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Christopher Drexler: „Das Nationalstadion soll in das Fußball-Bundesland Nummer eins kommen!“

Christopher Drexler will „Debatte starten“: „Es steht ja nicht in der Verfassung, dass alles in Wien stehen muss.“ – Stadion würde auch die Situation in Graz zumindest für internationale Spiele entlasten.

Derzeit ist das Ernst-Happel-Stadion in Wien die „Heimstätte“ des Teams. Aber schon lange wird über ein Nationalstadion diskutiert.
© IMAGO/Action Pictures
Derzeit ist das Ernst-Happel-Stadion in Wien die „Heimstätte“ des Teams. Aber schon lange wird über ein Nationalstadion diskutiert.
Michael Schuen
Ressortleiter Sport

Es zwickt ein wenig im Fußball-Bundesland Steiermark. Nicht sportlich, nein, denn da steuert die weiß-grüne Mark auf den größten Erfolg der Geschichte zu: Sturm hat den Cupsieg sicher und kann schon dieses Wochenende das Double fixieren, der GAK steht bereits als Meister der 2. Liga fest und in der Regionalliga Mitte steuert Voitsberg auf den Titel und den Aufstieg zu. Auch Hartberg ist nach wie vor im Rennen um einen Europacup-Startplatz. Anders ausgedrückt: Die Steiermark stellt kommende Saison im Idealfall sieben von 28 Klubs in den beiden obersten Spielklassen in den beiden Bundesligen.

Das ist die eine Seite. Die andere ist die Stadion-Infrastruktur, die genau das schon bald ins Wanken bringen kann. In Hartberg droht schon in einem Jahr der Lizenzentzug, weil das Stadion in der Stadtmitte den Richtlinien nicht entspricht und die bisher praktizierte „Übergangslösung“ dann nicht mehr genügt. Auch in Kapfenberg und Leoben zählen die Stadien nicht unbedingt zu den modernsten. Und die Situation in Graz ist hinlänglich bekannt: Sturm und der GAK spielen beide in Liebenau, damit ist die Merkur Arena auch ausgebucht. Sturms Zweitligamannschaft (in Gleisdorf) und die Frauen-Teams beider Klubs müssen schon auswandern, seit Jahren schwelt die Diskussion um ein zweites Stadion für den GAK, verbunden mit einer Übernahme der Liebenauer Arena durch Sturm. Internationale Spiele auf höchstem Niveau sind in Graz ein Ding der Unmöglichkeit, Sturm muss für die Champions League nach Klagenfurt, Hartberg müsste nach Linz, das Nationalteam macht einen Bogen um die Steiermark.

Steiermarks Landeshauptmann Christopher Drexler spielt Kanzler Karl Nehammer den Ball hin und fordert das Nationalstadion „für das Fußball-Bundesland Nummer eins“
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Steiermarks Landeshauptmann Christopher Drexler spielt Kanzler Karl Nehammer den Ball hin und fordert das Nationalstadion „für das Fußball-Bundesland Nummer eins“

National wiederum wird seit Jahren der Bau eines „Nationalstadions“ diskutiert. Das Wiener Ernst-Happel-Stadion ist ebenso aus der Zeit, keine „echte“ Fußball-Arena. Landeshauptmann Christopher Drexler stellt daher eine ganz besondere Forderung auf: „Graz ist die Fußballhauptstadt Österreichs, die Steiermark ist das Fußballbundesland Österreichs. Daher ist es eine Schande, dass wir nicht in der Lage sind, Champions-League-Spiele in Graz auszutragen und auch bei Fußballländerspielen außen vor sind. Daher möchte ich anregen, dass das geplante neue Nationalstadion in die Steiermark kommen soll“, sagte er in einem Hintergrundgespräch am Freitag in der Grazer Burg.

Stadion für Fußball und Konzerte

Konkrete Pläne gäbe es zwar noch nicht, aber: „Nicht alles muss in Wien sein, es ist ja nicht verfassungsrechtlich festgeschrieben, dass dem so sein muss“, sagte Drexler. Es gebe zudem schon eine Studie, die mittlerweile 20 Jahre alt ist. „Es ist eine taugliche Location. Im Zentrum soll der Fußball stehen, aber wir haben im Süden von Graz ja auch mit Klaus Leutgeb einen sehr erfolgreichen Konzertveranstalter. Dieses Stadion wäre ein Zeichen an den Süden von Österreich, auch wir haben ein großes Einzugsgebiet. Es wäre eine Entscheidung mit Strahlkraft.“ Klar ist: Ein „Nationalstadion“ müsste zumindest 50.000 Zuschauer fassen, ins Auge gefasst hat Drexler wieder das Areal rund ums Schwarzl-Freizeitzentrum.

Drexler ist auch klar, dass dieses Stadion nicht mit der Stadionfrage in Graz vermischt werden sollte: „Das ist Sache der Stadt, die zu hundert Prozent Eigentümer der Merkur-Arena ist. Aber die vor drei Jahren versprochene Lösung lässt noch immer auf sich warten.“ Und er betont auch, dass es „vordringlich“ sei, die Stadionfrage in Hartberg zu klären: „Wir als Land Steiermark haben da aber schon zwölf Millionen Euro zugesagt.“ Aber, so hofft der Landeshauptmann: „Es würde den gordischen Knoten also nicht lösen, aber Erleichterung bringen. Zumindest in der Frage, wo die internationalen Spiele ausgetragen werden.“

„Kosten wären hier nicht höher als in Wien“

Drexler weiß, dass die Idee nicht auf unumschränkte Begeisterung stoßen wird. „Aber manchmal muss man eine Idee beherzt vorbringen, auch um den Preis, dass sie beherzt bekämpft wird. Es braucht eine neue Dynamik, mein höchstpersönlicher Vorschlag soll eine neue Idee in die Debatte bringen.“ Zusatz: „Im Österreich-Plan von Bundeskanzler Karl Nehammer steht, dass es für den Spitzen- und Breitensport beste Rahmenbedingungen braucht. Dazu gehört unter Punkt eins ein neues Nationalstadion. Diesen Punkt nehme ich gerne auf und gebe eine Anregung für einen Standort. Denn die Kosten für so ein Stadion würden in Graz nicht höher sein als in Wien.“ Und Widerstand aus der Bundeshauptstadt wäre „nur Ansporn für einen steirischen Landeshauptmann“, sagt Drexler. „Es könnte ein herausragendes Objekt werden, wir haben mit Graz ja auch die Hauptstadt der Architektur, wir sind auch Holzkompetenzzentrum Nummer eins.“

Sportminister reagiert

Sportminister Werner Kogler zeigte sich aber angetan: „Ich begrüße den Vorstoß und die offenkundige Investitionsbereitschaft des Landes Steiermark, die sich in weiterer Folge wohl auch bei anderen Sport-Infrastrukturvorhaben in Graz und darüber hinaus zeigen wird“, erklärte er und schaffte damit auch einen kleinen Seitenhieb. Denn auch die Bürgermeisterin der Stadt Graz, Elke Kahr, meinte in ihrer Regierungsbilanz, dass „der Bund das Cash für die Stadionfrage in Graz“ liefern müsse. Zurück zum Nationalstadion – das stellt Kogler klar: „Für die Entscheidungsfindung, ob, und wenn ja, wo und in welcher Dimension ein neues Nationalstadion errichtet werden soll, können mehrere Optionen und ein Wettstreit der besten Ideen nur dienlich sein. Auch das Burgenland ist ja bereits mit einem ähnlich gearteten, ambitionierten Projekt vorstellig geworden. Das hat allerdings bereits ein grobes Betriebskonzept, Kostenkalkulationen, potenzielle Investorinnen und Investoren enthalten. Und das braucht es auch, um seriös beurteilen zu können, ob – bei aller Euphorie für den Fußball – die Interessen der Steuerzahler und Steuerzahlerinnen hinreichend gewahrt werden.“

Und doch müsse man die Erkenntnisse des von der Stadt Wien gestarteten Partizipationsprozesses zur Modernisierung des Ernst-Happel-Stadions abwarten. Kogler: „Dann wären gegebenenfalls interessierte Bundesländer an der Reihe, ihre Vorhaben zu präsentieren. Und schließlich müsste sich vor allem der ÖFB deklarieren, welches Projekt für ihn den größten Mehrwert hätte.“

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