Matthias Mayer war der schnellste Mann auf der Olympia-Abfahrt - aber leider nur von der ersten Zwischenzeit bis zur letzten. Da verlor der 31-Jährige allerdings wertvolle Zeit, zu viel, um den Traum vom bisher noch nie da gewesenen Olympia-Gold-Triple perfekt zu machen, ganze 16 Hundertstelsekunden sollten es letztlich sein. Aber: Auch Bronze ist ein großartiger Erfolg. Bronze hinter zwei "Altmeistern": Gold holte sich Beat Feuz, der Abfahrtsweltcupsieger der vergangenen vier Jahre, Silber ging an den schon 41-jährigen Franzosen Johan Clarey.

Ganz sicher war sich Matthias Mayer nach der ersten Freude über einen nahezu perfekten Mittelteil und sechs Zehntel Vorsprung vor dem mit Nummer eins gestarteten Vincent Kriechmayr im Ziel noch nicht: "Ich hab gehört, dass ich oben so viel Zeit verloren habe", schnaufte er. Erst, als mit Aleksander Aamodt Kilde der vielleicht größte Favorit im Ziel und hinter ihm war, wuchs die Zuversicht. Doch James "Jack" Cameron ließ Mayer dann gleich noch einmal so richtig zittern. Der junge Kanadier, der schon im Training angedeutet hatte, wie schnell er sein kann, war nur sieben Hundertstelsekunden zurück.

Dann aber kam Beat Feuz, der der glücklichsten Woche seines Lebens mit Platz zwei in der Abfahrt von Wengen, gefolgt von der Geburt seiner zweiten Tochter Luisa auch noch den Sieg in Kitzbühel folgen ließ. Feuz, der in China vor allem durch Gelassenheit und Ruhe glänzte. Und diese Ruhe spielte er im entscheidenden Moment aus. Der 16-fache Sieger von Weltcuprennen, der schon 2017 bei der WM in St. Moritz mit dem Heimsieg in der Abfahrt bewies, dass er mit Druck umgehen kann, schlug zu. Und saß dann im Materialzelt, wo er erstmals mit seiner Tiroler Lebensgefährtin Kathrin Triendl telefonierte - da wurden auch seine Augen feucht.

"Unglaublich. Es war eng, schwierig - auf einer neuen Strecke", seufzte Beat und erklärte: "Der schönste Moment war, als meine Freundin anrief nach der Nummer 30, mit der kleinen Tochter. Da kamen die Tränen." Im Kopf arbeitete es. "Die ganze Karriere geht einem da durch den Kopf - und natürlich auch, wie sehr Kathrin daheim alles organisiert, damit ich hier sein kann." Kitzbühel sei auch für ihn eine Wende gewesen: "Ich habe in Kitzbühel gemerkt, dass ich schnell fahren kann, auch ohne Fehler. Und dann weiß ich, dass ich ganz schnell sein kann..."

Nur einmal kam er noch richtig ins Zittern - und dieses Zittern kannte er schon: Denn es war, als Johan Clarey ins Tal brauste, der schon in Kitzbühel Zweiter hinter ihm gewesen war. Mit 41 Jahren gelang dem Franzosen die erste Olympia-Medaille seiner Laufbahn, um 0,06 Sekunden fing er Mayer noch ab. "Ich hatte ein ganz gutes Gefühl, als ich nach China kam", meinte der und erklärte: "Ich will diese Medaille David Poisson widmen". Sein Teamkollege war vor im November 2017 bei der Saisonvorbereitung in Panorama in Kanada im Training tödlich verunglückt.

Matthias Mayer
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Mayer: "Es war eine großartige Fahrt"

Mayer freute sich über Bronze, obwohl er wusste: "Ich habe oben viel Zeit verloren, Vinc (Kriechmayr, Anm.) hat gemeint, dass ich schon beim Start so viel Zeit verloren habe. Aber es war eine großartige Fahrt in einem engen Rennen." Und: Diesmal kam keiner mit einer hohen Nummer und verdrängte ihm vom Podest. "Auch heute war es sehr zum Zittern. In Kitzbühel ist Giezendanner dann ja noch gekommen und hat mich verdrängt." Er sei jedenfalls mit Bronze, seiner dritten Medaille bei Olympia, sehr zufrieden: "Ich habe das Material gut abgestimmt, ich habe die Linie gefunden." Und, ganz fairer Sportsmann meinte Mayer: "Ich will dem Beat gratulieren!"

Kriechmayr: "Es war halt nicht perfekt"

"Die Nummer war nicht entscheidend, es war kein Wind - daran ist es nicht gelegen", meinte der achtplatzierte Vincent Kriechmayr, der sich die Nummer eins gewählt hatte und erklärte: "Natürlich habe ich mir mehr vorgenommen, aber ich habe es aber wohl im Mittelteil zu schnell eingeschätzt. Es war halt nicht perfekt und wenn man hier nicht perfekt fährt, kann man nicht um Medaillen mitkämpfen", sagte der Doppelweltmeister von 2021, der im Super-G am Dienstag aber gleich die nächste Chance hat.

Max Franz, im Training stark, kam im Rennen "nur" auf den neunten Rang. "Ich hab' es in dem Teil, in dem ich im Training gut war und der mor normal liegt, nicht so den Zupf mitgenommen, wie ich es schon gemacht habe", sagte der Kärntner, der letztlich auf Platz neun landete.

Schrecksekunde bei Hemetsberger

Glück im Unglück hatte Olympia-Debütant Daniel Hemetsberger. Der Oberösterreicher hatte schon bei der ersten Zwischenzeit zu kämpfen - und schlug sich dabei mit dem eigenen Stock ins Gesicht. "Zum Glück aber nur auf die Nase und nicht in die Zähne", meinte der Aufsteiger der Saison. Aber: "Ich hab' halt zwei Tore später schon gemerkt, dass es rinnt, also dass da was blutet. Es war richtig irritierend, a Schaß halt", seufzte er. "Ich bin All-in gefahren, das war halt heute nichts." Letztlich gab es für Hemetsberger nur Platz 21.

Eines aber einte alle: Der Respekt vor der Leistung von Wahl-Österreicher Beat Feuz. "Es war eine Frage der Zeit, es ist sehr verdient", meinte Hemetsberger. Und auch der geschlagene Dominik Paris erklärte: "Er hat es sich verdient!" 

Verdient hat sich auch die Abfahrt "The Rock", dass das Rennen fair und ohne Wind gefahren werden konnte - die Verschiebung um 24 Stunden hat sich wirklich gelohnt.