Debatte in GrazNach Unwetter mit Todesfolge: Politik will alte Baumriesen fällen

Werden in Graz Hunderte Bäume gefällt? Politik streitet um richtigen Umgang mit altem Baumbestand in Parks.

Unwetter zog Spur der Verwüstung durch Grazer Parks
Unwetter zog Spur der Verwüstung durch Grazer Parks © Ballguide/Pajman
 

Die Unwetter der beiden vergangenen Tage befeuern jetzt eine alte politische Debatte neu: Sind die Bäume im Stadtpark und am Schloßberg zu alt – und damit eine Gefahr für die Grazer?

Ja, sagt Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP). „Seit Jahren raten uns Förster dringend, einen Teil der Bäume zu schlägern und wieder aufzuforsten.“ Die zahllosen entwurzelten Bäume seien der Beleg dafür, dass höchster Handlungsbedarf bestehe. „Es ist einfach zu gefährlich. Der Schloßberg ist ja kein Urwald“, so Nagl, „sondern ein Erholungsgebiet, wo viele Leute spazieren gehen. Das müssen wir entsprechend pflegen und betreuen.“

Genau das hat Grün-Gemeinderätin Andrea Pavlovec-Meixner befürchtet. Anstatt „alle alten Bäume einfach auszureißen“, will sie Schilder in Parks anbringen, „die darauf hinweisen, dass sich bei Unwetter dort niemand aufhalten sollte“.

Den Fachleuten der Stadt ist die Debatte bestens bekannt. Und tatsächlich sind die Bäume gerade am Schloßberg und im Stadtpark teils schon sehr alt. „Aber man muss sehen, dass bei dem großen Unwetter nicht alte und kranke, sondern schöne und vitale Bäume entwurzelt wurden“, sagt Stadtförster Peter Bedenk.

Bereits 300 Bäume entnommen

Er will sich in die politische Debatte nicht einmischen, hält aber fest, dass alte, schwache Bäume am Schloßberg bereits seit rund drei Jahren entfernt werden: „Wir haben in diesem Zeitraum rund 300 Bäume entnommen, ohne das es jemand bemerkt hätte und ohne Aufregung.“ Nachgepflanzt wurden sie bewusst nicht, das übernehme die Natur ohnehin selbst, so Bedenk.

Es ist einfach zu gefährlich. Der Schloßberg ist ja kein Urwald.

Siegfried Nagl, Bürgermeister

Auch der Naturschutzbeauftragte der Stadt Graz, Wolfgang Windisch, warnt jetzt vor voreiligen Handlungen. „Es hat ja gesunde, starke Bäume wie die eindrucksvolle Atlaszeder beim Chinesischen Pavillon am Schloßberg erwischt, nicht alte.“ Vor allem Nadelhölzer wurden entwurzelt, was die Stadtparkhansis betrifft: „Die Eichkater irrten herum, weil es in der Einspinnergasse eine ganze Fichtengruppe umgelegt hat“.

Windisch wurde gestern außerdem mit einem weiteren Problem konfrontiert: „Wir haben Hunderte Anrufe von Privatleuten bekommen, die ihre Bäume ausreißen wollen.“ Laut Baumschutzverordnung ist das natürlich nicht möglich, muss jedenfalls im Einzelfall beurteilt werden. „Die Hysterie unter den Leuten ist jetzt groß“, so Windisch. Er bittet darum, „die Kirche im Dorf zu lassen. Die Natur kann eben gefährlich sein. Wir müssen wieder lernen damit umzugehen – und bei Unwettern Wälder und Parks meiden.“

 

Kommentare (14)

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wolfisch
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Park

Es grünt so grün!

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Ifrogmi
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dem hr. bürgermeister, ...

... bzw. seinen beratern ist aber schon klar, dass der Schlossberg mit seinen 19ha, sowie der Stadtpark mit 22ha zum insgesamt 78ha grossen NATURSCHUTZGEBIET Weinzödl gehört.
was man in einem ausgewiesenen Naturschutzgebiet darf und was nicht, dass sollten Politiker und ihre Berater schon wissen.
setzt man sich einfach darüber hinweg, weil man sich selbst eh nicht straft?
plant man den naturschutzstatus von Schlossberg und Stadtpark aufzuheben?
oder ist es den verantwortlichen einfach wurscht, was mit der Natur passiert?
die Einstellung zur Natur sieht man aber eh an diversen Projekten wie plabutschzerstörung, etc. von da her: nichts neues unter der sonne.

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2
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...Nagl wird als Baumkiller von Graz in die Geschichte eingehen...

zuerst müssen 20.000 Bäume einem Murkraftwerk weichen - von dem man schon vorher weiß, daß es Jahr für Jahr mehr kostet als es erwirtschaftet - und nach einem Sturm wird gleich der Baumbestand in Graz in Frage gestellt.

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Mein Graz
14
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Wir haben in unserem Garten

3 sehr hohe Laubbäume, ca. 60 Jahre alt. Bei jedem Unwetter befürchte ich Schlimmstes, es ist nicht nur unser Haus gefährdet, sondern auch 3 Nachbarhäuser.
Als die Bäume vor vielen Jahren gepflanzt wurden war nicht abzusehen, dass die Unwetter und vor allem die Windstärke so zunehmen, wie dies jetzt der Fall ist. Damals gabs in Graz praktisch kaum einmal einen Sturm!
So gesehen muss man Parks, Gärten, Alleen usw. immer wieder auf die Gegebenheiten bzw. den Klimawandel abstimmen.

Antrag für das Fällen ist gestellt, jetzt heißt es hoffen und abwarten...

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Peter Oberleitner
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Hoffentlich Satire?

Wenn dieser Beitrag NICHT Satire sein sollte dann ist er wohl ein Sinnbild dafür, dass die Menschheit dem Untergang geweiht ist. Der Klimawandel hat wohl leider sehr viel mit Baumfällen (i.e. Zerstörung unserer Lebensgrundlage) zu tun. Wenn Sie jetzt als Reaktion auf den Klimawandel Bäume fällen wollen, dann ist das so als ob sie als Reaktion auf die Erkenntnis, dass Sie in Kürze gegen die Wand fahren werden auch noch Gas geben.

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Mein Graz
7
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@Peter Oberleitner

Wie kommst du auf die Idee, dass ich auf Grund des Klimawandels die Bäume fällen will?
Ich MUSS sie fällen, weil sie Menschen und Häuser gefährden!
Lies meinen Beitrag bitte noch einmal durch!

Allerdings: hätten wir bei der Pflanzung der Bäume vor etwa 50 Jahren gewusst, wie sich das Klima verändert, hätten wir keine Bäume gesetzt, die so in den Himmel schießen!
Und ebenso verhält es sich mit ziemlicher Sicherheit in den Parks. Baumriesen, die vor dem Aufkommen der Stürme als "sicher" galten, sind es halt jetzt nicht mehr.

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calcit
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Und was den Kommentar von Herrn Windisch betrifft:

"Wir müssen wieder lernen damit umzugehen – und bei Unwettern Wälder und Parks meiden.“ Erstens können das viele nicht einschätzen weil sie in einer Stadt aufgewachsen sind und von Natur keine Ahnung haben. Zweitens ist das Unwetter und sind teilweise die Windböen so schnell gekommen, dass sie gar nicht reagierten haben können. Und drittens müssten sie generell die ganze Stadt meiden weil durch Dachteile, Ziegel und andere Gegenstände könnten sie auch verletzt und getötet werden...

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calcit
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Ja liebe Frau Andrea Pavlovec-Meixner...

...machen sie das. Erstens hält sich niemand daran - genug Personen sind auch gestern weiterhin in den gesperrten und gekennzeichneten Bereichen unterwegs gewesen. Und grundsätzlich trifft es die Stadt Graz als Grundeigentümerin grundsätzlich immer den Erhaltungszustand der Bäume zu prüfen und nötigenfalls die entsprechenden Maßnahmen (Baupflege und auch Rodung) durchzuführen. Was glauben sie wie schnell die Rechtsanwälte und Versicherungen da sind und versuchen eine Pflichtverletzung nachzuweisen um nicht zahlen zu müssen.

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checker43
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Bei

140 km/h Windgeschwindigkeit ist der Stadtpark aber nichts, wo man spazieren gehen sollte ... Mit dem Argument kann er alle Bäume in Graz schlägern lassen.

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calcit
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Bei 140km/h ist die Gefahr in der ganzen Stadt gegeben...

...von diversen Teilen erschlagen zu werden...

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checker43
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Eben

Mit der Logik müsste Nagl auch sofort alle Plakatwände, Blechdächer und was sonst noch herumfliegen kann, entfernen lassen.

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gerbur
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Ja, Bäume gehören in den Wald

und in Parks, aber in den Gärten einer Stadt haben hohe Bäume absolut nix verloren. Es gibt genug Grünzeug, das ähnliche ökologische Funktionen aufweist. Einfach einmal einen Gärtner fragen. Für de Herrn Windisch kann man ja einen Baum stehen lassen, den er umarmen kann.

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aral66
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Das Leben ist einfach lebensgefährlich

Die Eigenverantwortung sollte wieder gefördert werden, nur aus Angst vor eventuellen Schadensersatzforderungen alle alten Bäume zu fällen, die natürlich !!! auch in Parks gehören, ist der falsche Weg !!!

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trottelreiner
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Ja, einfach alles abholzen,

zubetonieren und dann grün anstreichen.
P.S.: Öffentlicher Garten in einer Stadt = Park

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