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Rene Poms: „Ich ticke da ein bisschen anders“

GAK-Trainer Rene Poms gibt interessante Einblicke in die Vergangenheit, erzählt von seinen Vorbildern, warum der GAK nicht absteigt und was er von sozialen Medien hält.

Rene Poms
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Rene Poms

Das letzte Spiel vor der Winterpause war eine herbe Enttäuschung. Wie lange haben Sie im Urlaub über das 0:3 gegen Hartberg gegrübelt?

RENE POMS: Die Analyse ist rasch passiert, weil klar war, woran es lag. Wir waren ja zuvor nicht erfolgreich, weil wir so super gespielt haben. Ohne Einsatz, Wille und Laufbereitschaft geht es nicht. Man muss aber das große Ganze sehen: Wenn wir weiter von sechs Ligaspielen fünf gute haben und einen Totalversager, könnte ich damit leben. 

Wie lange beschäftigt Sie ein Spiel, egal ob Sieg oder Niederlage?

Erfahrung ist in diesem Geschäft ein wichtiger Faktor. Zu Beginn meiner Trainerkarriere konnte ich nach Niederlagen zwei Nächte nicht schlafen. In 17 Jahren als Trainer lernt man damit umzugehen. Nach Spielen musst du die richtigen Schlüsse ziehen. Betrachtet man es sachlich und ohne Emotion, geht das relativ schnell. Ich bin auch zu mir selbst brutal ehrlich, da wird nichts schöngeredet. Intern in der Kabine kommt alles auf den Tisch. 

Was machen Sie, um gedanklich vom Fußball wegzukommen?

Daheim zählt die Familie, meine engsten Freunde haben wenig mit Fußball zu tun. Da geht es um andere Themen. Ansonsten spiele ich Tennis, gehe gerne laufen und habe mir zu Hause ein Gym eingerichtet. Alles gute Möglichkeiten, um runterzukommen. 

Wann ist in Ihnen der Wunsch gereift, Trainer zu werden?

Den hatte ich auch als Spieler immer schon. Als ich Anfang der 90er als Teenager beim DSV Alpine in der Kampfmannschaft mittrainiert habe, wurde unter den Trainern Milan Miklavic und Milan Djuricic von Mann- auf Raumdeckung umgestellt. Für mich war es ein Aha-Effekt, zu erkennen, was man leisten kann, wenn alle zusammenarbeiten. 2007 habe ich unerwartet in Bruck die Chance als Spielertrainer bekommen. Spätestens da habe ich gemerkt, dass es meine absolute Passion ist. Menschlich und in Sachen Teamführung habe ich am meisten in den zehn Jahren mit Nenad Bjelica gelernt. 

Rene Poms lebt an der Linie mit
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Rene Poms lebt an der Linie mit

Welcher internationale Trainer imponiert Ihnen?

Ich bin Fan von Diego Simeone. 2013 haben wir mit Austria Wien in der Champions League gegen Atletico gespielt. Fachlich, taktisch und psychologisch deckt er alle Komponenten des Fußballs ab. Das ist auch mein Zugang. Man muss in allen Bereichen am Toplevel sein. Dann ist man ein guter Trainer. 

Wie hat sich der Trainerjob über die Jahre verändert?

Ob Barcelona, Bayern oder Man City – oft gibt es Benchmarks, an denen sich alle orientieren. Ich ticke da ein bisschen anders, habe meinen eigenen Zugang. Für mich ist Fußball ein Ergebnissport. Ganz einfach, ganz banal: Es geht darum, das eigene Tor zu verteidigen und ins gegnerische zu treffen. Da braucht man nicht lange herumphilosophieren. Dafür gibt es klare Automatismen. Bei uns weiß jeder Spieler in jeder Phase des Spiels genau, was er zu tun hat. Damit man mit diesem Werkzeug arbeiten kann, braucht es die höchste Energie. Automatismen plus Bereitschaft, dann kann man erfolgreich Fußball spielen. 

Wird der Fußball manchmal komplizierter gemacht, als er ist?

Mit Sicherheit. Mein Zugang ist: Einfache Dinge, aber die perfekt.

Was sich über die Jahre definitiv verändert hat, ist die Präsenz sozialer Medien.

Ich habe einen Instagram-Kanal, der betreut wird. Als Trainer musst du dich vermarkten. In der Trainerausbildung wurde mir bewusst, dass Vereine mittlerweile auch darauf schauen. Aber privat bin ich überhaupt nicht in den sozialen Medien. 

Warum nicht?

Ich finde es bedenklich, dass aus einer Neidgesellschaft eine Gesellschaft wurde, in der Missgunst vorherrscht. Das ist ein gravierender Unterschied. Neid war für mich immer positiv, weil er anspornt. Aber Missgunst bedeutet, dass ich nicht mehr schaue, selbst besser zu werden, sondern, dass ich dem anderen etwas zerstören möchte. Das lässt sich auch in den sozialen Medien beobachten. Ich habe schon lange aufgehört, da irgendetwas zu lesen.

 Der Fußball hat Sie nach Italien, Polen, Kroatien und Griechenland geführt. Was konnten Sie aus den verschiedenen Ländern für ihre Arbeit mitnehmen?

Noch mehr als die verschiedenen Länder hat mich bereichert, dass ich auf sämtlichen Levels gearbeitet habe. Im Amateurfußball in der 4. und 5. Liga, im leichten Profitum in der 2. Liga, in höchsten Spielklassen, der Europa League und der Champions League. In Summe habe ich rund 1300 Spieler trainiert. Mittlerweile kann ich sehr gut einschätzen, was ein Spieler kann und was er nicht kann. Und vor allem: Wo kann er noch hinkommen? Über die Jahre haben unsere Spieler 175 Millionen Euro an Transfererlös erzielt, 24 sind Nationalspieler geworden. Daran sieht man, was mit konsequenter Arbeit möglich ist. 

War es schon bei Dinamo Zagreb absehbar, dass es Dani Olmo zu Barca oder Josko Gvardiol zu Manchester City schaffen würden?

Man konnte schon sehen, dass das außergewöhnliche Spieler sind. Wir haben damals Champions League gespielt, und Dani Olmo war oft der beste Mann am Platz. Auch bei Gvardiol war absehbar, dass er nicht lange bei uns sein und einen großen Transfer machen wird. Aber Spieler entwickeln sich unterschiedlich schnell. Amir Rrahmani war anfangs unser fünfter Innenverteidiger, wurde sukzessive immer besser und später mit Napoli Meister.

Haben Sie eigentlich mit Rapid-Stürmer Dion Beljo geschimpft, dass ausgerechnet er in letzter Minute einen Sieg beim GAK-Debüt verhindert hat?

In der Fußball-Bubble trifft man sich oft zwei oder drei Mal. Dion wurde bei mir in Osijek Stammspieler. Sein Manager wollte von mir wissen, was er tun muss, um besser zu werden und zu spielen. Das hat er wirklich perfekt umgesetzt und dann auch den Transfer nach Augsburg gemacht.

An welches Erlebnis im Ausland denken Sie gerne zurück, an welches weniger?

Ewig in Erinnerung bleibt mir mit Lech Posen der polnische „Clasico“ gegen Legia. Das war bis jetzt eines meiner schönsten Fußballerlebnisse. Nenad war gesperrt. Genau an diesem Wochenende war eine 14-köpfige Abordnung der Brucker Altherren zu Besuch. Ich habe ihnen vorher nicht gesagt, dass ich als Cheftrainer an der Linie stehen würde. Wir haben 3:0 gewonnen. Weniger schön war die Freistellung bei Dinamo Zagreb in der WhatsApp-Gruppe ohne irgendeine Begründung. 

Vom Umfeld her habe ich mich noch nie so wohl gefühlt wie beim GAK

— Rene Poms

Wie viel Kontakt haben Sie noch zu Nenad Bjelica?

Wir schreiben uns immer wieder, aber jeder ist auf seinen Job fokussiert. Er ist ja zurück bei Dinamo. Ich habe gegenüber Nenad größte Wertschätzung. Es waren zehn tolle Jahre. Als für mich immer mehr klar wurde, dass ich den Weg als Cheftrainer gehen möchte, war er der erste Mensch, den ich eingeweiht habe. Unser Agreement war, dass er mich sofort freistellt, wenn ich einen Verein habe. Dass ich dann für ihn in Osijek übernehme, war nicht mein Plan, aber er hat mir grünes Licht gegeben.

Sie haben einmal gemeint, dass man als Trainer in Vereinen nicht immer auf Funktionäre trifft, die sich im Fußball auskennen.

Funktionäre sind oftmals emotional. Da sind wir wieder bei sozialen Medien. Die kanalisieren die dortigen Stimmungen, und dann musst du mit ihnen über Dinge diskutieren, die weit weg von Sachlichkeit sind, weil sie Emotionalität und Fachlichkeit vermischen.

 Bleiben Sie bei Ihrem Vorschlag, dass nicht nur Trainer eine Ausbildung absolvieren sollten?

Ich will keinem vorschreiben, wie er arbeitet. Aber von uns Trainern wird die höchste Ausbildung verlangt. Die Pro-Lizenz ist eine sehr, sehr gute Ausbildung, nach der man fachlich mit einem guten Fundament ausgestattet ist. Und dann musst du in Vereinen oft mit Laien über Dinge diskutieren, die du gelernt hast und von denen dein Gegenüber wenig Ahnung hat, aber glaubt, eine Ahnung zu haben.

Beim GAK waren Sportdirektor Dieter Elsneg und Geschäftsführer Boris Hüttenbrenner selbst Profis. Ein Vorteil?

Es ist mein elfter Verein. Vom Umfeld her habe ich mich noch nie so wohl gefühlt wie beim GAK, weil du mit diesen Leuten auf Augenhöhe reden, sachlich und fachlich diskutieren kannst. Das gibt einem als Trainer immens viel.

 Was ist drinnen mit dem GAK?

Ich bin tausendprozentig überzeugt, dass wir das Ziel, in der Bundesliga zu bleiben, erreichen werden. Ich glaube, dass man mit dem GAK langfristig auch wieder in die internationalen Ränge kommen kann. Aber jetzt bleiben wir unserer Linie treu und schauen von Spiel zu Spiel. Wenn wir die Spiele gut bestreiten, werden wir die Saison auf einem guten Platz beenden.

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