Christian Lichtenberger: „Erst dann durften wir uns Bundesliga-Spieler nennen“
Der Offensivspieler nennt seinen unvergesslichsten Moment des Jahres und schildert, wie Trainer Rene Poms die Köpfe der GAK-Spieler erreicht.
Wenn der letzte Eindruck der bleibende ist, geht der GAK mit keinem guten Gefühl aus dem Jahr 2024. Gerade in einem Jahr mit vielen Höhen und Tiefen ist natürlich eine differenziertere Betrachtung gefragt. Trotzdem steckte die ernüchternde Leistung beim 0:3 gegen Hartberg eine Zeit lang in den Knochen. „Es hat sich angefühlt, als würden sie Hösche mit uns spielen“, gesteht Christian Lichtenberger und kann sich nicht erklären, warum die Rotjacken so ganz und gar keinen Zugriff auf den Kontrahenten hatten.
So unschön der Ausklang war, so prägend war das Jahr als Ganzes. „Das werde ich in meinem Leben so schnell nicht vergessen“, grinst Lichtenberger, der mittendrin statt nur dabei war. Im Herbst absolvierte er neben Romeo Vucic als einziger GAK-Spieler alle Pflichtspiele, im Aufstiegsfrühjahr verpasste er nur die ersten drei Partien wegen einer Sprunggelenksverletzung.
Thommy und ich sind schon auf der Autobahn durchgedreht, haben das GAK-Leiberl aus dem Auto gehalten.
— Christian Lichtenberger
Logisch, dass mit der Rückkehr in die Bundesliga die unvergesslichsten Momente verbunden sind. Als der GAK am 5. Mai vor dem Fernseher Meister der 2. Liga wurde, hatte Lichtenberger gerade eine Geburtstagsfeier in seiner oberösterreichischen Heimat hinter sich. Das Aufwachen während der 10.30-Uhr-Partie von Verfolger Ried war ein erfreuliches. Nach dem Solo-Jubel ließ er sich von der Mama nach Klaus kutschieren, wo ihn sein damaliger Mitspieler Thomas Mayer aufgabelte und mit nach Graz zur Party mit der Mannschaft mitnahm: „Thommy und ich sind schon auf der Autobahn durchgedreht, haben das GAK-Leiberl aus dem Auto gehalten.“
Gemischte Gefühle
Am 12. Dezember wurde Lichtenberger 29 Jahre alt. Für den Spätstarter ist es das erste Bundesliga-Jahr. Auf den Herbst blickt er mit gemischten Gefühlen zurück. Aus Mannschaftssicht kann man mit der Ausbeute schwer zufrieden sein. „Persönlich denke ich, dass ich mich gut in der Bundesliga zurechtgefunden habe. Aber wir sind nur Vorletzter“, unterstreicht der Offensivspieler.
Inklusive Cup hält er bei acht Scorerpunkten (fünf Tore, drei Assists). Seit seiner Zeit in Lafnitz setzt sich Lichtenberger deren zehn pro Halbserie als Ziel: „Trainer Philipp Semlic hat mir damals gesagt, dass ich das bei meiner Qualität tun muss. Ich habe erkannt, dass ich zu brav mit mir selbst war, weil ich schon mit zehn Scorerpunkten im ganzen Jahr zufrieden war. Aber auch wenn ich zehn schaffe, würde ich nicht aufhören, Tore schießen zu wollen. Man darf nie zufrieden sein, muss ein Ziel vor Augen haben.“
Angesichts des Rundherums ist es generell so, dass ich mich erstmals als Profi fühle, seit ich beim GAK bin.
— Christian Lichtenberger
Vielleicht fällt es diversen GAK-Akteuren im Frühjahr leichter, individuell zu glänzen. Denn aufgrund der bis in den November hinein anhaltenden Sieglosigkeit ließ sich eine gewisse Verunsicherung nicht wegdiskutieren. „Natürlich hat man den Druck gespürt, noch dazu bei einem Verein wie dem GAK. Das ist ja kein kleiner Verein in Österreich“, so Lichtenberger. Aber genau diese Relevanz zu Zeiten des Erfolgs und Misserfolgs macht auch den Reiz der Aufgabe aus. „Angesichts des Rundherums ist es generell so, dass ich mich erstmals als Profi fühle, seit ich beim GAK bin. Aber gut, ich habe ehrlicherweise auch keinen richtigen Vergleich“, lacht der frühere Lafnitz-, Amstetten- und Steyr-Kicker.
Apropos fühlen. So richtig im Oberhaus angekommen ist der GAK erst mit den beiden Siegen gegen Tirol und Blau-Weiß Linz: „Wir haben uns immer gesagt, dass wir uns erst Bundesliga-Spieler nennen dürfen, wenn wir einmal ein Spiel in der Bundesliga gewinnen.“ Spätestens bei diesen Matches war erkennbar, dass Neo-Trainer Rene Poms die Köpfe der GAK-Spieler schnell erreicht hat: „Das war auch eines seiner Ziele. Er hat immer wieder die mentale Schiene ausgepackt und uns darauf hingewiesen, dass sich eigentlich alles nur im Kopf abspielt. Er hat uns immer wieder eingeredet, dass wir alles gute Kicker sind, die gegen jeden gewinnen können.“
Ein Hebel für ein erfolgreiches 2025
Ein Ratschlag von Poms sei, jeden Tag mögliche Situationen im Spiel und passende Lösungen zu visualisieren. Einen Hebel für ein erfolgreiches Jahr 2025 sieht Lichtenberger darin, dass es alle Spieler schaffen, das vom Coach verlangte intensive Spiel über 90 Minuten lang durchzuhalten. „Ich will an meiner Ausdauer und Physis arbeiten“, nennt der 29-Jährige folglich ein persönliches Vorhaben für das neue Jahr. Über die Weihnachtsfeiertage lässt sich bei strahlendem Sonnenschein daran arbeiten, denn seinen Urlaub verbringt Lichtenberger in Mexiko.