Christoph Eugen nach Tod seiner Frau: „Wenn man heimkommt, fehlt jemand“
ÖSV-Chefcoach Christoph Eugen (47) kehrt nach dem tragischen Unfalltod seiner Frau am Donnerstag in der Ramsau in den Weltcup zurück. „Es hat sich wie ein Stoppschild angefühlt.“
Die Frage nach dem Warum ist im Leben allgegenwärtig. Ausgerechnet bei schweren Schicksalsschlägen findet sie keine Antworten. Christoph Eugen, ÖSV-Cheftrainer der nordischen Kombinierer, kennt dieses Gefühl nur zu gut. Der gebürtige Steirer, der in Hallein lebt, musste Anfang Oktober den Tod seiner Frau Britta verkraften, die bei einer gemeinsamen Wanderung tödlich verunglückt ist. Plötzlich ist nichts mehr so wie zuvor. Doch es gibt gewisse Mechanismen im Inneren, die Menschen im Extremfall davon abhalten, sich zu verlieren.
„Ich glaube, wenn man sich diese Warum-Frage zu häufig stellt, bleibt man nur in einer Warteschleife hängen und kommt nicht weiter voran. Das bringt niemandem etwas. Das Leben kann nun mal sehr hart sein. Man rechnet nicht, dass es einen selber trifft, warum auch? Es ist eingetreten und ich kann nur versuchen, das Bestmögliche daraus zu machen, dass es uns gut geht.“
Das Leben muss trotzdem weitergehen. Von dem her kommt wenig Zeit auf, darüber groß nachzudenken.
— Christoph Eugen
Er macht keineswegs ein Geheimnis daraus, dass es auf einen Schlag „ein völlig anderes Leben ist. Seit 1990, der Zeit in Stams, war ich durchgehend im Sport unterwegs und als ich 2004 meine Karriere beendet habe, ist es direkt im Trainerstab weitergegangen“, erzählt Eugen. Nach dem tragischen Verlust hat sich das Leben des zweifachen Team-WM-Medaillengewinners komplett gewandelt.
„Ich bin nun ein alleinerziehender Hausmann“
„Es hat sich wie ein Stoppschild angefühlt. Inzwischen habe ich mich gut eingelebt und mich mit der Situation arrangiert.“ Er spricht diesbezüglich von einer Art „Sicherheitsknopf, da ich eine große Verantwortung gegenüber meinem elfjährigen Sohn Simon habe, der ich natürlich richtig nachgehen will. Ich bin nun ein alleinerziehender Hausmann“, sagt Eugen, der seit zwölf Jahren die heimischen Kombinierer rund um Doppelweltmeister und Gesamtweltcupsieger Johannes Lamparter betreut.
Angesprochen auf die größte Umstellung verriet Eugen: „Wenn man heimkommt, fehlt jemand.“ Normalerweise ist er an die 200 Tage im Jahr auf Reisen. „Meine Frau hat jahrelang alles gemanagt und von null auf hundert bin ich jetzt in dieser Position. Von Hausübungen bis hin zum Haushalt bleibt nichts aus“, erzählt Eugen, der von seiner Nachbarschaft tatkräftig unterstützt wird. „Wir sind nicht allein, das ist ein schönes Gefühl.“ Die Entscheidung, vorerst nicht mit der Mannschaft mitzureisen, war unter diesen Umständen unumstößlich.
Fungiert als Stützpunkttrainer in Rif
Den Weltcupauftakt im hohen Norden verfolgte er von zu Hause aus. „Es war spannend mitzufiebern. Das Betreuerteam ist super eingespielt. Alles, was möglich ist, mache ich von daheim aus. Da geht es großteils um Organisatorisches“, erklärt Eugen, der an den Vormittagen in Rif als Stützpunkttrainer fungiert. Mit den Leistungen seiner Schützlinge ist er rundum zufrieden. „Johannes ist noch nie so stark in seine Saison gestartet. Stefan Rettenegger performt richtig gut, Franz-Josef Rehrl braucht nach der Krankheit noch ein bisschen, aber das sieht sehr positiv aus.“
Am Donnerstag kehrt der 47-Jährige in der Ramsau zurück in den Weltcup. Eine Ausnahme, wie er betont: „Seefeld oder Oberstdorf stehen noch im Raum. Alles andere ist für mich kein Thema. Priorität hat mein Sohn.“
Ich würde nie mein Kind abschieben, damit ich egoistischerweise meinem Job nachgehen kann. Ich weiß, dass ich gebraucht werde, wir uns gemeinsam aufraffen und gemeinsam aufwachsen.
— Christoph Eugen
Was die Zukunft bringt, wird sich zeigen. „Wir werden uns im Frühjahr zusammensetzen und schauen, welche Möglichkeiten es vom Verband her gibt. Sie haben mich total unterstützt.“