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Berührender TextMaria P. über die Entscheidung, glücklich zu sein

Maria P. verstarb Anfang Jänner an Krebs - nur Tage, nachdem sie ihrer Tochter das Leben geschenkt hat. Sie hinterlässt einen Text über ihren Umgang mit der Krankheit. Ihre Botschaft Mut machen.

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Maria P. verstarb am 5. Jänner 2019 im Alter von 35 Jahren © kk
 

Der Text im Wortlaut:

Es gibt Menschen, bei denen man den Eindruck hat, sie haben jedes Mal aufgezeigt und laut „hier“ gerufen, wenn Probleme verteilt wurden. Oft sind es aber auch genau die Menschen, die sich von nichts aus der Bahn werfen lassen, Probleme gar nicht als solche betrachten und eine unglaubliche Zufriedenheit ausstrahlen. Ich könnte jetzt schreiben, dass auch ich in meinem Leben schon viele Probleme hatte, aber ich sehe das nicht so. Es sind einfach gewisse Dinge passiert, mit denen ich mich arrangieren musste. Und aus all diesen Situationen bin ich gestärkt, reifer und vor allem glücklicher hervorgegangen.
Nach diversen Allergien, Neurodermitis und Asthma, die mich schon mein ganzes Leben begleiten (und die ich wahrscheinlich deshalb nie als wirkliche Probleme wahrgenommen habe), sind mir vor zwei Jahren innerhalb kürzester Zeit alle Haare am gesamten Körper ausgefallen. Ein knappes Jahr später die Diagnose Gebärmutterhalskrebs. Mit allen anderen Erkrankungen kann man irgendwie umgehen, es gibt Medikamente, Operationen und alternative Behandlungsmöglichkeiten. Aber was bitte macht man als Frau (die Zeit ihres Lebens immer wunderschöne lange Haare hatte), wenn man plötzlich kein einziges Haar mehr am Körper hat?
 
Nun, mit dieser speziellen Situation geht wahrscheinlich jeder anders um, aber ich möchte euch erzählen, was ich gemacht habe: Ich war beim Frisör, hab mir die verbleibenden langen Strähnen abrasieren lassen, währenddessen natürlich ein paar Tränchen verdrückt, habe mir anschließend zuhause mit einem Nassrasierer die letzten paar Stoppeln abrasiert, mir einen Prosecco aufgemacht und dann ewig in den Spiegel geschaut und versucht, mich darin selbst zu erkennen. Am nächsten Tag habe ich mich in die Öffentlichkeit gewagt, zwar ängstlich und voller Zweifel, aber immerhin, habe viele Fragen gestellt bekommen, aber auch viele Komplimente erhalten, und schön langsam begonnen, mit der neuen Situation immer selbstbewusster umzugehen. Und mit der Zeit habe ich auch erkannt, dass diese neue Situation viel mehr Vorteile als Nachteile hat. Und ja, das meine ich ernst! Abgesehen von der unglaublichen Zeitersparnis, die meine plötzliche Kahlheit mit sich brachte, habe ich auch noch nie zuvor so viele Komplimente bekommen.

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