Plötzlich erkennt man die Mutter nicht wieder, sie informiert sich nur noch über Telegram-Gruppen. Oder der beste Freund sagt Dinge wie: "Mit der Corona-Impfung wird ein Mikrochip implantiert." In stürmischen Zeiten wie diesen flüchten sich viele Menschen in Verschwörungstheorien. Das kann Angehörige zur Verzweiflung bringen. Wie umgehen mit geliebten Menschen, die in eine Parallelwelt eingetaucht sind? Dieter Gremel von der Beratungsstelle Extremismus gibt im Family-Talk mit Moderatorin Sonja Peitler-Hasewend Antworten.

"Die Anfragen bei uns häufen sich in letzter Zeit sehr stark", sagt Gremel. Hier einige Tipps der Beratungsstelle Extremismus im Umgang mit Angehörigen, die an Verschwörungstheorien glauben:

  • Auch wenn es mitunter schwerfällt: Bleiben Sie wertschätzend und sachlich. Behandeln Sie die Person mit Respekt, werten Sie das Gegenüber nicht ab, indem Sie Worte wie "irr", "absurd" oder "Covidiot" verwenden.
  • Versuchen Sie nicht, die Person mit Argumenten zu überzeugen – das gelingt in den seltensten Fällen und führt im Gegenteil eher zu Abwehrhaltungen.
  • Diskutieren Sie nicht über einzelne Verschwörungserzählungen, sondern fragen Sie nach generellen Werthaltungen und Weltanschauungen. Sprechen Sie auch über Ihre eigenen Werte und Weltanschauungen.
  • Fragen nach den Quellen von Verschwörungstheorien können hilfreich sein: Gibt es weitere Belege für die Theorie? Welche weiteren Informationen werden von der Seite verbreitet? Gibt es eine Verfasserin oder einen Verfasser der Theorie?
  • Zeigen Sie Interesse für die individuelle Geschichte der betroffenen Person: Was steckt hinter der Hinwendung zu Verschwörungserzählungen? Gibt es etwas, wovor die Person Angst hat? Fühlt sie sich benachteiligt oder ungerecht behandelt? Welche Funktion könnte die Verschwörungserzählung haben?
  • Beziehen Sie Position gegenüber abwertenden Tendenzen einer Verschwörungstheorie oder einer Gruppierung. Benennen Sie antisemitische oder rechtsextreme Tendenzen.
  • Ziehen Sie Grenzen. Wenn eine Diskussion zu keinem Ergebnis führt, kann es sinnvoll sein, das Thema generell zu meiden.
  • Unterstützung für besorgte Angehörige gibt es unter Tel.: 0800 2020 44 oder office@beratungsstelleextremismus.at