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Hallstattzeit

Das Fürstengrab im eigenen Garten

Am Grafenkogel bei Wildon befindet sich ein bedeutendes Fürstengrab der Steiermark. Es stammt aus der Hallstattzeit (6. Jahrhundert vor Christi).

Buchkogel bei Wildon: Ein Wald voller Hügelgräber
Buchkogel bei Wildon: Ein Wald voller Hügelgräber © Preis
 

Was soll Johann Höller schon großartig tun? Er lebt halt seit Jahrzehnten am Grafenkogel bei Wildon auf einem Grab und hat erst 2014 erfahren, dass es sich dabei sogar um eine wissenschaftlichen Sensation handelt.
Für die Erklärung reisen wir um rund 2800 Jahre zurück in der Zeit. Um sich das Leben von damals vorzustellen, braucht es einiges an Fantasie – und einen Archäologen wie Christoph Gutjahr vom Kulturpark Wildon, der seit Jahren rund um Wildon forscht. „Im 6. Jahrhundert vor Christus existierten am Wildoner Schlossberg und am Buchkogel ausgedehnte Höhensiedlungen mit rund 1000 Bewohnern“, schildert er, „am Schlossberg reichten die Dörfer sogar bis ins Tal“. Es war ein politisches, wirtschaftliches und religiöses Machtzentrum der Region.

Die Gehöfte lagen auf Terrassen, Pfosten- und Blockbau war üblich. Die Häuser hatten offene Feuerstellen und bestanden meist nur aus einem Raum, der zum Schlafen, Wohnen und Verarbeiten der Lebensmittel genutzt wurde. Die Archäologen, die seit 2004 rund um Schlossberg und Buchkogel arbeiten, konnten auch Ställe und Werkstätten wie Webhütten nachweisen.

Wie lebten die Menschen vor 2800 Jahren?

Die Menschen dieser Zeit ernährten sich durch Ackerbau und Viehzucht. Zwergweizen, Gerste, Dinkel, Emmer und Einkorn wurden angebaut. Auf dem Speiseplan standen zudem Hülsenfrüchte wie Erbsen, Linsen, Ackerbohnen aber auch Karotten und Kohl. Auch Haustiere wie etwa Schafe, Ziegen, Rinder und Schweine wurden gehalten, doch sie erreichten nur etwa ein Dreiviertel der heutigen Körpergröße.
Die Menschen kleideten sich mit Schafwolle und Flachs, gefertigt durch Webstühle, ganz ähnlich jenen, die man am Burgstallkogel in Kleinklein gefunden hat.

Johann Höller (re.) lebt auf einem hallstattzeitlichen Hügelgrab
Johann Höller (re.) lebt auf einem hallstattzeitlichen Hügelgrab Foto © Preis

Auch über die Riten weiß man Bescheid: Bis zum 13. Jahrhundert vor Christus wurden die Toten körperbestattet, danach auf Scheiterhaufen verbrannt, der Leichenbrand samt mitunter mitverbrannten Gaben, aufgesammelt. Diese Reste wurden in ein keramisches Gefäß, eine Urne, gegeben und eingegraben. Manchmal wurden Speisen und Getränke beigefügt, Werkzeuge und sehr selten Waffen.

Solche Gräberfelder der späten Bronzezeit (1300 bis 800) lagen außerhalb der Siedlungen, sie müssen auch oberirdisch gekennzeichnet mittels Holzpfähle oder Steinumsäumungen gewesen sein. In der Hallstattzeit schließlich - der Älteren Eisenzeit von 800 bis 450 – setzte sich die Sitte durch, die Menschen zwar weiterhin zu verbrennen, sie aber in richtige Grabhügel zu bestatten.

Dass Wildon aus seiner aufregenden Geschichte Kapital schlagen könnte, zeigt sich am Erfolg des archäologisch-historischen Museums. Ein Ausbau des Hauses, um die Fundstücke zu präsentieren, wird bekanntlich angedacht.

Wissenschaft im Garten

Doch zurück zu Johann Höller am Grafenkogel. Es war ein feuchtkalter Oktobermorgen, als bei Umbauarbeiten im Garten im Jahr 2014 plötzlich große Steine zutage traten, die auf eine Grabkammer hinwiesen. Archäologen wurden herangezogen, Gutjahr erinnert sich: „Es war speziell, denn normalerweise werden Fundstellen wie Zwiebel ausgegraben, Schicht um Schicht – nicht von der Seite her. Außerdem standen wir unter Zeitdruck“. Schließlich wollte der Grundstückbesitzer nicht monatelang Wissenschaftler im Garten haben.

Heute weiß man, dass der Grabhügel 40 Meter im Durchmesser und fünf Meter an Höhe misst. Der gefundene Schmuck weist darauf hin, dass hier eine Dame bestattet wurde, möglicherweise auch mehrere Personen.
Ganz sicher ist Gutjahr sich zudem, dass es eine politisch sehr stabile Phase gewesen sein muss, „denn sonst nimmt man sich nicht die Zeit für solche Bestattungen“. Anders als in Ägypten seien die Gräber nämlich nicht bereits zu Lebzeiten der Fürsten errichtet worden.

Wie großartig der Fund auf dem Grundstück des Johann Höller ist, erklärt sich aus der Seltenheit der Funde. „In Kleinklein sind vier Grabhügel erhalten, in Strettweg vorläufig vier, in Wildon nur dieser eine.“ Obwohl um Schlossberg und Buchkogel einst ausgedehnte Nekropolen herrschten, hat die Region für Archäologen den Nachteil, dass sie sehr stark überbaut ist.

Und was macht Herr Höller jetzt? „Nix“, sagt er. „Genau auf dem Hügel steht ein alter Baum. Und der bleibt da. Also wird auch vorerst nicht aufgegraben.“ Nachsatz: „Aber seltsam ist es schon.“

Kommentare (1)

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hermannsteinacher
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Höller-

Hansl?

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