Mit Notruf Großalarm ausgelöst: 16-Jährige "verarschte" danach auch Rettung
Anruf wegen angeblicher Waffen hatte für Großalarm im Grazer Murpark gesorgt. Jetzt muss sich Jugendliche wegen Verleumdung verantworten. Beim Prozess kamen weitere Delikte ans Licht.

Es war ein aufsehenerregender Großeinsatz, der Mitte März für mehrere Stunden für Unruhe sorgte und die Geschäfte des Einkaufszentrums Murpark in Graz stillgelegt hatte. Eine junge Frau alarmierte die Polizei, weil sie einen oder zwei Männer mit Waffen im Center gesehen habe. Doch, wie sich bald herausstellte: Die Anzeigerin machte falsche Angaben. Am Donnerstag stand sie deshalb – und wegen weiterer Delikte wie der Alarmierung des Roten Kreuzes – vor Gericht. Sie wurde zu neun Monaten bedingter Haft verurteilt.
Weitere Delikte
Am Donnerstag wurde der Beschuldigten (16) am Straflandesgericht der Prozess gemacht. Ein Vorwurf betrifft erstens jenen der Verleumdung. Grund: Nach den konkreten Beschreibungen der Person durch die Anruferin und der daraufhin folgenden Durchsicht der Überwachungsvideos identifizierte die Exekutive jenen Mann, bei dem das Mädchen die Schusswaffen gesehen haben wollte. Daraufhin wurden – mit Einwilligung des 41-jährigen Grazers – auch seine Wohnung durchsucht, dort aber keinerlei Waffen oder andere Hinweise gefunden. Dem Mädchen wird vorgeworfen, den Mann der Gefahr einer behördlichen Verfolgung ausgesetzt zu haben.
"Es ging ihr nicht um diese eine Person. Meine Mandantin wollte aus Beweggründen, die nichts rechtfertigen können, Aufsehen erregen", erklärte ihr Verteidiger. "Sie hoffte, dass die Polizei kommt und sie bei den Befragungen im Mittelpunkt steht."
Wie beim Prozess bekannt wurde, war die 16-Jährige nach dem Vorfall alles andere als geläutert, es folgte eine ähnliche Tat im Juli: "Sie wollte, wie sie in ihren eigenen Worten sagt, die Rettung verarschen", so die Staatsanwältin. Mit zwei weiteren Mädchen fasste die Angeklagte den Plan, das Rote Kreuz kommen zu lassen. Nach Absprache (!) hat sie einer 14-Jährigen einen Faustschlag versetzt und ihr Tabletten verabreicht, damit sie bewusstlos wird. Auch vor der Polizei wurde weiter die Version aufgetischt, dass die 14-Jährige von anderen überfallen worden sei. Erst am Tag danach gestand eine ebenfalls beteiligte 18-Jährige, was wirklich passiert war. Daraufhin soll die 16-Jährige ihrer Freundin eine Nachricht geschickt und sie zu einer Falschaussage bewegt haben. Aufgrund der Vielzahl an Delikten wurde das Mädchen vor rund zwei Wochen in Untersuchungshaft genommen und bei Gericht aus der Zelle vorgeführt.
Nach den Plädoyers wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen. "Meine Mandantin wird sich großteils geständig zeigen", avisierte ihr Verteidiger davor.
"Eine riesen Sauerei"
Richter Florian Farmer verurteilte die Jugendliche schließlich zu neun Monaten Haft, die ihr bedingt für eine Probezeit von drei Jahren nachgesehen werden. Er sprach sie in allen Punkten (außer einem Diebstahl) schuldig, den könne er ihr nicht eindeutig nachweisen. Sie wurde direkt nach dem Prozess aus der Haft entlassen, doch der Richter hatte noch mahnende Worte für sie: "Wenn Sie wieder zu mir kommen, gehen Sie in Haft. Eine Chance haben Sie jetzt noch", meinte er zu ihr.
Sowohl der Vorfall im Murpark als auch das "Verarschen" der Rettung sei eine "riesen Sauerei", so Richter Farmer: "Sie haben da Leute in Furcht versetzt. Beamte mit Sturmgewehren haben Mütter mit ihren Kinderwagen aus dem Einkaufszentrum hinausbegleitet. Selbst da haben Sie damals Ihre Angaben noch aufrecht erhalten." Das Mädchen nahm das Urteil an: "Die Strafe passt", meinte sie kleinlaut und unter Tränen. Zusätzlich zur bedingten Haftstrafe muss die 16-Jährige wöchentlich zur Psychotherapie, bekommt Bewährungshilfe und sie muss sich einen Job suchen: "Weil ohne kommen Sie nur auf blöde Ideen", so der Richter abschließend. Die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab, daher ist das Urteil nicht rechtskräftig.
