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Graz-Buch der WocheDribbling über historische Fußballfelder

Vom Ball(Kampf)sport der Antike und des Mittelalters bis zu modernen Rivalitäten: Ein großartiger Begleiter für fußballfreie Stunden.

Johannes Gießauf, Walter M. Iber und Harald Knoll, "Fußball, Macht und Diktatur - Streiflichter auf den Stand der historischen Forschung, StdienVerlag, Graz 2014
Johannes Gießauf, Walter M. Iber und Harald Knoll, "Fußball, Macht und Diktatur - Streiflichter auf den Stand der historischen Forschung, StdienVerlag, Graz 2014 © Preis
 

Auch an dieser Stelle führt derzeit kein Weg am Fußball vorbei. Diesmal soll auf ein älteres Werk verwiesen werden, das mir dieser Tage empfohlen wurde - und mich sofort in seinen Bann schlug. "Fußball, Macht und Diktatur" ist eine wissenschaftliche Publikation des Grazer Ludwig Boltzmann-Instituts für Kriegsfolgen-Forschung, ein wissenschaftliches Werk, ja, - aber ein immens spannendes.

Die Autoren verstehen es, einen Spannungsbogen zu schlagen, der den Leser kaum los lässt. Von Anfang an wird geschickt beschrieben, wie die Politik es egal zu welcher Zeit verstand, sich den Fußball und seine Leidenschaft einzuverleiben - und wo sich die Obrigkeit gegen diese Leidenschaft wehrte, wurde sie eben im Lauf der Zeit eines Besseren belehrt.

Schlagwortartig sei hier eine Reise ins Mittelalter erwähnt, die das calcio fiorentino beschreibt, eine Fußballschlacht zur Zeit der Medicis, die zuweilen hunderte Spieler forderte und Schwerverletzte am "Spielfeld" hinterließ. Es ging dabei im Wesentlichen schon darum, einen Ball durch ein Tor (Stadttor, Kirchentor) zu bugsieren, vorzugsweise mit dem Fuß aber unter Einsatz aller möglichen Mittel. Diese Spiele arteten dann durchaus in handfeste Schlägereien aus.
Ähnliche Varianten auf den britischen Inseln und Frankreich wie jene in der Antike werden ebenfalls beschrieben und machen die Lektüre schnell zum abenteuerlichen Streifzug durch die Sportgeschichte.

Breiter Raum wird der NS-Zeit gewidmet, sowohl den steirischen Vereinen wie auch jenen aus ganz Österreich, außerdem behandeln Aufsätze die Fußballgeschichte während der Stalin-Ära in Russland und dem faschistischen Italien.

Historischer Faktencheck

Die Blickwinkel dieses Buches sind mannigfaltig, die Auseinandersetzung samt all ihrer historischen Wirrungen und Irrungen zwischen CF Barcelona und Real Madrid nur einer von vielen Höhepunkte in der Lektüre. Der Slogan "Mehr als nur ein Verein", Santiago Bernabeus kategorische Äußerung "Ich liebe Katalonien, trotz der Katalanen" und der Spruch des Schiedsrichterpräsidenten "Barca wird niemals Meister, solange ich die Referees bestimme" werden im Kontext der Geschichte beleuchtet, ideologische Phrasen gnadenlos aufgedeckt und vor dem Lichte historischer Fakten ins rechte Licht gerückt. Kurzum: Dass ein derart fundiert recherchiertes und großartig geschriebenes Buch über Fußball aus Graz stammt, ist bemerkenswert - spielt Graz bei aller Liebe zum Ballsport ja nicht wirklich die erste Geige in diesem Metier.
Deshalb das gewagte Fazit: Auch wenn ich es selbst erst seit einigen Tagen besitze - dieses Buch gehört in jedes Regal.

Einzige kritische Anmerkung: Cover und Titel sind weder besonders reizvoll noch werden sie dem Thema gerecht. Fußball ist Emotion - egal von welcher Seite man dieses Spiel betrachtet. Aber gut, über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Wie eben über Fußball auch...

 

 

 

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