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Handschlag verweigert

Lehrerin will muslimischen Vater klagen

Eine Grazer Lehrerin will den Vater einer Schülerin klagen, weil er ihr den Handschlag verweigert hat. Es fehlt allerdings die Judikatur. Von Katrin Schwarz

Wer den Höflichkeitskodex des Händeschüttelns verweigert, begeht häufig einen Tabubruch © fotogestoeber - Fotolia
 

"Händeschütteln ist soziologisch gesehen eine alltägliche Verhaltensweise, die erwartet wird und damit wie ein ungeschriebenes Gesetz wirkt“, erklärt Katharina Scherke, Universitätsprofessorin am Institut für Soziologie an der Universität Graz. Erwartet hat diese Verhaltensweise auch eine Grazer Lehrerin – die anonym bleiben will – bei der Verabschiedung eines muslimischen Vaters. Ihr wurde der Handschlag als Abschiedsgruß aber verweigert. Daraufhin hat sie sich dazu entschlossen gegen den Mann eine Klage einzubringen. „Die Situation war eindeutig“, so die Grazerin. Einem direkt neben ihr stehenden Mann sei die Hand gereicht worden, sie selbst wurde mit ausgestreckter Hand stehen gelassen. Auch ihren weiblichen Kolleginnen wurde die Abschiedsgeste des Händeschüttelns verwehrt.

Frage der Gleichberechtigung

„Es geht um grundlegende Frauenrechte, viele Frauen nehmen das hin und wehren sich nicht“, erklärt die Lehrerin ihre Entscheidung. Auch wenn es in manchen muslimischen Ländern unsittlich sei, fremden Frauen die Hand zu schütteln, sei das zwischengeschlechtliche Nicht-Hände-Schütteln für sie keinesfalls als Geste des Respekts zu deuten. „Hier darf es keine falsche Toleranz geben. Bestimmte Dinge, wie die Gleichbehandlung von Frauen und Männern müssen einfach verlangt werden“, so ihr Standpunkt.

Kontext des Händeschüttelns


„Das Händeschütteln ist nicht nur eine Geste“, erklärt Soziologin Scherke. „Damit werden ganz viele Dinge zum Ausdruck gebracht, beispielsweise eine Begegnung auf Augenhöhe, dass man einander Vertrauen entgegenbringt, oder auch die Bedeutung des Handschlags mit dem man Verträge besiegelt. Es sind viele Dinge, die hier mitschwingen – es ist ja nicht rein das physische Handschütteln, sondern der gesamte Kontext, der damit assoziiert ist.“


Es brauche allerdings eine lange Sozialisation bis man solche informellen Verhaltensweisen auch wirklich gut beherrsche, sagt Scherke: „Wenn jemand die Möglichkeit gehabt hat, sich hier zu integrieren, und diese Verhaltensweisen kennen gelernt hat, kann man erwarten, dass derartige alltägliche Höflichkeitsregeln und Umgangsformen auch berücksichtigt und diese nicht absichtlich – und schon gar nicht in einer Frau zurückstufender Absicht – durchbrochen werden.“


Rechtliche Möglichkeiten

Rechtlich betritt man mit dieser Debatte Neuland: „Es fehlt die Judikatur, es gibt noch keine Entscheidungen“, weiß die steirische Gleichbehandlungsanwältin Elke Lujanksy-Lammer. Problematisch sei auch, dass hier zwei Grundrechte nebeneinander stünden. „Die eine Seite findet eine Situation vor, in der sie aufgrund ihres Geschlechts ungleich zu den Anderen behandelt wird. Auf der anderen Seite gibt es das Recht auf Religionsausübung und Religionsfreiheit“, so Lujanksy-Lammer. Hier stünden zwei potenzielle Diskriminierungsgründe gegenüber.

Auch die steirische Antidiskriminierungstelle befasst sich mit Anfragen zu dieser Debatte: „Aus der Sicht der betroffenen Lehrerin betrachtet, stellt es eine Diskriminierung aufgrund des Geschlechtes dar, die sich in Form einer geschlechtsbezogenen Belästigung nach § 8a des Bundes-Gleichbehandlungsgesetzes äußerte. Dies empfand die Betroffene als Würdeverletzung, die beleidigend und unerwünscht für sie war“, erklärt Daniela Grabovac von der Antidiskriminierungsstelle. Zu beachten sei allerdings, unter welchen Bedingungen das Händeschütteln verweigert wurde. „Die eigentliche Belästigung oder Nicht-Belästigung entsteht somit in erster Linie durch den Begleitrahmen, in dem die Verweigerung stattfindet.“ Hier müsste geklärt werden, warum das Gegenüber die Hand verweigert hat, beziehungsweise ob gleichzeitig auch eine geringschätzende, missachtende oder verbale Handlung gesetzt wurde.

Rechtliche Schritte


Rechtliche Schritte können gemäß § 20 Abs. 2 des Bundesgleichbehandlungsgesetzes geltend gemacht werden: Bei Beamtinnen gilt, den Antrag binnen drei Jahren bei der für sie zuständigen Dienstbehörde oder auch gerichtlich geltend zu machen. Vertragliche Dienstnehmerinnen können ihn binnen drei Jahren gerichtlich geltend machen. Landeslehrerinnen müssen den Weg zur Landes-Gleichbehandungskommission gehen.