Drei Tage lang ist Leoben von Freitag, 22. Juli, bis Sonntag, 24. Juli 2022 – nach zweijähriger Coronapause –, Zentrum der großen Benefizveranstaltung "Iron Road for Children". Was alle Biker, Vespa-Fans, US-Car-Fahrer, Bands und Besucher vereint, ist der Benefizgedanke: Mit den Spenden wird wieder kranken Kindern geholfen – mit Unterstützung von "Steirer helfen Steirern".
IBAN AT95 2081 5000 4288 5327, Verwendungszweck IRFC 2022.

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Sonntag

"Es war eine harte Entscheidung, Samstag kurz vor 22 Uhr das Seiler und Speer-Konzert wegen Unwettergefahr zu stoppen. Aber es war notwendig, weil es zu gefährlich gewesen wäre", erzählt Mike Reiter von der IRFC-Crew Sonntagfrüh. Großes Lob gibt es aber für alle Besucherinnen und Besucher. "Die waren so diszipliniert. Das macht eben IRFC-Fans aus", lobt er. Großes Lob gibt es aber auch für alle Einsatzkräfte. Die Polizei, die Feuerwehr, die Freiwilligen und auch die Leute vom Wirtschaftshof der Stadtgemeinde Leoben. "Alle tun mit, es ist ein Traum", schwärmt Reiter.

Und neben dem gestern schon eingestellten Spendenrekord aus dem Jahr 2019 - es sind schon 87.500 Euro gesammelt worden - gibt es ja eventuell noch eine gute Nachricht: Es wird gemunkelt, dass Seiler und Speer den zweiten Teil ihres Konzerts bei IRFC 2023 nachholen.

Sonntag werden die Staatsmeister bei den Schraubern gekürt
© Isabella Jeitler

Sonntag gibt es übrigens wieder einen Höhepunkt: Um 13 Uhr werden die "Schrauber-Staatsmeister" der Customized Bikes in sieben Kategorien gekürt.

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Zufriedene Gäste in der Gastronomie in Leoben am und rund um den Hauptplatz
© Johanna Birnbaum

Eine sehr erfreuliche Zwischenbilaz kann übrigens auch die Gastronomie am und rund um den Hauptplatz in Leoben ziehen: Manche Gastro-Betriebe waren Samstagabend ausverkauft. Aber, keine Sorge, für Nachschub am Sonntag ist gesorgt.

Samstag

Kurz vor 22 Uhr musste das Seiler&Speer-Konzert wegen einer schweren Unwetterwarnung abgebrochen werden. Alle Besucher wurden ersucht, den Hauptplaz zu verlassen und sich in geschlossene Räumlichkeiten zu begeben. Laut Veranstalter sei aber alles problemlos über die Bühne gegangen. Er spricht auch von einem Rekordergebnis in alle Richtungen.

"I glaub i kenn di von wo", lauthals werden Seiler & Speer nicht nur bei dieser Nummer vom überaus motivierten Publikum begleitet - abertausende Hände schnellen in die Höhe. Dass es sich um den Höhepunkt von der gesamten Iron Road handelt, muss nicht dazugesagt werden, das spürt man. Der Boden bebt, der Bass dröhnt und das Publikum kennt kein Halten mehr.

Schon im Vorfeld erzählen Christopher Seiler und Bernhard Speer Backstage: "Wir würden das alles nicht unterstützen, wenn wir nicht gut finden würden, was da passiert. Ich find das großartig, dass die komplette Stadt am Kopf steht. Da kann man stolz sein als Leobener." Der Charitygedanke dahinter, wie vielen Schicksalen geholfen wird, einfach grandios, meinen die beiden.

Die Foodtrucks machten kurze Pause, um nachzufassen und alles für den Abend aufzufüllen. Das ist notwendig gewesen, denn lange Schlangen Hungriger standen bald nach der Wiederöffnung an, um sich Sättigendes zu holen. Immer auf Trab waren auch die eifrigen Spendensammler, die voller Elan und Empathie auch am Abend noch am Werken sind.

Während Armin Assinger die Verlosung der Hauptpreise vornimmt, kommen immer mehr Fans. Ein Grund: Seiler und Speer werden rund um 21 Uhr die Hauptbühne rocken.

Harte Textzeilen, gespielt und gesungen von optisch noch härteren jungen Männern vor der Stadtpfarrkirche. Cyrox, eine Metalband mit Leobener Wurzeln, heizten auf der "Iron Road to Nova Rock-Stage" dem schwer motivierten Publikum schon am Nachmittag so richtig ein.

Sophie Ibser und Philipp Trabaß aus Feldkirchen bei Graz, Gewinner des IRFC-Packages der Kleinen Zeitung, genießen ihren Aufenthalt im Asia Hotel Leoben. Nach einem ausgezeichneten Frühstück wurden sie abgeholt und mitten ins Veranstaltungsgeschehen am Leobener Hauptplatz gebracht. Nach einem ersten Rundgang ging es weiter mit dem muki-US-Car, das den Konvoi der US-Cars durch die Region mit einem Zwischenstopp in Kammern anführte. "Wir waren vor der Abfahrt sehr gespannt und aufgeregt", meint Ibser. Am Abend erwartet sie unter anderem der Auftritt von Seiler und Speer samt Meet and Greet mit den beiden Musikern.

Sophie Ibser und Philipp Trabaß aus Feldkirchen bei Graz, Gewinner des IRFC-Packages der Kleinen Zeitung
© Brigitte Schöberl

Die Stimmung ist gut, sehr gut sogar – und friedlich, wie auch Claudia Neissl von der Polizei Leoben bestätigt. "Wir haben viele Beamtinnen und Beamte im Einsatz, aber, es sind wirklich bis jetzt keine gröberen Vorfälle passiert", sagt sie Samstagnachmittag. Und auch Samstag werden weiter fleißig Spenden gesammelt.

Es werden eifrig Spenden gesammelt – für Kinder, die dringend Unterstützung brauchen
© Johanna Birnbaum

"Wow, das ist ein Sound." Die Corvette aus der Schweiz ist nicht nur ein Blickfang, sondern auch echt hörenswert, wenn man nach Motorsound verrückt ist. Und das sind die mehr als 2000 Zuschauerinnen und Zuschauer, die entlang der Paradestraße stehen. "Cool, mega – ich weiß gar nicht, wo ich hinschauen soll. Allein schon den Geruch mag ich und das Geräusch, wenn die Motoren aufheulen.

Ein Wahnsinn, wie viel Herzblut, Arbeit und Geld da in den Bikes drinsteckt", sagt Sabrina Haider. Gemeinsam mit ihrem Freund, selbst Harley-Fahrer, ist sie am Freitag aus Wien angereist und bleibt selbstverständlich bis Sonntag, wie sie meint.

Das quietschende Hupen der Vespas, das Dröhnen der Harleys, das dumpfe Signalhorn von Lkw – auf der "Iron Raod for Children" stehen die Ampel seit 11 Uhr auf Grün. Die Vespa-Gang sorgt für erste staunende Blicke, denn mehr als 700 sind mit dabei, bei der Ausfahrt nach Trofaiach, Eisenerz und Kammern. "Ich finde es einfach schön, dieses Kultfahrzeug zu fahren", bemerkt ein Vespa-Fahrer sichtlich stolz.

Jedes Alter ist bei den Fahrern vertreten, und jene, die selbst noch nicht lenken dürfen, sitzen eben auf dem Sozius. Und neben der Paradestraße auf dem Leobener Hauptplatz haben es sich Frauen und Männer, Mädchen und Buben zum Teil sehr bequem gemacht. "Wir sind schon ausgeruht, aber unsere tschechischen Freunde haben nicht so eine gute Kondition, die schlafen noch", wird gescherzt, gelacht und auch angestoßen – mit Alkoholfreiem. "Wir fahren ja noch", sagt ein Tiroler.

Freitag

Ein Urgestein der IRFC-Familie ist natürlich auch wieder mit dabei – Christian "Pongi" Pongruber. "Es ist wirklich so super, was da immer wieder von den Veranstaltern auf die Beine gestellt wird", lobt der Salzburger und fügt hinzu: "Ich hoffe schon, dass wieder ein Spendenrekord zusammenkommt, für die benachteiligten Kinder."

Gleich um die Ecke versucht Michael Simbürger aus Niklasdorf sein Glück beim eigenhändigen Münzenprägen beim "Zentrum am Berg"-Infostand. Zweimal mit dem Riesenhammer draufgeschlagen und schon ist sie fertig, die kleine Erinnerung an IRFC 2022.

Wie eine strahlende Zitrone kommt eine gelbe Vespa die Paradestraße am Hautplatz von Leoben daher gefahren. Und genauso strahlend ist das Lächeln der Fahrerin, die ihre Special-Edition-Vespa noch gar nicht so lange hat, wie sie erklärt. Der schicke Ton-in-Ton-Helm passt perfekt und man spürt förmlich die Lebensfreude.

Strahlend gelb und pure Lebensfreude
© Johanna Birnbaum

Große Freude hat Clemens Schilhan aus Graz mit seiner Yamaha, die beim Schrauber-Wettbewerb ausgestellt ist. "Ich habe mir das zu meinem 40. Geburtstag selbst geschenkt. Ich habe einem Freund erzählt, was ich mir vorstelle, und er hat es innerhalb eines Jahres umgesetzt. Es ist so schön geworden", erzählt er mit verliebt-stolzem Blick auf "seine" Maschine, aus der übrigens aus einer "Midnight Special" eine "Midlife Special" geworden ist, wie Schilhan augenzwinkernd bemerkt und meint: "Das passt doch zum 40er, oder?"

Zu jedem Alter passe ein Tattoo, davon ist ein Hautwerk-Tattoo-Artist aus Leoben überzeugt, während er eine bunte Blume auf dem Oberarm einer Kundin sticht. "Ich habe keine Angst, freue mich, dass ich das heute bekomme", sagt sie. Ihre Tochter beobachtet das sehr genau. Kurz zuvor hat sie ihr erstes Tattoo bekommen. Im Nebenraum wird das Knie eines jungen Mannes bearbeitet. "Ich überlege mir sehr genau, was ich haben möchte, und dann wird es gemacht", betont er.

Ob bunt oder grau-schwarz, die Nachfrage nach Farben bei Tattoos sei ungebrochen. "Es gibt mittlerweile wieder alle Farben, weil die Produzenten sofort auf verbotene Inhaltsstoffe reagiert haben und neue Farben gemacht haben", ist zu erfahren. 

Seit vier Uhr morgens flitzt Andy Bäuchl am Freitag schon über den Hauptplatz, immer wieder fallen Kleinigkeiten an, erzählt er sichtlich geschafft am Vormittag. Und so rasch ist sicher noch kein Ende in Sicht, die IRFC läuft gerade erst an. Noch ist es relativ ruhig, die ersten Besucher und Biker schlendern aber bereits durch die Gassen oder werfen neugierige Blicke in die Custom Bike Area. Dort findet man neben handwerklichen Meisterstücken zum Beispiel auch Helmut Hafenscher oder Bernhard Naumann alias "Blechmann".

"Das da hinten ist meine", sagt Hafenscher und zeigt mit den Fingern stolz auf eine silberne Harley-Davidson – eine aus den 50er-Jahren, wie er erzählt. "Motor und Getriebe sind noch original, alles andere ist Handarbeit. Da stecken zirka 600 Stunden drin. Die hier kostet zirka 40.000 bis 50.000 Euro", sagt Hafenscher. Neun Custom-Bikes hat er bei sich zu Hause in der Garage stehen, die "Schrauberei", seine absolute Leidenschaft, "ich mache sonst Aufzüge", erzählt er.

Helmut Hafenscher in der Custom Area mit seiner eigenen Harley-Davidson
© Isabella Jeitler

"Was die IRFC ausmacht, sind die Leute. Alle locker und lässig drauf und lauter Verrückte, wie man selbst einer ist. Und da sind eben alle auf einem Platz", sagt Hafenscher und lacht.

Naumann hingegen schnuppert am Freitag zum allerersten Mal IRFC-Luft. Er steht mitten zwischen kunterbunten, aufgemotzten Bikes neben seinem Stand im Live Congress Leoben – als "Blechmann" hat der Spenglermeister seinen Traum von der eigenen Firma verwirklicht. Schon nach wenigen Stunden IRFC schwärmt er: "Einfach großartig. Eine liebevolle Veranstaltung auf hohem Niveau. Allein hier stehen zu dürfen, ist mein Highlight vom ganzen Wochenende."

Bernhard Naumann alias der "Blechmann"
© Isabella Jeitler

Dass die IRFC auch von der wissenschaftlichen Seite beleuchtet und heuer forschend unter die Lupe genommen wird, mag womöglich manche verwundern. Lena Leitenbauer von der FH Joanneum ist mit fünf Studierenden unterwegs, ausgestattet mit einem Fragebogen zur Umwegrentabilität – eine volkswirtschaftliche Kennzahl, erklärt Leitenbauer. "Wir werden Teilnehmer zu ihrem Ausgabeverhalten befragen. Am Ende des Tages kommt dann ein Faktor raus. Unsere Aufgabe ist, zu erheben und herauszufinden, wie rentabel das Event ist. Also ob man schnell beim H&M eine kurze Hose gekauft oder sich ein Tattoo gemacht hat. Wie viel man für Benzin, Taxi und Öffis ausgibt, das alles soll transparent gemacht werden."

Lena Leitenbauer (r.) von der FH Joanneum ist mit einem Team auf der IRFC im Einsatz
© Isabella Jeitler

Donnerstag

Kartons mit T-Shirts, Kapperl, Fahnen und Patches mit buntem IRFC-Aufdruck stapeln sich bereits im Merchandise-Stand von Andy Fürholzer am Hauptplatz. Er steckt mit seinen Kollegen gerade noch mitten im Aufbau, Transparente werden fixiert, Kabeln verlegt, Tafeln aufgestellt. Kurz, es wird noch an Ecken und Enden gewerkelt – wie auch sonst überall am und rund um den Hauptplatz.

Hunderte freiwillige Hände greifen zusammen, um für drei Tage "Iron Road for Children" alles herzurichten. Nach quasi zwei Jahren Veranstaltungsabstinenz rechnet auch Fürholzer mit einem enormen Ansturm, "aber nicht nur das, alleine Seiler und Speer werden viele nach Leoben holen", ist er sich sicher.

Andy Fürholzer (r.) beim IRFC-Merchandise-Stand am Hauptplatz
© Isabella Jeitler

Erste Biker und Motorsportfans trudeln schon der Reihe nach ein, US-Cars und Bikes werden schon positioniert und fotografiert, freut sich Andy Bäuchl, neben Mike Reiter und Philipp Maier, einer der drei Hauptverantwortlichen. Sie alle wirken trotz intensiver Vorbereitungsphase und einer gewaltigen Portion an Organisatorischem noch total entspannt. "Was die Jungs von Brainsworld und deren gesamtes Team das ganze Jahr über leisten, ist einfach unvorstellbar", sagt Bäuchl.

So viele freiwillige Helfer wie noch nie zuvor seien heuer im IRC-Einsatz, wie Reiter erwähnt: "Die ganze Stadt zieht mit." Alle packen voll motiviert mit an, man sei mittlerweile eine total eingespielte Crew, das Ganze mache einen dann doch auch ein wenig stolz, die Vorfreude sei riesig, meint Reiter.