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Damals in der SteiermarkDie Raserei der Haiduken durch die Oststeiermark anno 1605

Oststeiermark 1605: Als eine Reiterarmee aus Siebenbürgen monatelang Angst und Schrecken verbreitete.

Die Stadtmauern von Hartberg zierten 1606 die Köpfe der gefallenen Haiduken
Die Stadtmauern von Hartberg zierten 1606 die Köpfe der gefallenen Haiduken © Preis
 

"Geschiecht es (die Unterwerfung), so soll euch vnd den eurigen bei vnsern ehren vnd glauben nichts widerfarenn, Sonndern fridlich verbleiben. Da es aber nicht beschiehet, vnd euch vns nicht ergeben wölt, so solt ihr gewiß wissen, (dass wir Hartberg) mit grosser macht vnd geschücz dasselbe belegern, sturmben, einnemen, vnd euch sambt weib vnd chindern zu stuckhen hauen werden."

Es war am 2. Juni 1605, als die Hartberger diesen Brandbrief von Gregor Nemethy (gestorben 1612) erhielten, eine Drohung, die ihnen durch Mark und Bein fahren musste. Denn natürlich wussten sie längst, wer da vor ihren Stadttoren aufgetaucht war. Schließlich machten diese Horden, die Haiduken genannt wurden, die Oststeiermark bereits seit Tagen unsicher. Doch wer waren sie eigentlich?

KK Die Hajduken
Die Hajduken © KK

Haiduken (ungarisch für Viehhirten) folgten dem Siebenbürger Fürst Istvan Bocskay (1557-1606), der gegen die habsburgische Herrschaft in Westungarn rebellierte. In drei Armeen schickte er seine Anhänger gegen das Habsburgerreich, eine davon von Nemethy angeführt, der durch das heutige Burgenland (damals Deutschwestungarn) mit 6000 Haiduken sowie 2000 Tataren und Türken ins Raabtal vordrang.

KK Istvan Bocskay (1557-1606)
Istvan Bocskay (1557-1606) © KK

Die für die Verteidigung der Steiermark zuständigen "Verordneten" in Graz hielten die Sache anfangs für wenig bedrohlich und beriefen nicht einmal das Landesaufgebot ein, um das Land zu schützen. Dennoch verkündeten die Kreidfeuer, das Frühwarnsystem jener Zeit, bald einen unglaublich schnellen Vormarsch des fremden Heeres.

Auf der Flucht

Die Priester erinnerten das Volk an das Kreidfeuerdekret von 1557, wonach man nur in Wehrkirchen, Burgen, Städten oder in den im 12 und 13. Jahrhundert angelegten Fluchthöhlen Zuflucht suchen durfte. Eine solche Fluchthöhle, die Frauenhöhle, bestand zwischen Kaindorf bei Hartberg und St. Stephan, ein vier Kilometer langer Gang, der heute noch teilweise zu besichtigen ist.

Hartberg um 1713
Hartberg um 1713 Foto © Preis

Die Haiduken drangen am 26. Mai 1605 in die Steiermark ein und verwüsteten Hohenbrugg an der Raab, Schiefer und Fehring. 53 Menschen starben, 551 Rinder und Pferde wurden weggetrieben. Zwei Tage lang plünderten sie das Gebiet zwischen Fehring und Fürstenfeld, ehe ihnen am 28. Mai Fürstenfeld kampflos in die Hände fiel.

Hartberg 1605: Damals in der Steiermark

Schloss Klaffenau

1569 wurde der erste Teil erbaut, 1605 von den Haiduken niedergebrannt. 1725 wurde der zweite Bauteil errichtet, das Anwesen erhielt sein heutiges Aussehen. Mit Sigemund und Franz Otto von Klaffenau trugen einst zwei Grazer Zeugwarte den Namen des Gutus.

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Hartberg

Blick Richtung Ungartor. Hier kam es am 4. Juni 1605 zum Abwehrkampf

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Hartberg

Die Hartberger trotzten den Droghungen der Haiduken

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Hartberg

Der Karner, direkt an die Stadtmauer gebaut, erinnert an vergangene Zeiten

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Hartberg

An der Stadtmauer wurden die Schädel der gefallenen Haiduken aufgespießt.

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Hartberg

Heute erinnert nichts mehr an die schaurigen Zeiten

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Hartberg

In der Wallfahrtskirche Maria-Lebing, die sich 1605 vor den Stadttoren befand, ist diese Ansicht hartbergs aus dem Jahr 1713 zu bewundern.

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Burg Neuberg bei Hartberg

Bernhardin von Herberstein (1566-1624), ein Verwandter des Besitzers von Burg Neuberg bei Hartberg (Hans Sigmund von Herberstein, 1560-1611), verzeichnet die 1605 durch die Haiduken im Großraum Hartberg verursachten Schäden:
"Amt Khaindorf in diesem ambt seindt 30 underthannen, darunter 6 auß dem grundt verprenndt, sechszehn weib unnd manßpersohnen nidergehaut unnd gefangen wie auch 20 roß unnd rinterviech weckgetriben worden. Die andern seindt gleichfall auf den grundt beraubt, also das sie hinfüran khain dienstbarkhait richten khünen..."

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Burg Neuberg bei Hartberg

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Burg Neuberg bei Hartberg

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St. Stephan bei Hartberg

Im Ort befindet sich die Frauenhöhle - ein vier Kilometer langer Geheimgang, der bis nach Kaindorf bei Hartberg führte und den Menschen seit dem 12. Jahrhundert Schutz gewährte.

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Fieberbründl

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Erst jetzt wurde den Grazern der Ernst der Lage bewusst. Doch zu spät. Die Haiduken plünderten bis zum 4. Juni im Safental unweit von Hartberg 52 Dörfer. Verbrannt wurde auch Schloss Klaffenau vor den Toren Hartbergs. Und dann schickte Nemethy jenen Brief.

Haiduken-Reise

Das Zeughaus bietet am Samstag, 8. September,
einen Tagesausflug auf den Spuren der Haiduken an.
Anmeldung unter Tel. 0699-13348451, (0316) 8017-9832 oder leopold.toifl@museum-joanneum.at.

Da sich die Hartberger nicht einschüchtern ließen, griffen die Haiduken am 4. Juni in aller Herrgottsfrüh um 2.30 Uhr an. Drei Stunden lang lieferten sie sich am Ungartor einen heftigen Abwehrkampf, an dessen Ende die Hartberger „dem gewönlichen khriegsbrauch nach“ die Köpfe von sechs gefallenen Haiduken an Spießen auf der Stadtmauer aufpflanzten. Das brachte die Angreifer erst recht in Rage. Neuerlich griffen sie an, doch nun eilten Arkebusierreiter aus Burgau den Hartbergern zu Hilfe. Der Ansturm wurde abermals abgewehrt, die Haiduken zogen sich nach Ungarn zurück. Deren letzter Vormarsch endete am 11. November vor Radkersburg, wo sie von kaiserlichen Truppen geschlagen wurden.

Mehr über die wilden Horden erfahren Sie bei einer Zeughaus-Reise am 8. September. Historiker Leopold Toifl wird dabei über die Attacken der Haiduken ausführlich berichten (siehe Info-Kasten).

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