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Auf ein Wort mit Gerhard Balluch

Er hat fast alle großen Rollen gespielt und Titel erhalten. Doch müde ist Gerhard Balluch, Doyen am Grazer Schauspielhaus, deshalb längst nicht.

© SABINE HOFFMANN
 

H err Balluch, derzeit sind Sie ja abseits der großen Schauspielhausbühne erfolgreich. Und das noch dazu mit einem Text, der nicht gerade modern ist.

GERHARD BALLUCH: Ja, ich lese nach Ilias und Odyssee von Homer am kommenden Samstag auf der Probebühne aus der Aeneis des Vergil. Und bisher waren wir ausverkauft.

Was macht diese Texte heute noch so erfolgreich, denn per se ist griechische Mythologie ja kein Publikumsmagnet?

BALLUCH: Noch dazu, wo man anmerken muss, dass ich sie den Leuten ja überaus puristisch vorsetze, das stimmt. Ich habe da ja nichts auf der Bühne. Keine Effekte. Nur mich. Aber es gibt natürlich schon eine Reihe von Leuten, die sich für solche Texte interessiert. Und ich glaube auch, dass das eine Art Spezialität von mir ist, mich mit Texten auseinanderzusetzen und zu präsentieren, die man so heutzutage nicht mehr zu hören bekommt.

Warum eigentlich nicht?

BALLUCH: Weil sie in der Schule nicht mehr behandelt werden. Früher war das ja Gymnasiumstoff. Mit der Ilias, der Odyssee, der Aeneis, damit sind wir aufgewachsen. Der Trojanische Krieg, Achill, Hector, Odysseus, Sirenen, Zyklopen, Karthago, der Gründungsmythos Roms. Ach, wir waren damals begeistert davon in der Schule. Und wenn man es entsprechend bringt - das sage ich nicht eitel, aber doch selbstbewusst - dann gibt's eine ganz große Menge Leute, die sich das anhört. Natürlich nicht Tausende, aber doch eine Menge.

Aeneis ist in Versform geschrieben. Versteht das jeder?

BALLUCH: Man merkt an solchen Projekten natürlich, wie der Wortschatz der Gegenwart geringer wird. Es gibt alle möglichen Dinge, die man schützt, wie Gebäude oder Tiere. Aber Worte schützt keiner. Das ist schade.

Bei der Sprachbildung setzen Sie auch häufig an. Ihr Engagement in Schulen ist bekannt.

BALLUCH: Ich sehe es als meine Aufgabe, nicht nur das zu machen, was ich vom Haus vorgesetzt bekomme, sondern Dinge zu machen, die man aus Zeitgründen nicht am Spielplan hat.

Nun ist die Unterhaltungsbranche generell ja eine große Konkurrenz fürs Theater. Auf der Fernseh- oder Kinobühne sind Sie aber weniger präsent. Warum eigentlich?

BALLUCH: Das Fernsehen wäre ein Thema, wenn ich Angebote bekäme, die sich dann auch mit den Probezeiten am Theater ausgehen. Beispiel Tatort. Ich hab da vor Kurzem eine Rolle angeboten bekommen, stand aber in den Endproben zu "Amerika". Mir hat das leidgetan, denn das wäre, glaube ich, lustig gewesen.

Kämen auch Nebenrollen für Sie infrage?

BALLUCH: Ich möchte keine Rolle annehmen, wo ich nur einen halben Satz sage. Außer dieser halbe Satz ist so wichtig, dass er das ganze Stück trägt (lacht). So wie bei Robin Hood mit Kevin Costner. Da haben auch viele Leute gesagt, das Beste am Film sei der Schluss gewesen, wo Jean Connery auftritt und in einem Satz sagt, er sei Richard Löwenherz.

Sie blicken auf 40 Jahre Bühnenpräsenz in Graz zurück. Die Frage kommt also unweigerlich: Was waren Ihre großen Rollen?

BALLUCH: Richard II., Cyrano, der Jedermann, zwar nur in Klagenfurt, aber doch (lacht). Ich war der König Philipp in Don Carlos. Ich hatte eigentlich das Glück, fast alle großen Rollen gespielt zu haben, weil sie eben auch immer im Programm waren.

Welcher Rolle trauern Sie nach, welche möchten Sie noch spielen?

BALLUCH: Was mir leidtut, ist, dass ich den Othello aufgrund meines fortgeschrittenen Alters nicht mehr spielen kann. Aber nachtrauern will ich der Rolle nicht. Ich bin so ausgelastet, in jeder Hinsicht. Ich muss niemandem etwas beweisen. Das, was ich mache, ist reine Freude und Interesse und innerer Aufruf.

Sie sind als Schauspieler x-fach preisgekrönt, haben silberne und goldene Ehrenzeichen, sind Professor ...

BALLUCH: ... und Kammerschauspieler ...

... und Regisseur und Produzent. Welches Projekt liegt bei Ihnen in der Schublade?

BALLUCH: Keines liegt in der Schublade. Ich bin zu allem bereit und offen für alles. Der Tag hat aber nur 24 Stunden. Leider.

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