AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

Nach Bluttat in StiwollVerfahren gegen Friedrich Felzmann wird abgebrochen

Sieben Monate nach dem Doppelmord von Stiwoll wird die Sonderkommission aufgelöst. Die Suche nach dem mutmaßlichen Täter Friedrich Felzmann geht aber weiter. Für Hinweise zur Ergreifung gibt es 5000 Euro Belohnung.

Monatelang war intensiv gesucht und gefahndet worden © APA/Gubisch
 

Mehrere Hundert Seiten umfasst der Abschlussbericht des Landeskriminalamtes im Fall Friedrich Felzmann. „Der Abschlussbericht liegt uns bereits vor“, bestätigt STA-Sprecher Hansjörg Bacher. „Wir warten noch auf das gerichtsmedizinische Gutachten.“ Dann wird das Verfahren abgebrochen, kann aber jederzeit wieder aufgenommen werden. Der europaweite Haftbefehl und die Fahndung nach dem gesuchten mutmaßlichen Doppelmörder von Stiwoll bleibt jedoch aufrecht.

Ausführlich ist im Abschlussbericht und der Tatbestandsmappe der Ablauf der Tragödie festgehalten. Friedrich Felzmann feuerte aus einem Hinterhalt im Wirtschaftsgebäude auf seine ihm verhassten Nachbarn Adelheid H. (55), Martina Z. (68) und Gerhard E. (64). Neunmal drückte er ab. Nur ein Projektil verfehlte sein Ziel, acht Schüsse trafen. Martina Z. überlebte – schwer verletzt.

Tödliche Schüsse

Als am 29. Oktober 2017 die Schüsse fielen, standen die beiden jüngeren Töchter Felzmanns neben den Opfern, wollten mit ihnen wegen eines Wegestreits Klarheit schaffen. Die ältere Tochter hielt sich zu dem Zeitpunkt mit ihrer Mutter und den Kindern im Bauernhaus auf. „Jetzt schießt der Vater im Hof herum“, soll sie gesagt haben. Dann versteckte sie ihre Kinder im Schlafzimmerschrank.

Friedrich Felzmann (66) entkam. Eine Spur von ihm gibt es bisher nicht. Hat der Gesuchte auf seiner Flucht Selbstmord begangen? Ist er im unwegsamen Gelände womöglich durch einen Unfall ums Leben gekommen? Oder sitzt er in einem sicheren Versteck? Die Meinungen gehen auseinander. In Stiwoll ist man noch immer davon überzeugt, dass Felzmann lebt. „Ich habe schon am zweiten Tag gesagt, der Fritz ist der Polizei einen Schritt voraus“, betont Altbürgermeister Sepp Brettenthaler. „Dabei bleibe ich. Der Felzmann lebt.“

>>Bilder von der Suche nach der Bluttat

Bluttat in Stiwoll: Die Suche nach dem Verdächtigen

Schwer bewaffnete Polizisten sichern die Straße und Objekte - ein gewöhnungsbedürftiger Anblick im kleinen Örtchen Stiwoll.

Alexander Danner

Polizei bestimmt das Ortsbild.

Alexander Danner

Die Polizei-Kolonne auf dem Weg zum Einsatzort.

Alexander Danner

Die Wälder zwischen Stiwoll, Gschnaidt und dem Pleschkogel werden systematisch durchkämmt.

Alexander Danner

Die Mannschaften auf dem Weg zur Suchaktion.

Hans Breitegger

Auch 25 Hunde sind im Einsatz.

Hans Breitegger

Cobra-Beamte machen sich einsatzbereit.

Hans Breitegger
Hans Breitegger
Hans Breitegger
Hans Breitegger
Hans Breitegger
Hans Breitegger
Hans Breitegger
Alexander Danner
Alexander Danner
Alexander Danner
Alexander Danner
Alexander Danner
Alexander Danner
Alexander Danner
Alexander Danner
Alexander Danner
Alexander Danner
Alexander Danner
Alexander Danner
Alexander Danner
Alexander Danner
Alexander Danner
Hans Breitegger
Alexander Danner
Hans Breitegger
Alexander Danner
Alexander Danner
Alexander Danner
Hans Breitegger
Hans Breitegger
1/36


Sieben Monate sind seit der Tat vergangen. Das Leben in der Gemeinde habe sich wieder normalisiert, versichert Bürgermeister Alfred Brettenthaler. Dass er von Felzmanns Frau einen Brief bekommen habe, in dem sie ihn um Unterstützung bei der Wiedereingliederung in die Bevölkerung ersucht, dementiert der Ortschef. „Das ist ein Gerücht.“


Fakt ist, dass die Töchter – sie sind die Besitzer des Felzmann-Anwesens – schon im Winter an ihn herangetreten waren und ersucht hatten, vor dem Gemeinderat reden zu dürfen. Sie wollten ihre Situation erklären, klarstellen, dass sie mit der Tat ihres Vaters nichts zu tun haben. Ihr Ersuchen wurde ihnen nicht erfüllt.

 

>>>Eine Chronologie der Ereignisse:

29. Oktober 2017 - Der 66-Jährige feuert auf seine Nachbarn. Eine 55-jährige Frau und ein 64-jähriger Mann werden in Stiwoll im Bezirk Graz-Umgebung von mehreren Projektilen tödlich getroffen. Eine 68-jährige Frau wird bei der Flucht vor den Schüssen am Oberarm getroffen und überlebt schwer verletzt. Beim Eintreffen der Polizei fehlt vom Verdächtigen jede Spur. Er ist in seinem Auto geflüchtet, vermutlich mit seiner Waffe. Eine Großfahndung wird eingeleitet.

30. Oktober 2017 - Das Fluchtfahrzeug des 66-Jährigen, ein weißer Kleinbus, wird in einem Wald in Södingberg wenige Kilometer vom Tatort entfernt vom Polizeihubschrauber entdeckt. Der Bus ist versperrt und leer. Vom Täter fehlt weiterhin jede Spur. Schulen und Kindergärten der Umgebung bleiben auch nach dem Wochenende geschlossen. Der Bevölkerung wird geraten, zu Hause zu bleiben und wachsam zu sein. Indessen geben die Staatsanwaltschaften in Graz und Leoben bekannt, dass gegen den Verdächtigen schon seit Jahren Anzeigen unter anderem wegen gefährlicher Drohung und nationalsozialistischer Wiederbetätigung vorlagen. Einem Gutachten zufolge sei der Mann jedoch nicht zurechnungsfähig. Da er aber auch als nicht gefährlich eingestuft wurde, konnte er bisher nicht in eine Anstalt eingewiesen werden.

31. Oktober 2017 - Der Verdächtige bleibt weiterhin verschollen. Die Polizei verstärkt ihre Kräfte ein weiteres Mal, eine Hundertschaft ist auf der Suche nach dem 66-Jährigen, durchkämmt Wälder in der Umgebung und durchsucht leer stehende Häuser. Sowohl in Oberösterreich als auch in Niederösterreich gibt es Zeugenaussagen, dass der Flüchtige gesehen wurde. Sie stellen sich aber als Fehlalarme heraus bzw. die Beamten können den Mann in diesen Gegenden nicht fassen.

1. November 2017 - Die Suche nach Friedrich Felzmann wird fortgesetzt, die Allerheiligen-Prozession in Stiwoll wird aus Sicherheitsgründen abgesagt. Der Gottesdienst findet unter starkem Polizei-Aufgebot statt. Indessen durchsuchen Cobra-Einheiten ein Stollensystem eines alten Silberbergwerks, werden jedoch abermals nicht fündig. In Niederösterreich finden verstärkte Streifenfahrten statt.

2. November 2017 - Generalmajor Bernhard Treibenreif, Chef des Einsatzkommandos Cobra, vermutet, dass die Tat "nicht von langer Hand vorbereitet worden ist". Man gehe von einer sogenannten eruptiven Tat aus. Ein Polizist verletzt sich bei der Durchsuchung des Tatortes schwer, als er durch eine mit Heu bedeckte Luke stürzt. In einer Informationsveranstaltung in Stiwoll erhält die Bevölkerung Auskünfte aus erster Hand von Polizei und Behörden, was teils zur Entspannung der angespannten Situation im Ort beträgt.

3. November 2017 - Nach einem Hinweis aus der Bevölkerung verlagert sich die Suche an den westlichen Stadtrand von Graz: Zeugen wollen einen verdächtigen Mann vor der Volksschule von Thal bei Graz gesehen haben. Daraufhin wird der bewaldete Plabutsch zwischen Thalerseestraße und dem Fürstenstand von einer Suchkette der Polizei mit Hubschrauberunterstützung durchkämmt, aber ohne Ergebnis.

 

Stiwoll: Großfahndung in Stiwoll und Stübing

Massive Polizeipräsenz in der kleinen Gemeinde Stiwoll westlich von Graz.

Hans Breitegger

Am späten Vormittag wurden zwei Objekte in Stiwoll durchsucht, später verlagerte sich das Geschehen nach Stübing.

Markus Leodolter

Weitere Bilder vom Dienstag aus Stiwoll

Hans Breitegger

Ein Wärmebildkamerawagen der Cobra ist ebenfalls im Einsatz.

Hans Breitegger

Am Nachmittag wird das zweite Todesopfer, Adelheid Hausegger, zu Grabe getragen - ebenfalls mit Polizeischutz.

Hans Breitegger
Hans Breitegger
Hans Breitegger
Hans Breitegger
Hans Breitegger
Hans Breitegger
1/10

4. November 2017 - Die Polizei hat sechs Tage nach den tödlichen Schüssen auf Nachbarn in Stiwoll die Sonderkommission "Friedrich" zusammengestellt. Die Strategie bei der Suche nach dem 66-jährigen Verdächtigen wird abgeändert und verschiebt sich von großflächigen Screenings in Richtung Analyse und gezielten Überprüfungen. Indessen wurde das erste der beiden Todesopfer am Samstag verabschiedet.

5. November 2017 - Felzmann hat bereits im Jahr 2011 mit Waffengewalt gedroht. Wie das Landesgericht für Strafsachen Graz mitteilte, war er wegen versuchten Widerstandes gegen die Staatsgewalt vor Gericht gestanden. Unterdessen findet sich Felzmann auch auf der Liste von Österreichs meistgesuchten Personen.

6. November 2017 - Acht Tage nach den tödlichen Schüssen gingen die Ermittler einer heißen Spur nach. Am Wochenende wurde in den Keller eines landwirtschaftlichen Wohnhauses unweit des Tatorts eingebrochen. Aus einer darin abgestellten Kühltruhe könnten möglicherweise Lebensmittel gestohlen worden sein, bestätigte Polizei-Sprecher Jürgen Haas. Im Umkreis wird nun verstärkt gesucht.

7. November 2017 - Das Heer stellt auf Basis einer Assistenzanforderung zwei gepanzerte Fahrzeuge vom Typ "Husar" für die Polizei zur Fahndung nach dem Todesschützen von Stiwoll. Es handelt sich um geschützte Mehrzweckfahrzeuge des Herstellers Iveco, die vor rund sieben Jahren in Dienst gestellt wurden. Eine Suche im Freilichtmuseum Stübing nördlich von Graz brachte keine neuen Spuren.

8. November 2017 - Die Polizei wird in der Suche nach dem auf der Flucht befindlichen mutmaßlichen Todesschützen von Stiwoll "mit heutigem Tag" ab sofort die massive Präsenz bewaffneter Kräfte in dem kleinen weststeirischen Ort und Umgebung reduzieren. Man gehe wie angekündigt zu einem kriminaltaktischem Verfahren über.

10. November 2017 - Der Fallanalytiker ("Profiler") des Bundeskriminalamtes, Werner Schlojer, geht von einer "tiefen Kränkung" als Auslöser der Bluttat von Stiwoll Ende Oktober aus: "Der mutmaßliche Täter fühlt sich als Opfer." Den tödlichen Schüssen auf zwei Nachbarn war ein jahrelanger Streit um einen Weg über sein Grundstück vorausgegangen. Schlojer und sein Team gehen nicht von einer "tiefer Tatplanung aus".

14. November 2017 - Es wird publik, dass Friedrich Felzmann auch seinen Bruder August und dessen Frau immer wieder in Angst und Schrecken versetzte. Einmal soll er sogar versucht haben, den Bruder mit einer Schaufel zu erschlagen. Der Pfarrer von Stiwoll, Pater Stephan Varga, wollte vermitteln. Als er scheiterte, kam auch er auf die Feindesliste von Friedrich Felzmann.

15. November 2017 - Die Angst geht auch unter den Jägern um: Vor drei Jahren habe die Gattin des Gesuchten die Jagdprüfung abgelegt. Danach wollte sie in die Stiwoller Jagdgesellschaft aufgenommen werden. Doch aus mehreren Gründen lehnten die Jäger ab. In einer geheimen Abstimmung entschieden sie sich gegen die Frau. Das wiederum soll auch ihren Mann wütend gemacht haben, erzählt man in Stiwoll. Und deshalb seien einige Jäger auf der Gefährdungsliste zu finden.

17. November 2017 - Die Soko "Friedrich" tappt weiter im Dunkeln: Jene DNA-Mischspur, die die Spurensicherer des Landeskriminalamtes nach einem Einbruch am 4. November auf einem Bauernhof in Stiwoll sichergestellt hatte, brachte die Ermittler keinen Schritt weiter. Die DNA ist mit der DNA des mutmaßlichen Doppelmörders nicht identisch. Es sei trotzdem nicht auszuschließen, dass Felzmann den Einbruch begangen und sich aus der Tiefkühltruhe Lebensmittel besorgt hat, heißt es seitens der Soko.

Der Fall Stiwoll: Spürhunde im Einsatz

Suchaktion im Wald

Spürhund "Abby - Bora vom Wagramland" mit Diensthunde-Führern für die "Soko Friedrich" im Einsatz.

APA/ERWIN SCHERIAU

Suchaktion im Wald

Spürhund "Abby" durchkämmt den Wald. 

APA/ERWIN SCHERIAU

Suchaktion im Wald

Eine Übung der Polizei mit den Hunden wurde abgesagt und in die Steiermark verlegt.

APA/ERWIN SCHERIAU

Suchaktion im Wald

Von 13 Leichen-Suchhunden in Österreich sollen nun sieben im Großraum Stiwoll bei der Suche nach dem 66-Jährigen Flüchtigen helfen. 

APA/ERWIN SCHERIAU

Suchaktion im Wald

Hunde haben eine die achtwöchige Zusatzausbildung, um Verwesungsgeruch und Blut von Menschen zu wittern.

Leodolter

Suchaktion im Wald

Ihre Feinsuche können die Hunde etwa 20 Minuten aufrechterhalten, danach ist eine Pause nötig.

Leodolter

Suchaktion im Wald

Weitere Fotos von der Suche.

Leodolter

Suchaktion im Wald

Leodolter

Suchaktion im Wald

Leodolter

Suchaktion im Wald

Leodolter
1/10

19. November 2017 - Drei Wochen nach den Todesschüssen ist Stiwoll wieder auf dem Weg zur Normalität. Doch Unsicherheit und Angst sind immer noch präsent. "Der Kindergarten und die Volksschule sind seit zwei Wochen wieder geöffnet“, erzählt Bürgermeister Alfred Brettenthaler. "Die Kinder wurden psychologisch betreut." Und die Polizei habe für die 30 Schüler einen Kinderpolizeitag abgehalten. "Der Fritz lebt noch, der gibt nicht auf. Und in den Häf’n geht der erst recht nicht. Der lässt sich vorher von der Polizei erschießen", ist man am Stammtisch in Stiwoll überzeugt. Und die Wirtin: "Aber am Abend sind die Straßen nach wie vor menschenleer."

20. November 2017 - Diensthundeführer aus ganz Österreich verlegen eine Übung in den Großraum Stiwoll, um ebenfalls nach Friedrich F. zu suchen. Auch sie bleiben aber erfolglos.

30. November 2017 - Die Ermittler suchen mit einer Drohne, einem Schiebel Camcopter S-100, nach dem Verdächtigen und arbeiten weitere Hinweise ab, doch der Verdächtige bleibt verschollen.

7. Dezember 2017 - Friedrich F. wird in die "Europe's Most Wanted Fugitives"-Liste aufgenommen.

26. Jänner 2018 - Die Polizei gibt bekannt, dass die Soko "Friedrich" mit Anfang Februar eingestellt wird, dafür aber eine Belohnung von 5.000 Euro für Hinweise, die zum Verdächtigen führen, in Aussicht gestellt wird. Insgesamt wurden 400 Hinweise abgearbeitet, zahlreiche Häuser und Höhlen durchsucht.

Wir bitten um Ihr Verständnis, dass zu diesem Artikel keine Kommentare erstellt werden können.

Forenregeln lesen