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Nachruf

Alt-Landeshauptmann Josef Krainer ist tot

Er trat in die großen Fußstapfen seines Vaters und Landeshauptmannes Josef Krainer senior und wurde selbst zur steirischen Polit-Legende. Der "junge Krainer" ist im 87. Lebensjahr in Graz gestorben.

16 Jahre lang war Josef Krainer Landeshauptmann der Steiermark. © (c) GERY WOLF
 

Er war zeitlebens - selbst im hohen Alter - der „junge Krainer“, der Sohn des "alten Krainer", des Langzeit-Landeshauptmannes Josef Krainer senior, dem Holzknecht aus St. Lorenzen bei Scheifling, der bis zu seinem Tod 1971 die Steiermark 23 Jahre lang regiert hatte. Heute ist "Josef Krainer II." in Graz gestorben.

Schon lange war die Gesundheit des 86-Jährigen angeschlagen. Erst vor wenigen Wochen hatte ihm sein Freund Arnold Schwarzenegger bei seiner Graz-Visite anlässlich der Verabschiedung des ebenfalls heuer verstorbenen Ex-ÖVP-Bundesrates Alfred Gerstl einen Besuch abgestattet, bei dem wohl beide geahnt hatten, dass es das letzte Treffen sein könnte.

Die Steiermark trauert um eine der bedeutendsten Persönlichkeiten, die das Land hervorgebracht hat, denn der Name Josef Krainer ist untrennbar mit der Steiermark und ihrer positiven Entwicklung der letzten Jahrzehnte verbunden. 

Hermann Schützenhöfer, ÖVP-Chef und Landeshauptmann

Kurz vor Weihnachten hatte sich der gesundheitliche Zustand von Josef Krainer rapide verschlechtert, die letzten Tage verbrachte er auf der Intensivstation. Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer bestätigte den Tod des steirischen ÖVP-Urgesteins in einer Aussendung, in der er dessen Lebenswerk würdigte: "Die Steiermark trauert um eine der bedeutendsten Persönlichkeiten, die das Land hervorgebracht hat, denn der Name Josef Krainer ist untrennbar mit der Steiermark und ihrer positiven Entwicklung der letzten Jahrzehnte verbunden." Auch Bischof Wilhelm Krautwaschl oder politische Mitbewerber der ÖVP wie die Grünen ziehen in emotionalen Würdigungen den Hut vor dem Lebenswerk Krainers.

Eine Polit-Karriere in Bildern: Die Stationen des Josef Krainer

Denkwerkstatt

Diese Herren aus der "Denkfabrik" der Volkspartei präsentierten 1985 das weiß-grüne Manifest: Manfred Prisching, Josef Riegler, Hermann Schaller, Schoeller, Josef Krainer, Gerhard Hirschmann.

Amsüss

1985 eröffnete der Landeshauptmann die Planai-Hochwurzen-Bahn in Schladming.

Melbinger

Stadt - Land: Alfred Stingl war 18 Jahre lang Grazer Bürgermeister, Josef Krainer 16 Jahre lang Landeshauptmann.

Gradwohl

Der Landesvater und seine Nachfolger in der ÖVP und im Amt: Waltraud Klasnic und Hermann Schützenhöfer.

Fuchs

Der Maestro Nikolaus Harnoncourt, der auch heuer gestorben ist, und Josef Krainer

amsüss

Der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl und Krainer.

Fuchs

Weggefährten: Alt-Bürgermeister von Schladming Hermann Kröll, starb auch heuer

(c) Jürgen Fuchs

klicken Sie sich durch weitere Fotos aus dem Leben Josef Krainers

Jürgen Fuchs
APA
KK

Mit Schauspielerin Lore Krainer

Jungwirth

Landeshauptleute unter sich: Krainer, Schützenhöfer, Schwarzenegger, Voves.

(c) BIG SHOT Foto+Film GmbH, Graz (Christian Jungwirth)

Mit Gerhard Hirschmann, der Krainer schließlich nicht nachfolgen sollte.

(c) BIG SHOT Foto+Film GmbH, Graz (Christian Jungwirth)

Mit Michael Douglas in Schladming.

(c) BIG SHOT Foto+Film GmbH, Graz (Alexander Strobl)

Mit Hundertwasser und "Separatisten-Kennzeichen".

(c) BIG SHOT Foto+Film GmbH, Graz (Christian Jungwirth)

Auch den Dalai Lama traf Krainer

(c) BIG SHOT Foto+Film GmbH, Graz (Christian Jungwirth)

Visite beim Papst.

(c) BIG SHOT Foto+Film GmbH, Graz (Christian Jungwirth)

Der alte Krainer war 23 Jahre lang Landeshauptmann und traf auch die Queen. "Josef Krainer II." wurde trotz der großen Fußstapfen des Vaters auch selbst zur Polit-Legende.

Blaschka
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Weg über Katholische Aktion und Bauernbund

Anders als sein Vater, der mit urwüchsiger Kraft den Weg vom Holzknecht zum Landesvater geschafft hatte, konnte der „junge Krainer“ auf seinem Karriereweg auf eine hochkarätige Ausbildung zurückgreifen. Er studierte in Graz Rechtswissenschaften und erwarb sich damit den akademischen Doktortitel, studierte auch ein Jahr in Italien, durchschritt dann – schon im Elternhaus hochpolitisch sozialisiert - einen für die Volkspartei klassischen Weg. Von 1956 bis 1962 war er Generalsekretär der Katholischen Aktion, er trat dann dem Bauernbund bei, dessen Direktor er 1969 wurde.

Volksnah und weltgewandt

Nach zwei Jahren als Abgeordneter im Nationalrat wurde Krainer geschäftsführender Landesparteiobmann in der Steiermark. Nachdem sein Vater 1971 im Amt starb, folgte diesem Friedrich Niederl Landeshauptmann und Krainer wechselte als Landesrat in die Steiermark. Der volksnahe Niederl und der weltgewandte Krainer spannten die Volkspartei zur vollen „steirischen Breite“ auf.

Gemeinsam mit Kulturlandesrat Hanns Koren schafften sie im Land einen Nährboden, auf dem Kunst und Kultur erblühen, steirischer Loden und die Avantgarde des steirischen herbst nebeneinander gedeihen konnten. In den 1970ern und den 1980ern scharten sich um ihn - fasziniert und ohne Berührungsangst zur Politik - die intellektuelle und kulturelle Elite der Steiermark.

 

Arnie war auch ein Freund von Alt-Landeshauptmann Josef Krainer, den er hier mit den Landeshauptleuten Franz Voves und Hermann Schützenhöfer in Graz getroffen hat.
Arnie war auch ein Freund von Alt-Landeshauptmann Josef Krainer, den er hier mit den Landeshauptleuten Franz Voves und Hermann Schützenhöfer in Graz getroffen hat. Foto © APA

Aufstieg zum Landeshauptmann im Jahr 1980

1980 trat er das Amt des Landeshauptmannes an, das er bis 1996 ausübte. 1980 und 1986 konnte Krainer die absolute Mehrheit im Land für die ÖVP halten, 1991 ging die „Absolute“ verloren, 1996 kam die SPÖ unter Peter Schachner-Blazizek der Volkspartei schon gefährlich nahe. Krainers ÖVP verlor acht Prozentpunkte, konnte nur noch knapp den ersten Platz im Land halten. Der langjährige Landeschef verkündete noch am Wahlabend seinen Rücktritt und übergab an Waltraud Klasnic, die erste Landeshauptfrau in der österreichischen Geschichte.

Wir gegen Wien

Krainer positionierte die steirische Volkspartei selbstbewusst und durchaus kantig gegen die Bundespartei, gegen die Bundesregierungen, er öffnete aber seine Partei und das Bundesland für eine Welt mit breitem Horizont und dem steten Blick über den Tellerrand hinaus. In Österreich, so benannte er damals die Aufgabe, „haben wir anzukämpfen gegen kleinkarierte Enge, Selbstgenügsamkeit, Nabelschau, Selbstzerfleischung, Kleinmut, Opportunismus und Xenophobie“.

Die Innovation im Auge

In seine Amtszeit fällt freilich der Niedergang der „Verstaatlichten“, dem er auf Länderebene wirtschaftspolitisch zunächst nur schwer etwas entgegensetzen kann. Tausende Arbeitsplätze wurden in der Steiermark vernichtet. Hermann Schützenhöfer betont freilich heute, die weitsichtige Rolle, die Krainer trotz der Widrigkeiten der 1980er-Jahre spielte: "Die moderne Verkehrsinfrastruktur mit dem Ausbau des Autobahn- und Schnellstraßennetzes sowie der absolute Vorrang für Wissenschaft, Forschung und Innovation führten dazu, dass die Steiermark heute Forschungsland Nummer 1 in Österreich ist." Auch als Reformer würdigt Schützenhöfer ihn: "Krainer war auch ein großer Reformer -  Landesrechnungshof, Spitalsholding, Entschwefelung von Kraftwerken, sein Wirken war in vielem für Österreich pionierhaft."

Im Kampf gegen die Draken unterlegen

Den emotionalsten, aber letztlich erfolglosen Aufstand gegen Wien probte Krainer, als die Bundesregierung die 24 Abfangjäger allesamt in der Steiermark stationieren wollte. Doch trotz Anti-Draken-Volksbegehrens und Misstrauensantrag gegen den Verteidigungsminister aus der eigenen Partei, Robert Lichal, landeten die Abfangjäger 1988 schließlich allesamt in der Steiermark.

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Danke für Ihr Verständnis.

Cirdan
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Global Denken, regional Handeln!

Kaum einer hat es so geschafft wie er.
RIP Joschi

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MelanieGfoeller
3
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mein Mann sagt

"der Joschi Krainer war halt noch wer", so wie sein Vater, der "alte Krainer" auch einer war "der wer war" ohne Tamtam…
und der von allen politisch denkenden und handelnden Menschen auch mit unterschiedlichen Meinungen geachtet war, weil "er wer war" und nicht nur der Sohn vom "alten Krainer, dem lärchenen Stüpfl"

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zyni
3
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Sehr traurig,

Hochachtung diesem Ehrenmann.

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angela67
3
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Abschiednehmen im Jahr 2016

Mit Altlandeshauptmann Josef Krainer verlässt eine weitere von mir geschätzte Persönlichkeit unsere Welt.
Nikolaus Harnoncourt und Hermann Kröll waren dies auch.
Irgendwie geht eine Ära meiner Jugend zu Ende, merke ich...
Ich hoffe nur, dass nachkommende Akteure unseres Landes sich an den Werten, dem Idealismus und dem bedingungslosen Einsatz für das Gute und Schöne orientieren.
Das würde ich mir wünschen!

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Sicherheitsfachkraft
3
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Joschi Krainer ich danke Dir!

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann, danke Dir, was Du für die Steiermark zu Deiner Zeit geschaffen hast, danke Dir für den Aufschluss der Steiermark nach ..... "hinter dem Semmering", danke Dir für Dein Werk und danke Dir für Dein Leben.

Lieber Herr Landeshauptmann, ein ganz herzliches Servus, auf Deinem weiteren Weg,

Dein
Adi

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Adler48
4
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R.i.P.

Ein grosser Mann ist heimgegangen.
R.i.P. Herr Joschi Krainer!

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jumpbag
6
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Ruhe in Frieden, Josef Krainer!

Du wirst in meinem Herzen für immer einer der besten Regionalpolitiker Österreichs und Europas bleiben. - Mögen die heutigen im Amt befindlichen Versager, Wegtschüsser, Hereinwinker, Steuerreformverhinderer, Volksgesundheitsablehner und Reformblockierer im Bund und im Landtag der Steiermark sich für alle Zeiten sämtliche Scheiben an dir abschneiden! Lebe wohl im Politikerhimmel, Josef, und ein gutes Neujahr 2017 an Dich oben beim Herrgott!

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James47
5
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Alle

Es ist leider wahr ,ob Altlandeshauptmann oder ein Sandler irgendwo, alle müssen sterben, mit diesem müssen wir leben. Und jeder macht das seinige,bei allen weis man Gott sei dank nicht alles was sie schlecht oder Gut gemacht haben, beim Altlandeshauptmann schon. Mein Beileid den Hinterbliebenen, sind Gott sei Dank schon alle Erwachsen.

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Ravenpride
4
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Danke

Danke für deine Verdienste für unsere Steiermark!

R.I.P Joschi

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Hohenwanger
22
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Politik war Feudalismus pur

Anstatt Öffnung was die Partei notwendig hat, gab es nur
Betonmauer.
Die ÖVP hat nur mehr das nackte Überleben vor ihr.

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angela67
4
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Pietätlos

Josef Krainer jun. war ein guter Landeshauptmann. Heute am Tag seines Ablebens gebührt ihm dafür Dank und Respekt.
Mehr braucht es jetzt wohl nicht. Alles andere kann man zu einem anderen Zeitpunkt bemängeln.

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BigBang12
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@Hohenwanger

Was der "Zeitgeist" damals hergegeben hat, würde heute oft vor dem Richter enden. Das Volk hat aber "Ruhe gegeben", weil damals auch ein kleiner Staatsbürger die Chance gehabt hat, dass seine Anliegen Gehör finden. Wohnungsbeschaffung und Arbeitsplatzbeschaffung für den Kleinbürger und freihändige Aufteilung von Staatsaufträgen auf die jeweilige Klientel in der Wirtschaft waren gar kein so schlechtes Geschäftsmodell. Für die damalige Zeit hat es leidlich gepasst.

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pinsel1954
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Er war noch eine Politikerpersönlichkeit der ÖVP

Mein Mitgefühl seiner Familie!

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Josef009
14
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Beileid

Mein herzliches Beileid der gesamten Familie Krainer!

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penunce
14
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Ja, er war einer der bedeutendsten Männer,

für die Steiermark und ganz Österreich!

R.I.P. Josef Krainer

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14
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Das waren noch Zeiten ...

die so schnell nicht wieder kommen. Danke einem großen Sohn der Steiermark!

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22
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..

teils teils...man erinnert sich leider immer nur an dinge die jemand gemacht hat, aber selten an dinge die nicht gemacht oder verhindert wurden. man liest selten einen kritischen nachruf..

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JL55
10
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Das was bleibt, zählt...!

...und da hat Josef Krainer jun. im Zeichen dieser Zeit sehr viel POSITIVES auf den Weg gebracht...Er stand u.a. für den Förderalismus...und das war damals aus der "Enge" der Heimat auszubrechen und die "Weite" einzuleiten...gemeinsam mit Menschen wie Prof. Koren etc. gelang ihm dies auch...
Und wer ohne "Schatten" sei, der werde den ersten medialen Stein...!

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