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NegativzinsenWie uns der Währungsfonds das Bargeld vermiesen will

Experten sind sich einig: Ein negativer Leitzinssatz würde in unserem Wirtschaftssystem nicht funktionieren. IWF-Forscher haben nun eine radikale Idee.

Eine elektronische Parallel-Währung als Ersatz für Bargeld?
Eine elektronische Parallel-Währung als Ersatz für Bargeld? © stadtratte - Fotolia
 

Wer einen Kredit hat, den freut es, den Sparer weniger. Die Rede ist von Negativ-Zinsen, wie sie die Europäische Zentralbank (EZB) bekannterweise auf den sogenannten Einlagenzinssatz verlangt. Das ist jener Zinssatz, den Banken zahlen, wenn sie Geld auf EZB-Konten lagern. Die Idee dahinter: Banken sollen lieber Kredite vergeben, als das Geld auf Konten der EZB zu horten.

Das kurbelt die Wirtschaft an und sorgt für Inflation. Denn die EZB hat ein einziges Ziel: Die Teuerung soll leicht unter 2,0 Prozent liegen. Das ist der Wert, der von Ökonomen als "Preisstabilität" bezeichnet wird, Löhne und Preise steigen in etwa im selben Tempo.

Doch selbst mit dem Negativzinssatz auf Bankeinlagen und einem massiven Anleihenkaufprogramm ist das Ziel selbst nach Jahren noch nicht erreicht. Die aktuelle Inflation ist vor allem durch die Rohölpreise geprägt und nicht durch die wirtschaftliche Entwicklung der Eurozone.

Negative Zinsen fürs Sparbuch

Was könnte eine Notenbank nun noch tun? Eine Variante wären negative Leitzinsen. Schon jetzt bekommen Sparer auf ihren Sparbüchern praktisch keine Zinsen mehr. Bei einem negativen Leitzinssatz müssten sie dann für ihre Spareinlagen zahlen. Laut Ökonomen wäre die Konsequenz, dass die Menschen das Geld von ihren Sparbüchern abheben und in Konsum investieren. Und Konsum wiederum kurbelt die Wirtschaft an und könnte so die Inflation auf den Zielwert unter 2,0 Prozent treiben.

Doch das ist bisher alles graue Theorie. Denn wir Menschen sind ja nicht blöd. Wenn es am Sparbuch negative Zinsen gäbe, bedeutet das ja, dass das Bargeld quasi mehr wert wird, wenn es daheim "unterm Kopfkissen" liegt.

Elektronische Parallelwährung

Forscher des internationalen Währungsfonds (IWF) haben nun eine - zugegeben radikale - Idee, wie negative Zinsen doch funktionieren könnten. Man muss den Menschen das Bargeld vermiesen. Dafür müssten die Zentralbanken eine elektronische "Parallelwährung" einführen.

Das Beispiel der Forscher: Die Notenbank führt einen Zinssatz von - 3,0 Prozent ein. Die 100 Euro am Sparbuch wären dann diese E-Währung und würden nach einem Jahr nur noch 97 Euro sein. Nun müsste die Notenbank auch den Wechselkurs von Bargeld-Euro in E-Euro so festlegen, dass der Wechselkurs 100:97 ist. Sprich für 100 Euro Bargeld-Euro gibt es nur 97 Euro E-Euro.

Die Forscher geben allerdings auch zu, dass die Einführung eines solchen Systems mit einigen Herausforderungen verbunden wären. Man müsste das ganze Finanzsystem umbauen und auch Gesetze ändern, nicht zu vergessen den massiven Aufwand, der Bevölkerung diesen Schritt zu erklären. Deswegen wollen die Forscher diesen Ansatz auch nur als einen möglichen Vorschlag für eine neue Zentralbank-Politik sehen, neben anderen Vorschlägen und Möglichkeiten, die noch erforscht werden müssen.

Kommentare (15)

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SoundofThunder
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🤔

Man sollte auch eines nicht vergessen: Wenn es kein Bargeld mehr gibt,was geschieht mit deinem Vermögen wenn die Bank pleite geht (kann heutzutage jederzeit passieren wie es uns 2008 vorexerziert wurde).Abheben ist nicht möglich! Dein Erspartes geht ganz normal in die Insolvenzmasse. Dann bist du ein Nebengläubiger der mit 5% des Ersparten abgespeist wird.

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paulrandig
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Da ist es gerade gut,...

...dass sich immer mehr Tauschplattformen bilden. Wird das Bargeld abgeschafft, werden private "Währungen", wie Arbeitsstunden und diverse "Werteinheiten" für Online-Plattformen wie die Schwammerl aus dem Boden schießen. Für Nahrungsmittel gibt es Gemeinschaftsgärten, Bauern-Abos etc. Man wird einfach weniger Geld brauchen, dafür kann man seine Arbeitszeit verkürzen und die zusätzliche Freizeit in bargeldlose Beteiligungsprogramme investieren.

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wintis_kleine
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@paul

ach wäre das schön wenn es nur so einfach ginge. Nur hat das sicher der Finanzminister etwas dagegen. Denn ein Leistungsaustausch ist zumindest mehrwertsteuerpflichtig und den Obulus dürfen wir dann trotzdem weiterhin brav abliefern. (Ausser man begibt sich in den Bereich der Schattenwirtschaft).
Ist übrigens schon passiert, dass ein ehrenamtlicher Verein zu mehreren Tausend Euro Finanzstrafe verdonnert wurde, das er "Zeitschenkermodelle" strukturiert angeboten hat.
Leider!

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paulrandig
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wintis_kleine

Wow! Wusste nicht, dass das so schwierig ist. Aber eine Frage: Wenn ein Verein Gegenwerte von konstant null Euro, dafür aber von Stunden Freizeit koordiniert, was entgeht der Finanz dann konkret? Kann ich tatsächlich Steuern von null Euro hinterziehen?
Ist es wirklich mehrwertsteuerpflichtig, wenn ich jeden Donnerstag dem Sohn einer Freundin eine Klavierstunde gebe und dafür ein Mittagessen und gelegentlich eine Näharbeit erhalte?

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Ktautscher
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dann gehen halt alle ihr Guthaben abheben.

Möbeltresore gibts günstig im Baumarkt.

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Stefan123
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Unser Problem heisst EURO

Der EURO ist eine Fehlkonstruktion und bringt den gut wirtschaftenden Staaten in Schwierigkeiten.
Wir werden NIE wieder Zinsen von mehr als 2 - 3% am Sparbuch sehen.
Würden die Zinsen in Europa steigen, würden von 15 Euro Ländern mind 8 innerhalb von 3 - 5 Jahren vor der Pleite stehen!

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Ktautscher
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das Problem ist NICHT EURO!

der ist nur so gut wie die Budgetdisziplin der Eurostaaten! die furzen schon zu lange konsequenzenlos auf die Maastrichtregeln die sie einst einzuhalten mit Unterschrift versprachen.

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Guzzi
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Bargeld abschaffen !

Ja, zahlt alle nur immer brav mit der Karte, so kommen wir der Abschaffung des Bargeldes immer näher, und sind somit zur Gänze unseren fürsorglichen Notenbänkern ausgeliefert. Ein e - Geld kann man dann nicht mehr abheben. Wacht endlich auf !

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Stratusin
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Was wollen die!

Wenn wir alle nur mehr Schulden haben, werden wir erpressbar. Und das will man anscheinend. Die meisten wollen Sicherheit und Perspektive, und dazu gehört mal das man Geld hat und nicht Schulden. Die Sparrate in Ö steigt. Ist auch kein Wunder. Bei weniger Zinsen muss man mehr Sparen um auf die gleiche Summe zu kommen. Und es sind noch genug Leute die keine Schulden haben möchten, wenn es vermeidbar ist.

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joe1406
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E-Euros sind also doch gut

aber nur wenn sie von "staatlicher" Seite kommen. Heißen sie Bitcoins und sind "privat" sind sie aber sowas von böse!

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calcit
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Hat man ja deutlich gesehen beim Bitcoin Hype...

...äußerst fraglich wie die Bitcoin Kurse zu Stande kommen, wer da wirklich dahinter steckt, die eigentliche Identität des Bitcoins-Erfinders kennt man nicht mal, für Laien nicht nachvollziehbare Algorithmen/Mathematik der Blockchain - am Ende hat man gar nichts in der Hand nur ein paar Bits auf einem Rechner...

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Alfa166
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Naja genau genommen zahle ich schon für die Einlage auf meinem Sparkonto,

Da die Quartalsgebühren um einiges höher sind, als die mickrigen Zinsen, zahle ich, wie auch sicherlich viele Andere, schon seit längerer Zeit drauf. Sogar bei meinem Bausparvertrag hilft mir die hohe Verzinsung nichts, da ja die KESt fast alle Zinsen wieder eliminiert....

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Ktautscher
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zu nderen Bank wechseln!

N26 ist komplett kostenlos!

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Hardy1
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So viel Schwachsinn....

....schon früh am Morgen.....allein solche Gedanken schwächt die EU und gibt den Gegnern Auftrieb....

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lapinkultaIII
6
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"Forscher des IWF"

Naja, aber so wirklich viel haben der IWF und die EU nicht miteinander zu tun.......

Also warum soll das die EU schwächen und ihren Gegnern Auftrieb geben?

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