PandemiemanagementStatistiker Neuwirth: "Die Datenlage ist eine Zumutung für Bürger"

"Ich möchte nicht darauf angewiesen sein, dass irgendeine Institution da irgendwann einmal auf die Idee kommt, das auszuwerten", kritisiert der Statistiker - den Verantwortlichen sei eine saubere Datensammlung und -auswertung kein Anliegen.

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© APA/HERBERT NEUBAUER
 

Der emeritierte Statistikprofessor Erich Neuwirth, der auf seinem Blog seit Monaten täglich die Entwicklung der Pandemie anhand von Daten nachzeichnet, geht hart mit der Vermessung der Covid-Krise durch die Regierung ins Gericht: "Welche Daten öffentlich verfügbar sind - und in welcher Form - ist eine Zumutung für Bürger", schreibt Neuwirth in einem aktuellen Blogbeitrag.

"Ich möchte nicht darauf angewiesen sein, dass irgendeine Institution da irgendwann einmal auf die Idee kommt, das entsprechend auszuwerten. Ich möchte diese Daten täglich, damit ich sie selbst auswerten kann", so Neuwirth zu der Tatsache, dass noch immer keine Verknüpfung der Daten, wie viele Menschen aktuell in Spitälern wegen Covid behandelt werden, mit deren Impfstatus erfolgt. "Datenschutz als Ausrede taugt nicht, niemandes persönliche Interessen werden verletzt, wenn man erfahren kann, wieviele COVOD-Spitalspatienten geimpft sind und wieviele nicht".

Neuwirth fordert die Verantwortlichen in Bund und Ländern auf, endlich eine umfassende Aufbereitung der Daten zu veranlassen. "Ich habe den Eindruck, dass auf Bundes- und Länderebene immer noch Unverständnis darüber herrscht, dass eine bessere Datenlage eine notwendige Voraussetzung für bessere und rational begründbare Entscheidungen und Maßnahmen ist", so der Statistiker.

Kommentare (16)
schteirischprovessa
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Da mag man sich bei der SPÖ bedanken,

Die für eine Zustimmung zum grünen Pass eine umfangreiche Erhöhung des Datenschutzes gefordert haben.
Dass dann natürlich Daten nicht verknüpft und gefiltert werden können, ist halt die Folge davon.

UHBP
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@sch..

Natürlich ist immer die Opposition schuld. Zumindest für die einfachen Türkisen.

Lodengrün
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Nun diese Forderung

war nicht ganz unberechtigt. Lassen wir es dabei sein das der grüne Pass eine Katastrophe so oder so ist.

schteirischprovessa
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Ich bin mit meinem grünen Pass recht zufrieden

und habe es als älteres Semester problemlos geschafft, ihn auf mein Handy zu bekommen.

edi99
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Wir werden täglich zugeschüttet mit einem desinformativen Wust an nichtssagenden nackten absoluten Infektionszahlen bzw. Inzidenzien täglich positiv Getesteter aus aller Herren (Bundes)Länder.

Man fragt sich: wem nützt diese Art von Volksverwirrung, was ist das Ziel? Und wen wundert es, wenn viele Menschen die Bedrohung nicht mehr ernst nehmen können, weil man sich einfach nicht jahrelang fürchten kann und will!

Jeglicher statistische Hintergrund, wie Prozent der Bevölkerung, Prozent der Getesteten, um die Gefährlichkeit bewerten zu können, fehlt schmerzlich.

Wie viele Patienten auf den Intensivstationen und in stationärer Behandlung und der Verstorbenen haben/hatten Vorerkrankungen? Das ist nicht zu entnehmen.
Wenn Lungenerkrankungen, Asthma, COPD Hochrisiko für Covid-19 darstellen, warum hat die Regierung in ihrem harten shutdown nicht sofort Trafiken gesperrt, Zigarettenautomaten geleert?
Wie aussagekräftig sind Zahlen, wenn nur Menschen mit Symptomen oder auch symptomlose getestet werden?

So erfahren wir nie, wie viele positiv und
a) ohne Symptome sind, also Quarantäne zu Hause
b) mit milden Symptomen sind, also Genesung zu Hause
c) stationäre Aufnahme nötig haben (Vorerkrankung ja/nein?)
d) Auf der Intensivstation sind (Vorerkrankung ja/nein?)

neuernickname
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a und b werden wir nie wissen - da müsste man die Leute in Quarantäne befragen - das ist extrem aufwendig und man muss dort auch "glauben"

aber c und d sind leicht zu erheben. Man müsste es nur machen.

Die Zeitschrift Profil hat sich durch die Krankenhäuser durchgefragt und am 8.8. 2021 das Ergebnis veröffentlicht:

Von den damals 31 Intensivpatienten waren 84 % nicht oder nur teilimmunisiert durch Impfungen.

Es ist also ganz offenbar so, dass die Impfungen am besten vor dem persönlichen Risiko schützen auf einer Intensivstation aufzuschlagen oder zu sterben.
Für die Krankenhäuser ist es noch viel besser, wenn sich die Menschen impfen lassen, weil ja auch die absoluten Zahlen zurückgehen. Dann können auch die Krankenhäuser mit den seltenen Impfdurchbrüchen und den dann auch selteneren schweren Erkrankungen bei Ungeimpften (weils halt nicht mehr viele Ungeimpfte gibt), besser umgehen.

selbstdenker70
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...

Hauptsache die Regierung, bzw die Länder, dürfen im Radio, Zeitungen ect öffentlich einzelne Gemeinden, die sogar namentlich erwähnt werden, rügen weil dort die Impfquote zu niedrig ist.

edi99
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Aber rügen nur nach Lust und Laune, bloß nicht objektiv werden, Großevents werden schonend ausgespart,

und auf Bezirks- oder Stadtebene kann selber man gar nichts abfragen, sonst käme zu viel böses Blut auf, inklusive Spott, Vernaderung und Ausgrenzung.

Man wird zum passiven Informationsalmosennehmer gemacht.

gweingrill
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Hmmm

Wären die Daten passend , hätte man sie sofort öffentlich gemacht. Ich denke man feilt an den Werten .. danach passen die Auswertungen auch . Wenn es nicht so traurig wär könnte man lachen

neuernickname
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Wie soll denn da das "regieren" funktionieren, ohne Daten?

Wenn Experten und Politik im Blindflug unterwegs sind.

Aktuelle und richtig erhobene Daten sind eines der wichtigsten Instrumente zur Pandemiebekämpfung. Das Schauspiel, dass uns speziell die Politik (Bund und Länder) da bietet ist ein Trauerspiel.

Aus anderen Ländern kennt man die Verteilungen - dass es Impfskeptiker gibt, die die Zahlen mißinterpretieren - jo eh. Damit muss auch die Regierung leben lernen.
Aber es gibt auch die Wissenschaft und Forschung, die in der Lage ist Daten richtig zu interpreterien. Und die braucht valide Daten nun einmal.

Auch mir als Bürger, der noch halbwegs neutral an die Covid-Pandemie herangeht, sind die Daten zumutbar.
Ich will ja net wissen ob die Mitzi-Tant geimpft ist, sondern einfach wie sich die Impfung im Kampf gegen die derzeit dominante Delta-Variante schlägt.
Habe wohl als Bürger dieses Landes ein Recht das zu wissen.

beneathome
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Solide Datenbasis

kann man nicht so gut manipulieren. Also, wer ist daran interessiert? Die Regierung, die Pharmaindustrie und ihre „Experten“ sicher nicht.

umo10
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Er hat soo recht

Hr Kurz und seine einflüsterer haben keine Ahnung von Statistik! Sie sind nicht in der Lage zu verstehen, dass niemandes Daten veröffentlicht werden und trotzdem damit Statistik betrieben werden kann. Es ist einfach nur traurig

9956ebjo
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Umo

Was wollen Sie uns damit sagen?

Nur weil Daten nicht veröffentlicht werden dürfen sie laut DSGVO trotzdem nicht gesammelt werden.

umo10
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Ja

Oder wollen sie sagen, dass die gesundheitspolitik absichtlich die Daten verschleiert, wieviele 2x geimpfte täglich hospitalisiert, gestorben usw sind? Ich vertraue ihnen und sage deshalb, sie sind nicht in der Lage

HRGallist
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Pandemiemanagement

Jeder Provinzbeamte dessen PC die Grundrechnungsarten gerade noch ausführt, wenn man die entsprechenden Tastaturen kennt, hält sich für einen ausgewiesenen Statistiker. Das übergeordnete Denken erhält seine Grenzen von den engstirnigen Landesfürsten, die ihre eigenen mühsam und höchst kompliziert, weil dilettantisch erhobenen Daten für so wertvoll halten, dass sie auf keinen Fall in einem anderen Bundesland oder gar der Republik gelesen werden dürfen. Selbst wenn es im dringenden Interesse der Menschen in der Republik sein sollte, das geht gar nicht.

Hausverstand100
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Und sonst

Stehen noch die diversen "Datenschützer" einer fakten- und Evidenzbasierten Lösung im Wege....
Ach ja, Political Correctness nicht vergessen...
Wo kämen wir denn hin, wenn man die wahrscheinlich größten Verbreiter benennen würden, wir Rassisten wir...