Steirerin Anna Obenauf sagt Tumoren den Kampf an
Kürzlich wurde Anna Obenauf mit dem „Dr. Josef Steiner Cancer Research Award“ ausgezeichnet, die Steirerin widmet ihr Leben der Suche nach effektiven Behandlungen von Krebstumoren.

Mit dem „Nobelpreis der Krebsforschung“ darf sich seit Kurzem eine Steirerin schmücken. Am 19. September durfte Krebsforscherin Anna Obenauf den „Dr. Josef Steiner Cancer Research Award“ an der Universität Bern entgegennehmen. Gleichzeitig nimmt sie damit eine Million Schweizer Franken für ihre Forschung mit an das renommierte Research Institute of Molecular Pathology (IMP) in Wien, wo die Wissenschafterin eine Arbeitsgruppe leitet. Ihr Fokus: Die Kommunikation zwischen Tumorzellen und dem Immunsystem. „Inzwischen können mit sogenannten Immuntherapien bei einem Teil der Patienten bereits extrem langfristige Tumorkontrollen erzielt werden. Im Rahmen unserer Forschung versuchen wir herauszufinden, wie wir noch mehr Menschen damit helfen können.“
Deshalb begleitet ein Begriff Obenaufs Forschungsalltag: „Immunevasive Tumor Microenvironment“. Klingt kompliziert, Obenauf fasst es in verständliche Worte: „Das ist ein Milieu im Tumor, das auch andere Immun- und Gewebezellen involviert, die die Immunantwort, also die Abwehr des Körpers lahmlegen.“ Solchen Resistenzen entgegenzuwirken, sei das Ziel der Arbeitsgruppe.
Forschung ist Teamwork
Obwohl ihr Name den renommierten Preis ziert, bleibt die Steirerin bescheiden und wird nicht müde, den Einfluss ihres Umfelds auf ihren Erfolg zu betonen. „Nichts davon wäre möglich ohne die Unterstützung meines Teams, meines Partners, der Menschen, mit denen ich zusammenarbeite. Auch die Mentoren, die mich in meiner Karriere begleitet haben, sind der Grund, warum ich mich heute der Krebsforschung widmen darf.“ Denn bereits in ihrer Studienzeit an der Uni Graz zeichnete sich Obenaufs Weg ab, der Zusammenhang zwischen Molekularbiologie und Humanmedizin packte schon dort ihr Interesse. „Am Institut für Humangenetik durfte ich damals ein Praktikum bei Professor Michael Speicher an der Vorklinik machen, er und die Gruppe, in der ich dort gearbeitet habe, waren ein stetiger Motivator.“
Als ich noch studiert habe, waren meine Gruppenleiter ausschließlich Männer, heute ist die Schere nicht mehr ganz so groß.
— Anna Obenauf, Krebsforscherin
An der Vorklinik verlor Obenauf ihr Herz nicht nur an die Forschung, sondern auch an ihren Partner. Gemeinsam verschlug es das Paar nach dem Studium mehr als fünf Jahre in die USA. Am Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York erweiterte die Steirerin weiter ihr Wissen, ehe eine Forschungsmöglichkeit am IMP Obenauf zurück in die Heimat lockte. Eine zweite Heimat ist der Big Apple bis heute geblieben, sagt die Forscherin dennoch. „Wir haben dort wirklich eine schöne Zeit verbracht und versucht, die Stadt in all ihren Facetten kulturell zu erleben und zu genießen.“ Heute hat das Paar eine sechsjährige Tochter, vor Kurzem begann für den Nachwuchs der neue Lebensabschnitt Schule. „Solche großen Veränderungen sind immer mit gemischten Gefühlen verbunden. Für mich als Mama fühlt sich das wie das Ende einer Ära an, sie war davor in unserem Betriebskindergarten, also war sie immer sehr nah bei mir, auch wenn ich gearbeitet habe.“
Es braucht weibliche Vorbilder
Nicht nur ihrer Tochter hilft Obenauf durchs Leben, als Gruppenleiterin nimmt die Forscherin auch junge Studierende unter ihre Fittiche. „Zu sehen, wie sie in ihrer Arbeit aufgehen und sich weiterentwickeln, finde ich sehr schön“, so Obenauf, auch ihrer Vorbildwirkung als erfolgreiche Frau in der Forschung ist sie sich bewusst. „Ich muss allerdings sagen, dass sich glücklicherweise sehr viel getan hat in den letzten Jahren und ich glücklicherweise nie das Gefühl hatte, unfair behandelt worden zu sein. Als ich noch studiert habe, waren meine Gruppenleiter ausschließlich Männer, heute ist die Schere nicht mehr ganz so groß.“ Obenauf hofft, in den nächsten Jahren weiter dazu beitragen zu können, Frauen für die Forschung zu begeistern, „weil weibliche Vorbilder wichtig sind.“ Am Ende sollte es in der Forschung aber vor allem um eines gehen, will sie betonen: „Mit den bestmöglichen Köpfen die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen.“


