"Sie sind noch im Schulsystem von Maria Theresia, ich schon woanders"
Zweiter Teil unserer Serie zur Landtagswahl. Im Wahlstudio diskutierten Oliver Wieser (SPÖ), Hedwig Staller (FPÖ) und Niko Swatek (Neos) über Kindergarten, Schule und Ausbildung.

Die Steiermark wählt am 24. November einen neuen Landtag. In der Serie "Das Land neu denken" geht die Kleine Zeitung auf jene Sachthemen ein, die auch die Steirerinnen und Steirer beschäftigten, zeigen die Probleme auf, bitten die Politik um Lösungsvorschläge.
Im ersten Teil der Serie ging es um unsere Sicherheit, jetzt stehen die Bildungs- und Berufschancen unserer Kinder und Jugendlichen im Fokus. Wie können wir ihnen am besten das Rüstzeug für ein gutes späteres (Berufs-)Leben mitgeben? Die Frage richteten wir im Wahlstudio auch an Vertreter der Landespolitik. Die Landtagsabgeordneten Oliver Wieser (SPÖ) und Hedwig Staller (FPÖ) sowie Spitzenkandidat Niko Swatek (Neos) diskutieren mit Kleine-Redakteurin Claudia Gigler unter anderem darüber, was wir für die Kleinsten in Krippen und Kindergärten tun können, wie die Integration an den Schulen noch besser funktionieren würde und wie wir Lehrlinge unterstützen können.
Hier die Diskussion zum Nachsehen:
Gleich zu Beginn kaufte FPÖ-Bildungssprecherin Hedwig Staller Oliver Wieser als Vertreter der Regierungsparteien die Schneid ab: Die Politik habe sich zu wenig getraut mit dem erst 14 Tage alten neuen Kinderbetreuungsgesetz. Sie verwies auf eine Bund-Länder-Vereinbarung, worin man sich dazu bekannt habe, die Gruppen (derzeit 25 Kinder und zwei Betreuer) zu verkleinern bzw. den Betreuungsschlüssel zu erhöhen. Ihr Ziel, so Staller, wäre ein Betreuungsschlüssel von maximal 6 Kindern pro Betreuer, also eine Verdoppelung. "Bildung ist etwas wert, das muss uns etwas kosten dürfen." Und auch ein ÖVP-SPÖ-Übereinkommen im Land aus dem Jahr 2015, wonach noch in der gerade zu Ende gehenden Regierungsperiode die soziale Staffelung in den Kinderkrippen umgesetzt werden soll, sei liegen geblieben.
Wieser bestätigte: Das Gesetz sei nur ein erster Schritt. Es sei wichtig, die Betroffenen einzubinden, das brauche seine Zeit.
Mehr Ganztags-Kindergärten
Das Angebot an Kinderbetreuungsplätzen sei immer noch zu gering, betonte Niko Swatek. "44 Prozent aller Kindergärten haben nach 14 Uhr nicht mehr geöffnet." Mit einem normalen Vollzeitjob gehe sich das für die Eltern nicht aus. Wäre das Recht auf einen Ganztags-Kindergartenplatz eine Lösung? Staller ist dagegen, Swatek und Wieser dafür. Wieser: "Wir wollen uns ja Ziele setzen, und das ist ein Mittel dazu. Dann geht es darum, den Weg zu bestimmen, auch wenn sich das dann wieder verzögern kann.
Weg von starren Systemen
Mit einem Vorurteil räumte Wieser auf, als es um die Deutschförderklassen ging. "Das sind nicht nur Kinder mit Migrationshintergrund. 50 Prozent der Kinder mit Deutsch-Förderbedarf sind Österreicher." Ein Pilotprojekt in der Steiermark ziele darauf ab, mit digitalen Instrumenten spielerisch den Erwerb der deutschen Sprache zu fördern. "Die Sprache ist das Tor zur Gesellschaft."
Was hilft Schulen, deren Schüler zu einem großen Teil hohen Förderbedarf haben? Sowohl Wieser als auch Staller und Swatek sprachen sich dafür aus, solchen Schulen mehr Geld zukommen zu lassen, wenngleich, wie Wieser betonte, dafür der Bund zuständig ist. Für Swatek liegt die Zukunft in noch mehr Autonomie für die Schulen: "Sie sind noch im Schulsystem von Maria Theresia, ich schon woanders: Wir müssen die Schulen in die Pflicht und in die Verantwortung nehmen, wegkommen von den starren Systemen."
Prävention gegen Schulabbruch
Sorgen bereitet allen dreien der Umstand, dass sechs Prozent der Schüler, österreichweit 5.000, ohne Pflichtschulabschluss von der Schule abgehen, und dass ein Fünftel der Schulabgänger nicht sinnerfassend lesen können. Da müsse mehr Geld in die Prävention fließen, denn diese Jugendlichen kosteten den Staat ansonsten im späteren Leben ein Vielfaches. Für Swatek wäre hier neben dem Bund auch das Land gefordert, noch mehr Geld zusätzlich zu investieren.
In der Digitalisierung sehen alle drei Politiker eine Chance, aber, so Swatek: "Das digitalste an den Schulen sind oft die Pausen." Logik und Programmieren müssten schon früh trainiert werden in den Schulen. Staller will aber auch die Eltern nicht aus der Pflicht nehmen: "Wenn die Kindergartenkinder schon mit dem Smartphone spielen, ist das nicht gut. " Und auch die Schulreife mit dem Tablet festzustellen sei nicht der richtige Weg.
Eine aktuelle Studie zum Anstieg der Mobbing-Fälle sei ein Zeichen dafür, dass verstärkt Medienkompetenz, vor allem auch in Bezug auf soziale Medien, vermittelt werden müsse, war man sich einig. Wieser verwies in diesem Zusammenhang auch auf den Erfolg der Mobbing-Anlaufstelle, die installiert wurde.
Wer mit wem?
Wer mit wem nach der Wahl? Die SPÖ ist laut Wieser nach allen Richtungen hin offen, Staller gab auf Nachfrage zumindest zu, dass der Graben zu den Grünen am tiefsten sei, obwohl sie mit Lara Köck, der grünen Bildungssprecherin im Landtag, in vielem einig sei. Und Swatek, derzeit Einzelkämpfer im Grazer Gemeinderat, hofft zunächst einfach einmal, den Einzug in den Landtag zu schaffen und mit im Boot zu sein.
Was die Parteien wollen
Wir haben alle sechs wahlkämpfenden Parteien nach ihren Positionen und Schwerpunkten zu dem Thema gefragt. Die durchaus unterschiedlichen Antworten finden Sie hier:







