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Vom Korridor zur Trasse: APG vermisst und analysiert 58 Gemeinden

Wie die APG von möglichen Korridoren quer durch Kärnten zur tatsächlichen Trasse für die 380-kV-Leitung kommen will und warum das Gail- und Rosental dafür von vornherein nicht infrage kommen.

Der „Netzraum Kärnten“ soll 2033 fertiggestellt sein – frühestens
© IMAGO/Jochen Tack
Der „Netzraum Kärnten“ soll 2033 fertiggestellt sein – frühestens
Uwe Sommersguter
Leitung Wirtschaft Kärnten/Osttirol

Die Vorbereitungen für die Planung der Trasse für den „Netzraum Kärnten“ sind laut dem Stromtransporteur Austrian Power Grid (APG) voll im Laufen. Gemeint ist damit der Ringschluss der österreichischen 380-kV-Leitung der APG sowie die Errichtung einer 110-kV-Leitung der Kärnten Netz (KNG). Der Start des UVP-Verfahrens ist mit Mitte 2027 vorgesehen, der Baubeginn für 2029 und die Inbetriebnahme „ab dem Jahr 2033“. Der aktuelle Terminplan werde dem jeweiligen Projektfortschritt angepasst, lässt sich die APG mögliche Verzögerungen offen.

Von Lienz nach Obersielach

Konkret geht es um eine hochrangige Verbindung zwischen den Umspannwerken Lienz und Obersielach bei Völkermarkt, rund 180 Kilometer lang. Ein vergleichsweise riesiger Untersuchungsraum, der sich hier auftut. Für die Entwicklung der Planungskorridore wurde laut APG eine sogenannte „Raumwiderstandsanalyse“ erstellt, auf Basis von natur- und siedlungsrelevanten Daten aus dem Geografischen Informationssystem (GIS).

Mögliche Korridore, wo die Trasse für den „Netzraum Kärnten“ entstehen kann
© Apg
Mögliche Korridore, wo die Trasse für den „Netzraum Kärnten“ entstehen kann

„Keine Möglichkeiten im Gail- und Rosental“

Dabei seien öffentlich verfügbare Geodaten zu Infrastruktur, Naturschutz, Topografie, Naturgefahren, Raumordnung und Siedlungsraum bewertet und gewichtet worden. Vertiefend dazu wurde in einer wissenschaftlichen Arbeit die Möglichkeit im Bereich der 220-kV-Bestandsleitung untersucht. „Mit dem Ergebnis, dass es keine Möglichkeiten einer Trasse sowohl im Gailtal als auch im Rosental gibt. Dies gilt auch für Bereiche noch weiter südlich davon“, erklärt APG-Sprecher Wolfgang Gröger.

Expertenteams in den Gemeinden

Andere Regionen kommen sehr wohl infrage: Derzeit seien Expertenteams in 58 Osttiroler und Kärntner Gemeinden unterwegs, um das Gelände „präzise zu vermessen, die Beschaffenheit des Untergrunds zu analysieren sowie die erforderlichen Kartierungen durchzuführen“, so Gröger. 23 Fachbereiche zu Themen wie Gelände, Gewässer, Naturgefahren, Schutzgebiete oder Siedlungsräume werden dabei untersucht und abgestimmt. „Die Grobtrasse wird auf Basis der im UVP-Gesetz vorgegebenen Schutzgüter, insbesondere die Auswirkungen auf den Menschen, die biologische Vielfalt und den technischen Rahmenbedingungen, festgelegt“, erläutert Gröger. Zu letzteren zählen Geologie, Naturgefahren und Energiewirtschaft. Wo die Trasse dann tatsächlich geführt wird, soll im Herbst vorliegen.

Mehrere Korridore zur Wahl

Aktuell stehen noch mehrere Korridore in Kärnten zur Wahl. Die Bewertung möglicher Varianten innerhalb der Grobtrasse – diese hat eine Breite zwischen 200 und 1000 Metern – erfolgt laut APG „auf Basis von fachlichen Kriterien, die das Umweltverträglichkeitsgesetz“ vorgibt. Ob die 380-kV-Hochspannungsleitung, die auch eine 110-kV-Leitung der KNG aufnehmen wird, tatsächlich die kommunizierten 180 Kilometer lang sein wird, ist freilich offen und hängt an der gewählten Trasse. Die APG ist jedenfalls „gesetzlich verpflichtet, Projekte wirtschaftlich effizient umzusetzen“, betont Gröger. 

Die 380 kV-Leitung sei die Voraussetzung für die Dekarbonisierung von Industrie und Wirtschaft in Kärnten, betont die APG. Gröger nennt das Projekt „entscheidend für die Standortsicherheit des Bundeslandes Kärnten“. Wird die 380-kV-Leitung nicht gebaut, wäre Kärnten „in der Zukunft nicht ausreichend an das überregionale Hochspannungsnetz angebunden“, warnt er.

Hohe Expertise nach sieben UVP-Verfahren

Wie hoch das Risiko ist, dass die APG keine mehrheits- bzw. genehmigungsfähige Trasse vorlegen kann, will Gröger nicht beziffern, er zeigt sich jedoch zuversichtlich, dass man für das Projekt „Netzraum Kärnten“ eine genehmigungsfähige Trasse entwickeln „und das UVP-Verfahren positiv abschließen“ werde. Schließlich habe die APG „sieben UVP-Verfahren umgesetzt und diesbezüglich eine hohe fachliche Expertise und Erfahrung“.

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