäscheverdachts gegen Verantwortliche des Unternehmens und gegen Unbekannt", sagte eine Sprecherin der Strafverfolgungsbehörde am Donnerstag. 

Kommentare (18)

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Elli123
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Wer sagt...

dass Marsalek mit seinem Wissen geprotzt oder geprahlt hat oder protzt nur die Kleinen Zeitung mit ihrem Wissen über seine angebliche Prahlerei?

Ka.Huber
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eine zeitlang

wird er sich verstecken können, am Ende wird er sitzen...einige Jahre Häfn sind ihm garantiert. Keine schöne Aussicht... was mich wundert ist dass sein Kollege der Hr. Braun nicht sitzt. Es gibt bereits genug Hinweise dass die ganze Wirecard Partie ein Fake war, und der Typ darf zu Hause chillen ? Was ist los mit der Justiz ?

georgXV
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???

Heerscharen von Kopfjägern (und Kriminalbeamten) sind zur Zeit sicherlich hinter Jan Marsalek her und versuchen an sein Geld zu kommen.
Offensichtlich ist er aber mit den verschiedenen Geheimdiensten bestens vernetzt, so wird es ihm nicht schwerfallen sich eine neue Identität zu verschaffen.
Irgendwann wird er dann - aus welchen Gründen auch immer - wieder in Europa aufschlagen und dann wird es klick machen.

styrianprawda
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Hitzekoller?

Im neuen Styria-Gebäude wird es doch eine Klimaanlage geben.
Somit sollte bei den Mitarbeiter*innen ein Hitzekoller nicht auftreten können.

Woher kommt dann die Häufung von Schreibfehlern in diesem Artikel?

selbstdenker70
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...

Der Mann von der Kneissl.... Zufälle gibt's... Und zufällig war sein Freund bei der Hochzeit der werbewirksam sein Hundefutter in die Medien und an Putin gebracht hat und groß ins Geschäft in Russland einsteigen wollte.. alles zufällig, und alles legal... Aber so funktioniert Österreich, und ja Hr. BP, wir sind SO.... Wie hat die Nina vor ein paar Tagen gesagt? " mit wem muss ich schlafen damit mein Lied im ö3 gespielt wird?“ Das beginnt ganz oben und endet dort wo ein neuer Kreisverkehr in der Gemeinde gebaut wird. Es geht bei uns halt leichter wenn ma wen kennt der wen kennt....

fersler
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die

auffallenden Charakterzüge der blauen Garde sind/waren seit Jahren bekannt und Hr. Kurz hat aus puren Machtgelüsten trotzdem eine Koalition mit diesem Pack gebildet.

Unmutsverchuldung
0
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zum x-ten mal

es bot sich damals kein anderer Partner an"!

mobile49
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passte ja anscheinend super

der braun(e) für türkis und der marsalek für blau
"das normalste der welt"

ARadkohl
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Gibt es einmal etwas erfreuliches über die FPÖ zu berichten,

Oder geht es dort nur mehr um unsaubere Dinge?

petera
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Man kann nicht über etwas berichten

was es nicht gibt.

Lodengrün
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Das Normalste der Welt

ist für Herrn Gudenus Informationen aus dem BVT zu bekommen. Wie der Herr Unsauberes als normal sieht, ist schon bemerkenswert. Einfach eine Bagage.

helmutmayr
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Wo was kriminelles gibt

is irgend ein blauer Gauner dabei.

hbratschi
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alle parteien...

...haben mehr oder weniger dreck am stecken. liegt in der natur der sache. aber was sich die blauen geleistet haben, ist schon allererste sahne im negativsten sinn. "wir werden uns noch wundern, was alles möglich ist", bewahrheitet sich in extremsten form. und dieser "prophet" hat fürs oberste amt im staat kandidiert und ist jetzt einer der nationalratspräsidenten. da hat er recht: es ist nur mehr zum wundern, was in österreich möglich ist...

GordonKelz
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Was für eine Partei...?

So viel Dreck kann man gar nicht mehr
wegräumen.....die Messipartei Österreichs!!
Gordon

voit60
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Da war die Firma in der tuerkis-blauen Regierung aber super vernetzt

Der große Chef war Kurz-berater und der bediente die FPO.

umo10
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Ist ja nur ein Einzelfall

Blau = Simpsons

Hieronymus01
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Und da schließt sich wieder ein Kreis.

Immer der selbe blaue Dunst mit den fragwürdigen Machenschaften.

100Hallo
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freie Meinung

Auf dem linken Auge blind.