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Thomas Cook ist pleite4600 Urlauber aus Österreich bangen um Heimflug

Der älteste Touristikkonzern der Welt Thomas Cook ist pleite. Auch mehr als 4000 Urlauber aus Österreich sind betroffen. Wie sie wieder nach Hause kommen, ist ungewiss.

Es heißt Warten auf den Heimflug
Es heißt Warten auf den Heimflug © AP/Francisco Ubilla
 

Der britische Reisekonzern Thomas Cook ist zahlungsunfähig. Das Konkursverfahren über den ältesten Touristikkonzern der Welt ist eingeleitet. Von der Pleite betroffen sind 22.000 Angestellte weltweit (in Österreich sind es aktuell 57). Die 100 Urlaubsflieger des Konzerns bleiben am Boden. Damit zittern aktuell mehr als 600.000 Touristen, die über Thomas Cook gebucht haben, um ihre Heimreisen.

Auch Tausende Urlauber aus Österreich hängen in der Luft. Per heute, Montag, befinden sich 4600 österreichische Gäste in den Zielgebieten, wie ein Sprecher von Thomas Cook Österreich mitteilt. Für heute und morgen seien je 400 Anreisen geplant.

Da Thomas Cook in Österreich aber vor allem Pauschalreisen verkauft, dürfte generell die Reiseversicherung zahlen. Betroffene Österreicher können das Bürgerservice des Außenministeriums unter (0) 50 1150 44 11 erreichen. In den Reisebüros finden derzeit Krisensitzungen statt und die Telefone laufen heiß: "Wir telefonieren Kunden ab, die eine Thomas Cook-Reise in der nahen Zukunft gebucht haben und teilen ihnen mit, dass ihre Reise so nicht stattfinden wird", heißt es etwa aus dem Reisebüro Springer, für das Thomas Cook einer der wichtigsten Partner ist. Der heimische Reiseveranstalter Verkehrsbüro und der zu ihm gehörende Vermittler Ruefa bemühen sich um Lösungen für verunsicherte Urlauber der Reisegruppe Thomas Cook. Kunden, die heute oder morgen abfliegen, sollten sich unbedingt mit ihren Ruefa-Beratern in Verbindung setzen und "reisebereit" zum Flughafen kommen. Ein  Krisenteam von Ruefa evaluiert laufend die Situation und meldet sich bei den Kunden, sollten Reisen nicht durchgeführt werden können.

Der Flughafen Innsbruck sucht derzeit „unter Hochdruck“ nach Ersatzflügen für das Wintergeschäft. 2018 wurden auf dem Tiroler Airport über die Wintermonate hinweg 38.000 Passagiere aus England verbucht. Auf den Flughäfen in Salzburg und Wien gibt es keine derartigen Probleme. „Es gibt keine direkten Flugverbindungen von Thomas Cook oder Condor ab Wien“, sagt  der Wiener Flughafen-Sprecher Peter Kleemann.

In Großbritannien muss der Staat für die Rückholung gestrandeter Urlauber aus dem Ausland einspringen. Die britische Regierung muss wohl mit Kosten in Höhe von mehreren hundert Millionen Pfund rechnen - für die größte zivile Rückholaktion überhaupt.

Konzernchef Peter Fankhauser spricht von einem "tiefen Bedauern", dass man keine Lösung für die Rettung des Konzerns gefunden habe. Zusätzliche Forderungen in den letzten Tagen der Verhandlungen hätten sich am Ende als "unüberwindbare Herausforderung" erwiesen. Fankhauser entschuldigte sich bei "unseren Millionen Kunden und Tausenden Angestellten, Zulieferern und Partnern". Die Konzernspitze hatte für Sonntagabend Verhandlungen mit Banken, Gläubigern und der Regierung angesetzt. Banken hatten zuletzt zu einem schon ausgehandelten 900 Millionen Pfund (mehr als eine Milliarde Euro) schweren Rettungspaket weitere 200 Millionen Pfund gefordert. Jetzt wurde auf "Not-Geschäftsführung" umgestellt.

Foto © APA/AFP/DANIEL ROLAND

Codename "Matterhorn"

Die britische Flugbehörde CAA gab die Einstellung aller Flüge bekannt und kündigte eine Rückholaktion für mehr als 150.000 Briten an, die größte derartige Aktion in der Geschichte des Landes. Die Rückholaktion trägt den Codenamen "Matterhorn". In der Nacht seien bereits die ersten Flugzeuge zu verschiedenen Zielen gestartet, um britische Urlauber nach Hause zu holen.

Für Aufregung sorgen derzeit Fälle, in denen Hoteliers von Gästen Zahlungen verlangen und sie andernfalls nicht abreisen lassen. Die Hoteliers befürchten ihrerseits, um ihr Geld umzufallen. Auch in solchen Fällen sei man geschützt, sagen Konsumentnschützern. Es heißt: Alles, was man unter Zwang bezahlen muss, damit man nach Hause kommt, ist von der Versicherung zu bezahlen.

Condor-Flüge finden statt

Dutzende Flugzeuge im Konzern sind zudem für den deutschen Ferienflieger Condor, eine Thomas-Cook-Tochter, im Einsatz. Sie hält den Flugbetrieb aber aufrecht. Bei der deutschen Bundesregierung sei ein Überbrückungskredit beantragt worden.

Fakten

Thomas Cook war 1841 gegründet worden und betreibt Hotels, Ferienressorts, Airlines und veranstaltet Kreuzfahrten. Von den 105 Flugzeugen im Konzern fliegen 58 für Condor. Weltweit hat Thomas Cook rund 22.000 Mitarbeiter in 16 Ländern. Davon sind etwa 4500 in Deutschland bei Condor beschäftigt.

In Österreich ist Thomas Cook der drittgrößte Anbieter von Pauschalreisen nach TUI und Rewe Austria Touristik. Der Veranstalter betreut jährlich rund eine Viertelmillion Reisenden. Ende 2017 beteiligte sich der Konzern mit seiner Airline Condor auch im Verfahren um insolvente Fluglinie Niki, und kooperierte später mit dem erfolgreichen Bieter Laudamotion. Vom Flughafen Wien aus gibt es aber keine Direktverbindungen mit Condor bzw. Thomas Cook. Der Schalter von Thomas Cook am Flughafen Wien sei derzeit nicht besetzt, hieß es am Montag am Flughafen Wien-Schwechat. Reisende werden auf einem Hinweiszettel an den Abwickler verwiesen.

Die österreichische Thomas Cook gehört zu 100 Prozent zur deutschen Gesellschaft. Die wiederum gehört den Briten. Im englischen  Insolvenzverfahren stellt Österreich einen Vermögenswert dar. Für sich betrachtet stehe die Österreich-Tochter mit ihren 75 Beschäftigten wirtschaftlich gut da.

Im Geschäftsjahr 2017/18 (per Ende September 2018) verbuchte die österreichische Thomas Cook laut WirtschaftsCompass einen Jahresgewinn von 586.000 Euro, nach 843.000 Euro davor. Der Bilanzgewinn stieg von rund 4,2 auf 4,7 Millionen Euro. Der Umsatz reduzierte sich von 177 auf 174 Millionen Euro.

 

Ins Schleudern geraten

Thomas Cook war durch eine milliardenschwere Abschreibung auf ein Tochterunternehmen und ein schwächeres Reisegeschäft ins Schleudern geraten. Zudem litt der Konzern mehr als Rivalen wie TUI und unter der mit Brexit und schwächerem Pfund einhergehenden Reiseunlust der Briten. Größter Aktionär ist die chinesische Fosun-Gruppe.

Deutsche Töchter stellen Verkauf ein

Nach dem Insolvenzantrag des britischen Reisekonzerns Thomas Cook haben auch die deutschen Veranstaltertöchter, zu denen Marken wie Neckermann Reisen, Bucher Last Minute, Öger Tours, Air Marin und Thomas Cook Signature gehören, den Verkauf von Reisen nach eigenen Angaben gestoppt.

Man könne nicht gewährleisten, dass gebuchte Reisen mit Abreisedatum 23. und 24. September stattfinden, teilte Thomas Cook GmbH in der Früh in Oberursel bei Frankfurt mit.

In Österreich hat das Unternehmen eine Zweigniederlassung, die laut der Reisebürosicherungsverordnung gegen Insolvenz abgesichert ist. Sollte es zu Problemen kommen, kann man sich an den Abwickler AWP P&C S.A. in Wien wenden: Pottendorfer Straße 23-25, 1120 Wien, Telefon: (01) 525 03-0.

 

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Danke für Ihr Verständnis.

stierwascher
31
1
Lesenswert?

150 oder 15.000 ... ?

Liebe Redaktion,
sind nun 150 oder doch 15.000 Personen aus Österreich betroffen?

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stierwascher
1
8
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mea culpa!

so sorry!

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kathipau
1
31
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Sinnerfassend lesen!!!!

Bitte sinnerfassend lesen....
150 Mitarbeiter in Österreich
15.000 Reisende

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