KriegsverbrechenStadt rückt Fokus auf Lager Liebenau

Ausstellung, Gedenkstein, Kunstwerk - die Stadt richtet die Aufmerksamkeit auf das Lager Liebenau und damit auf eine dunkle Stunde seiner Geschichte.

Barbara Stelzl-Marx (Boltzmann Institut), Günter Riegler (Stadtrat), Otto Hochreiter (GrazMuseum)
Barbara Stelzl-Marx (Boltzmann Institut), Günter Riegler (Stadtrat), Otto Hochreiter (GrazMuseum) © Preis
 

Das Lager Liebenau und die menschlichen Tragödien, die sich während der NS-Zeit dort abgespielt haben, werden gerade im Gedenkjahr 2018 in den Mittelpunkt gerückt. VP-Kulturstadtrat Günter Riegler betonte heute in einer Pressekonferenz, "dass Graz sicher nicht den Mantel des Schweigens über die Ereignisse von einst legen wird" und kündigt Veranstaltungen an.

Am 14. November zeigt etwa das GrazMuseum in der Gotischen Halle die Ausstellung "Das Lager: ein Ort verdichteter Geschichte".
Barbara Stelzl-Marx, Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung, kündigt außerdem die Enthüllung eines Gedenkstein im Bereich des ehemaligen Lagerareals am Grünanger an. 

Das Lager

Das Lager V. in Liebenau war ein Umsiedelungslager. Hier wurden rund 5000 ungarische Juden auf ihrem Marsch ins Konzentrationslager Mauthausen im Frühjahr 1945 durchgeschleust.
Nachweislich wurden hier 34 Menschen erschossen, vielen wurde die medizinische Hilfe verweigert.
In Kriegsverbrecherprozess der britischen Besatzungstruppen wurden 1947 dementsprechend harte Utreile gefällt, zwei Nazi-Schergen wurden zum Tode verurteilt und die Urteile auch vollstreckt.
Danach verebbte die Aufmerksamkeit auf das Lager Liebenau und wurde erst durch die Arbeit des Sozialmedizinischen Zentrums (Rainer Possert) und die Grabungen rund um das Projekt Murkraftwerk befeuert. Die Stadt Graz finanzierte ein Buchprojekt und will sich künftig vermehrt dem Thema widmen.

Ein Kunstwerk ist auch angedacht, Riegler bat hierbei aber um Zeit: "Wir haben da noch keinen konkreten Zeitplan und auch noch keinen konkreten Standort. Aber es wird eine Ausschreibung geben."

Die Gedenktafel

Die Tafel wird in deutscher, englischer und ungarischer Sprache verfasst sein und im Bereich Andersengasse aufgestellt werden. In unmittelbarer Nähe befindet sich ein denkmalgeschützter Keller des ehemaligen Lagers Liebenau.

Den Vorwurf, dass im Zuge der Bauarbeiten zum Murkraftwerk auch viele archäologische Fundstücke zugeschüttet wurden und damit der Vergessenheit anheim fallen, entkräftet Stelzl-Marx. "Vieles ist am besten konserviert, wenn man es wieder zuschüttet. Aber natürlich haben wir sämtliche Fundstücke aufgezeichnet und katalogisiert. In einigen Fällen, wie etwa die Graffitis von Haft-Insassen, wird auch eine Besichtigungsmöglichkeit angedacht."

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