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Zu den GründenStrolz: "Es gibt kein viertes Kind und keine Geheimnisse"

Neos-Chef Strolz begründet seinen überraschenden und völligen Rückzug aus der Politik damit, er habe seine Aufgabe erfolgreich erfüllt. Wer mehr dahinter sehe, dem mangle es an Fantasie. Seine Nachfolge werde in den nächsten Tagen geregelt.

PRESSEKONFERENZ NEOS-CHEF MATTHIAS STROLZ
Matthias Strolz zieht sich aus der Politik zurück © APA/GEORG HOCHMUTH
 

Selbst Armin Wolf konnte dem scheidenden Neos-Chef Matthias Strolz nicht viel entlocken. Er lege seine Ämter zurück, weil die Neos nun gut aufgestellt seien und weil er seine Aufgabe erfolgreich erfüllt habe, erklärte der 44-Jährige gestern in der ZiB2. Für Österreich sei das vielleicht ungewohnt, weil Politiker im Amt blieben, bis ihr Sessel hinausgetragen wird. Bei ihm sei das anders. "Es gibt kein viertes Kind und keine Geheimnisse", betonte Strolz. Auch als Spitzenkandidat für die Europawahlen würde er nicht zur Verfügung stehen. Er habe seine Aufgabe erfolgreich erfüllt, wer mehr dahinter sehe, dem mangle es an Fantasie. 

Strolz hatte am Montag unter Tränen seinen Rückzug verkündet: Seine Zukunft sei offen "und ich will es offen halten", sagte Strolz. Er habe "einige Buchprojekte im Kopf". "Ich bin nicht Passagier, ich bin der Pilot meines Lebens. Ich werde ein Feld weiterziehen. Wie das Feld heißt, weiß ich nicht."

"Pionierphase" beendet

Strolz zieht sich per Ende Juni aus der Politik zurück, weil die "Pionierphase" der neuen Partei nun zu Ende sei. Als Favoriten für seine Nachfolge werden die Wiener NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger, der stellvertretende Klubobmann Nikolaus Scherak sowie der Medienmanager und NEOS-Mitbegründer Veit Dengler genannt. Auch in der Nachfolge-Frage wollte sich Strolz öffentlich nicht festlegen; diese werde im Team in den nächsten Tagen entschieden. Der Salzburger Sepp Schellhorn sagte bereits ab: Diese Aufgabe sei ihm "vielleicht eine Nummer zu steil", ermüsse außerdem gerade das Salzburger Regierungsprogramm verhandeln. "Das ist mein letztes Wort", betonte er am Dienstag im Ö1-Morgenjournal.

Der Rückzug kommt auch deshalb überraschend, weil die Pinken heuer in drei von vier Landtagswahlen erfolgreich waren und in Salzburg sogar vor dem Einzug in die Landesregierung stehen.

Die emotionale Rede von Mathias Strolz

Kaum jemand habe den Neos die Erfolge bei Wahlen zugetraut. Mit der Salzburg-Wahl sei - nach rund 30 absolvierten Wahlgängen - die Pionierphase zu einem erfolgreichen Abschluss gekommen: "Alles, was wir ab jetzt machen, machen wir nicht mehr zum ersten Mal."

Nun seien weitere Schritte nötig, es sei Zeit für einen Wechsel: "Ich war nie ein Sesselkleber, das Leben ist ein Fluß." Die "Stimme meines Herzens" sage zu ihm: "Es ist jetzt der Zeitpunkt, die Führungsverantwortung geordnet zu übergeben." Die Entscheidung wolle er aktiv und aus voller Kraft setzen, nicht erst dann, wenn man ihm den Sessel vor die Tür stelle: "Ich bin nicht Passagier, sondern der Pilot meines eigenen Lebens."

Matthias Strolz zieht sich von NEOS-Parteispitze zurück

Konkret werde er mit Ende Juni den Parteivorsitz abgeben, im Herbst dann den Klubvorsitz. Dann werde er auch aus dem Nationalrat ausscheiden, also sein Mandat zurücklegen. Was er in Zukunft mache? "Das ist offen, ich bin ein Gärtner des Lebens, ich kultiviere soziale Felder, ich werde nun ein Feld weiterziehen."

Wie es bei den Neos weitergeht:

Heute, Dienstag, trifft sich der Neos-Vorstand. Am Mittwoch findet eine Sitzung des dann erweiterten Vorstands zur Nachfolgefrage statt. Ende Juni soll auf einer Mitgiederversammlung der Strolz-Nachfolger gewählt werden.

Strolz, Jahrgang 1973, stammt aus Bludenz und ist gelernter Unternehmensberater. Seine unternehmerische Tätigkeit stellte er im Oktober 2012 ein, als er die neue Partei NEOS gründete, zu deren Vorsitzendem er beim Gründungskonvent am 27. Oktober 2012 gewählt wurde. Seither führte er die Neos - zuletzt mit wachsendem Erfolg, begünstigt auch durch das Schwächeln der Grünen.

"Potenzial zur 20-Prozent-Kraft"

Als "Zentrumsbewegung" hätten die Neos in den ersten Jahren Nutzen für die Menschen stiften können, resümierte Strolz in seiner Abschieds-Erklärung. "Wir haben starke Impulse in das Getriebe der Politik geschickt." Er unterstrich den Willen der Neos, eine "Bewegung" zu sein und in Allianzen zu denken. Neos-Ziele seien etwa "eine umfassende Bildungswende von unten" und ein nachhaltiges Pensionssystem. Bis zum Jahr 2030 werde man eine Million Wähler hinter sich versammeln: "Wir haben das Potenzial zu einer 20-Prozent-Kraft. Aber nur Unkraut wächst schnell."

Abgang eines Entertainers

Mit Strolz verschwindet schlussendlich auch einer vom politischen Parkett, der immer wieder für skurrile und unterhaltsame Momente im Nationalrat und in Wahlkämpfen gesorgt hat. Egal, ob er dem UNO-Generalsekretär aus der Rocky Horror Picture Show zitierte oder Interviewer mit "Sie sind a bissl touchy heute" auf körperliche Distanz halten wollte. Auf Youtube gibt es jedenfalls etliche Videos, wie das folgende, auf denen der scheidende Neos-Chef gerne "Cojones" zeigte.

 

Kommentare (93)

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Irgendeiner
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Also mir hat noch nie wer Mangel an Phantasie

vorgeworfen aber ich versteh es trotzdem nicht,Herr Strolz,ganz einfach weil ich bei unerreichten Zielen den Mangel an Neuem logisch nicht dazukriege. Und ich bin der Meinung, ein Kritiker muß das entschlossen vortragen,man lacht.

herda
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Kapitulation

Ein Schöngeist der Politik will der Stimme seines Herzens folgen.
Eines Herzens, das gebrannt hat für seine Ideen.
Und nun ausgebrannt vor den Niederungen des Kleinkriegs und
der Intrigen kapituliert.
Er hat den NEOS den Weg gezeigt, aber nicht damit gerechnet,
dass dieser Weg nicht geradlinig verläuft, dass neue Wege
diesen kreuzen und der Blick in den Abgrund von Machtgelüsten
keinen Platz für Schöngeist und hehre Ziele lässt.

Adler48
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Neos & Co

Eine schwache Opposition schwächelt & zerbröselt halt wenn eine gute Regierung gute Arbeit macht.

aral66
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Wie meinen?

WELCHE GUTE REGIERUNG?.....

bmn_kleine
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Re Eine schwache Opposition schwächelt & zerbröselt halt wenn eine gute Regierung gute Arbeit macht.

Da bin ich ja beruhigt, weil dann ist ja bei dieser Regierung nicht einmal ansatzweise die Gefahr, dass die Opposition schwächelt und zerbröselt.

Irgendeiner
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Nun ja, mapem überlegt unter mir ob Strolz wohl

der falsche Mann im falschen Boot war,das ist durchaus möglich,ich glaube, der wäre Manns genug gewesen, Basti den Schlüssel zur Verfassung nicht zu geben und er hat ja durchaus sehr männlich die Humanität für Flüchtlinge nicht mit wirtschaftlichen sondern humanitären Argumenten an den Mann gebracht.Man kann also durchaus darüber spekulieren, ob man den Mann nicht loswerden wollte um mit einer anderen Mannschaft da einen Deal mit den Türkisen zu machen.Man wird ja sehen.

Kunierer
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Er brachte Schwung in die Bude

eines muß man Matthias Stolz lassen, er lebte Politik wie man sie wirklich als Politiker leben muß. Er war demnach ein Vollblutpolitiker aus dem Bilderbuch, da können sich so manche an Fadesse überbietende Herren im Hohen Haus ein ordentliches Scheibchen abschneiden. Ich habe aus bestimmten Gründen nie Neos gewählt, dennoch wünsche ich ihm für die weitere Zukunft viel Glück.

mapem
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Na hui – das überrascht jetzt aber schon …

und von den Statements jetzt in der ZIB kann ich mir auch nichts Plausibles zusammenreimen …?!
Da weiß man ganz einfach Entscheidendes nicht, denke ich. Grundsätzlich hat er ja immer wieder mal - als Neo-Liberaler – durch Ansagen aufhorchen lassen, die doch von einer gewissen sozialen Empathie zeugten. War er uU der falsche Mann im falschen Boot? Vielleicht gibt´s doch Druck vom dogmatischen NEOS-Betriebssystem, dass ein soziales Gewissen ja im plutokratischen Treibstofftank nichts zu suchen hat? Vielleicht fordert da schon wer seinen Einsatz mit Zinsen?

Und jetzt wird sich wohl die Gretchen-Frage stellen – wohin bläst´s die Neos? Denn unter Strolz konnte man ja eher die Rolle einer konsequenten Oppositionspolitik gegen die BR wahrnehmen – wenn die jetzt den neo-liberalen New-Age-Wirtschaftsimperialismus als Leithengst vor den Karren spannen, könnten sich die Blautürken sogar Hoffnung machen, dass sie mit einem kleinen pinken Beiwagerl jetzt sogar bei Verfassungsgesetzen rumderegulieren – und das kann dann aber eine ordentliche Knackwatschen für all jene werden, die bis heute noch immer nicht wissen, was sie im Oktober getan haben …
Bin gespannt.

Himmelschimmel
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Lieber mapam!

Und das meine ich ernst. Denn: 1. ist der Kommentar blitzg'scheit und 2. vollkommen korrekt geschrieben. Ich hab' was übrig für Leute, die sich in Grammatik, Interpunktion und Rechtschreibung auskennen und ihr Wissen so einsetzen, dass G'scheites auch g'scheit rüberkommt. Da kann sich Frau Prof.Mag. Lodengrün und Irgendeiner ein Scheibchen abschneiden - und noch immer zu wenig davon haben.

mapem
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Na ja, Schimmel …

ob du mich mapam, rantanplan oder napalm nennst oder vertippst, ist mir zumindest relativ egal … und in Anbetracht dessen, dass es in Rom bereits brennt, soll mir jeder Weg dorthin recht sein, den ein Löschtrupp einschlägt – auch wenn den einen oder anderen Weg dabei nicht die dudensischen Reinheitsgebote säumen.
Und was die ausgesuchten User deiner Kritik betrifft – Sprache ist ja arbiträr und in stetem Fluss – und weist in Einzelfällen mitunter idiolektische Besonderheiten aus. Man könnt´s ja glatt auch als Metapher für das sehen, wofür man hier eigentlich schreibt – zumindest seh ich es so – nämlich, dass das Abbild der Gesellschaft ein farbiges, mit vielen bunten Tupfen und Klecksen versehenes, bleibt, und nicht zur blautürken Monochromie verkommt.
Eher dort sollte man seinen Blick hinwenden – ob nicht dort gerade die regelkonforme „Orthographie und Interpunktion“ der Demokratie und unserer humanistischen Kultur auf´s Gröbste ignoriert wird?

Himmelschimmel
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Ui!

Lieber mapem!! Entschuldigen Sie bitte.

lieschenmueller
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Das ist wie das Amen im Gebet

Lässt man sich - diesmal halt positiv - über Rechtschreibung etc. aus - zumindest ein Tippfehler ist die "Strafe" dafür ;-)

Irgendeiner
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Ja, ich kann mir immer Scheibchen abschneiden,

aber gebeten werde ich selten darum.Nicht über die Bande, direkt.

Himmelschimmel
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Aber hab ich doch schon!

Aber im Alter ist Vergessen verzeihlich. Und das nehm' ich auch für mich in Anspruch.

Irgendeiner
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Nein, immer direkt, man

will Kritik doch nicht suchen müssen, das nimmt man in Anspruch, schon der Altersgebrechlichkeit wegen.Und beim Vergessen gibts Unterschiede, wenn ich die Lesebrille verlege ist es was anderes als wenn ich nicht weiß wieviel Enkel ich habe,das ist qualitativ different,mein halt ich.

Himmelschimmel
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Lieber Irgendeiner

Und das meine ich auch ehrlich. Meine allererste Antwort auf einen Ihrer Kommentare war auf den Inhalt genau dieses Scheibchens bezogen. Und war das jetzt das Vergessen der Lesebrille oder der Zahl der Enkel?

Irgendeiner
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Ja, das ist durchaus möglich,aber Du gehst mir da in der Zahl derer unter

die sich gerne am Formalen aufhängen, ich mag jetzt nicht nachsehen, aber sicher bin ich, daß ich Dir dann gesagt habe, daß mir das wurst ist, nicht.Und trotzdem, wenns Dich stört und Du den Drang verspürst das nochmals auszubreiten, zu mir.

Himmelschimmel
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Nur nicht grummeln

Mir geht's nicht nur darum, dass man korrekt schreibt, sondern, dass man das Geschriebene verstehen kann. Und das fällt halt schwer, wenn die Sätze so in einer Wurst daherkommen. Denkaufgabe: Der K.u.K-General antwortet in einem Telegramm auf die Frage, ob ein Rekrut hingerichtet werden soll: "Wartet nicht hängen!" Na, was soll jetzt Ihrer Meinung nach geschehen?

Irgendeiner
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Da hat was nicht gefallen, aber wenn ich empirisch eine Unwahrheit

belege,belege ich sie nunmal.Und irgendwer sollte jetzt den Mut haben vorzutreten,weils nämlich weder den Forenregeln widersprach noch sachlich falsch war. Ich warte.Und unangenehm ist keine relevante Kategorie.

UHBP
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Pokitisch war ich in einigen Punkte nie seiner Meinung,

Aber er wird fehlen in der politischen Landschaft.
Vor allem jetzt wo von Regieringseite fast ausschließlich auf Propaganda statt Inhalte gesetzt wird.
Wird wohl auch ein bisschen an deren Wählerniveau liegen.

Planck
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I mien', zumindest a bissl speziell isser schon, der Strolz.

Da sagt er, er ist der Pilot seines Lebens, er zieht ein Feld weiter, aber er hat keine Ahnung, welches Feld das sein könnte.
I mein', normalerweise wissen Piloten, wohin sie fliegen.
Strange, aber -- wie gesagt -- der Strolz war immer a bissl eso *g

Miraculix11
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Es ist doch klar...

...dass das nicht stimmen kann. Er geht - grundlos, er sorgt nicht für eine geordnete Übergabe - sinnlos, er weiß nicht was er nun tun wird - planlos und er ist den Tränen nahe. Ich hoffe die Wahrheit kommt bald raus.

Planck
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Ihr Voyeurismus interessiert mich nicht.

Mich interessiert lediglich, dass die NEOS eine Zukunft haben.
Aus mannigfachen Gründen, von denen ich Ihnen keinen darlegen werde.
Sportliche Wertlosigkeit, Sie verstehen.

Miraculix11
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@ Planck

Unter Hochmut (hebräisch גָּאוֹן ga’on; altgriechisch μεγαλοψυχία megalopsychia; lateinisch magnanimitas, superbia) versteht man seit der frühen Neuzeit den Habitus von Personen, die ihren eigenen Wert, ihren Rang oder ihre Fähigkeiten unrealistisch hoch einschätzen.

Planck
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Da sieht man wieder,

wie hilfreich Wikipedia ist ^^
Ah ja, noch was. Niveau sieht nur von unten wie Arroganz aus *gg

Miraculix11
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Franz Grillparzer sagte einst

Man steigt nicht ungestraft vom Göttersessel herunter in den Kreis der Sterblichen.

 
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