Pro und ContraSind Massentests im Kampf gegen das Coronavirus sinnvoll?

Vernünftige Vorsichtsmaßnahme oder bloße Showpolitik? Die Ankündigung von Massen-Coronatests im Dezember durch die Bundesregierung entzweit nicht nur die Politik, sondern auch Experten.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
CORONA: PRAeSENTATION BUNDESHEER 'CORONA-TESTSTRASSE'
© APA/GEORG HOCHMUTH
 

Pro: Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres

COVID-19 beherrscht seit März unser Leben. Im Frühjahr ein Lockdown, dann ein relativ ruhiger Sommer, gefolgt von einem exponentiellen Anstieg der Infektionen mit weiterem Lockdown im Herbst. Trotz des Lockdown sinken die Zahlen sehr langsam. Nur etwa die Hälfte der Infizierten sind positiv getestet und in Quarantäne, was bedeutet, dass zigtausende Infizierte potenziell ansteckend sind und von ihrer Erkrankung nichts wissen. Jeder Patient, den man als infiziert identifiziert ist ein Vorteil, da man ihn in Quarantäne schicken und damit weitere Ansteckung verhindern kann.

Der Autor

Thomas Szekeres ist Präsident der Österreichischen Ärztekammer und Facharzt für klinische Chemie und Labordiagnostik. Bevor er 2017 oberster Standesvertreter wurde, war er Betriebsratsvorsitzender im Wiener AKH.

Seit einigen Wochen gibt es sogenannte Antigen-Schnelltests, mit deren Hilfe man nach einem Abstrich innerhalb von etwa 15 Minuten feststellen kann, ob die betroffene Person sich mit COVID-19 infiziert hat und auch ansteckend ist. Obwohl diese Tests weniger empfindlich sind als sogenannte PCR-Tests und frühe Infektionen oder Infektionen mit geringer Virusbelastung nicht erkennen, macht die Geschwindigkeit der Analyse diesen Nachteil mehr als wett. Es gelingt, in Zeiten, in denen PCR-Resultate erst nach Tagen verfügbar sind und das Contact Tracing aufgrund der hohen Infektionszahlen nicht mehr funktioniert, rasch zu reagieren und Infizierte zu identifizieren.

Jeder infizierte und ansteckende Mensch, der so gefunden werden kann, hilft bei der Eindämmung der Pandemie. Eine Herausforderung ist die Logistik beim Testen: Hier sollte es möglich sein, elektronisch eine Uhrzeit in einer der Teststraßen zu buchen und dann ohne lange Wartezeiten und ohne Ansteckungsgefahr getestet zu werden. Wir wissen, dass sich ein Großteil der Bevölkerung so testen lassen möchte.

Man muss bedenken, dass es sich hier um eine Momentaufnahme handelt. Der Test sollte – wie es auch geplant ist – nach einigen Tagen wiederholt werden. Nur so kann man Personen finden, die nach einem anfänglich negativen Test die Krankheit ausbrüten. Sie bilden in der Zwischenzeit mehr Viren und können dann im zweiten Test als infiziert erkannt werden. Ich hoffe, dass sich möglichst viele Menschen mittels Antigen-Schnelltest testen lassen, damit man die Infektionskette unterbrechen kann.

Ich bin zuversichtlich, dass es uns gemeinsam gelingt, solche Massentests erfolgreich durchzuführen. Nur so können wir weitere Lockdowns vermeiden. Jedenfalls müssen wir die Zahl der Infektionen zumindest bis zur Möglichkeit einer Schutzimpfung soweit drücken, dass weitere Lockdowns verhindert werden. Wenn Massentests dabei helfen, ist es gut so.

 

Contra: Public Health-Expertin Barbara Nußbaumer-Streit

Das Konzept „Massentest“ wirkt auf den ersten Blick vielversprechend. Man testet die ganze Bevölkerung, fischt alle Coronavirus-Infizierten heraus und verhindert so weitere Ansteckungen. Wenn man genauer hinsieht, ist ein einmaliges bevölkerungsweites Testen jedoch wenig bis nicht sinnvoll.

Die Autorin

Barbara Nußbaumer-Streit leitet das Zentrum Cochrane Österreich am Department für Evidenzbasierte Medizin an der Donau-Uni Krems. Die gebürtige Klagenfurterin absolvierte das Doktoratsstudium für Angewandte Medizinische Wissenschaft mit Schwerpunkt Public Health an der Med-Uni Wien.

Alle Corona-Tests sind immer nur eine Momentaufnahme, auch Antigen-Schnelltests. Wer heute einen negativen Test hat, kann ein paar Tage später schon ansteckend sein. Dazu kommt, dass Tests nicht perfekt sind. Rund 20 Prozent der Infizierten bekommen ein negatives Testergebnis, obwohl sie das Virus in sich tragen.

Wird ein negativer Test dann als Freibrief verstanden, sich sorglos zu verhalten, kann das schnell zu imer neuen Clustern führen.
Gleichzeitig führen Tests in der gesamten Bevölkerung auch zu vielen falschen Alarmen. Lassen sich in Österreich beispielsweise fünf Millionen symptomfreie Menschen testen und erkennt der Test 99 Prozent der Gesunden richtig, bekommen trotzdem rund 50.000 ein positives Testergebnis, obwohl sie gar nicht infiziert sind.

Das wäre in etwa so, als würde man ganz Villach in Isolation schicken, obwohl niemand infiziert ist. Nachgelagerte PCR-Tests können diese Fehlalarme reduzieren, belasten aber das Testsystem zusätzlich. Schon jetzt warten Erkrankte oft tagelang auf PCR-Testresultate.
Ein einmaliger Test der gesamten Bevölkerung kann das Infektionsgeschehen im besten Fall kurz dämpfen. Nach kurzer Zeit werden sich die Infektionszahlen aber wahrscheinlich wieder so entwickeln, als hätte es keinen Massentest gegeben.

Berechnungen der Harvard Universität zeigen: Damit ein Massentest nachhaltig das Infektionsgeschehen bremst, müsste er mindestens einmal pro Woche wiederholt werden. Das ist logistisch kaum zu schaffen.

Großflächige Tests können aber sinnvoll sein, wenn sie zielgerichtet durchgeführt werden, beispielsweise zum Schutz von Risikogruppen in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen oder in Regionen mit steigenden Infektionszahlen.

In diesem Rahmen ist auch regelmäßiges Testen in kurzen Zeitabständen umsetzbar, was einen nachhaltigen Effekt ermöglicht.
In der Slowakei wurde eine Wiederholung des Massentests auf unbestimmte Zeit verschoben. In Großbritannien wurde er überhaupt gar nicht durchgeführt und wieder abgesagt.

Das sollte zumindest dazu anregen, den Massentest in Österreich wissenschaftlich zu evaluieren, um daraus zu lernen.

Kommentare (23)
fwf
1
4
Lesenswert?

Fragwürdig

Bei der Ungenauigkeit und Fehleranfälligkeit wird der Massentest einen Wust an Problemen nach sich ziehen. Die ganzen falschen Fälle aufzuarbeiten wird sicherlich eine massive Belastung der Behörden und der Bevölkerung ergeben. Vorallem müsste man ja nach 3 Tagen die Tests wiederholen, und das sprengt sicher lle Laborkapazitäten.

petera
3
14
Lesenswert?

Leider ist dieser Großtest nur der hilflose

Versuch das Weihnachtsgeschäft u d den Wintertourismus zu retten, was ich bei den derzeitigen Fallzahlen nicht sehe.

Sobald die Leute wieder in Massen zum Einkaufen, Skifahren, in die Gasthäuser,... strömen, geht es wieder von vorne los.

Ich bin der Meinung, dass die Schulen und mit entsprechend strengen Regeln Geschäfte aufgemacht werden können.

Skifahren, als Tagesausflug ohne Skihütte oder Apres-Ski könnte auch möglich sein.

fans61
14
23
Lesenswert?

Ob sie sinnvoll sind ist zweitrangig...

wichtiger ist das der Populismus dieser ÖVP/GRünen-Regierung befriedigt wird.

Unfähiger gehts ohnehin nimmer.

Marmorkuchen1649
4
2
Lesenswert?

@fan61

Unter Populismus verstehe ich etwas anderes. Natürlich versucht man, die Infektionszahlen zu drücken. Was soll daran populistisch sein? 😃

Flogerl
8
11
Lesenswert?

Gibt es ...

.... hier eigentlich einen einzigen Artikel, an dem du nicht dein Regierungsbashing abladen mußt ? Wird nämlich langweilig !

Wilhelm Gauster
23
50
Lesenswert?

Ärztekammerpräsident

kann bitte jemand den unnötigen ÄK Präsident sagen, dass er nicht der Pressesprecher vom Anschober und vom Kurz ist, sondern eine politisch verantwortliche Position zu vertreten hat.
Unglaublich welchen Blödsinn der "Arzt" verzapft. Ob der schon einmal direkten Kontakt mit einem Patienten hatte??
Monatelang hat er gewarnt vor AG Tests, jetzt sind sie sein Credo - besser er würde gleich einmal zurücktreten.

Marmorkuchen1649
1
1
Lesenswert?

@Gauster

Mit der Art und Weise einer vernünftigen Diskussionen sollte man sich vertraut machen, BEVOR man hier postet. Solche Pandemien treten nicht wöchentlich auf, selbst wissenschaftliche Erkenntnisse ändern sich im Laufe der Zeit.

CognacSiegi
30
18
Lesenswert?

Blödsinn der Arzt verzapft ....

Du hast wohl die Weisheit gepachtet - welche Qualifikation hast Du eigentlich, um solche Statements abzugeben ....... ?
Oder willst dich nur wichtigmachen

helmutmayr
4
15
Lesenswert?

Diese Diskussion ist

übrig. Die Tests wurden vom Heer bestellt und von den Gesundheisbehörden organisiert. Spilled milk.

rochuskobler
39
40
Lesenswert?

Testen, testen, testen, testen...

Das waren die Worte von Fr. Rendi beim 1.Lockdown. Jetzt wo flächenmäßig getestet wird, wir dies plötzlich in Frage gestellt. Kann sein, dass sich die Besserwisserin der Nation gar geirrt hat?

683ef4fffea09cee7bb03eb44338aa27
15
34
Lesenswert?

@rochuskobler, nein mein Bester, du hast dich geirrt.

Teste, testen, testen, damit war gemeint in die Cluster zu testen, dort zu testen, wo man Cluster vermutet, so wie es Wien gemacht hat. Da habt ihr geschimpft wie die Rohrspatzen und über Wien hergezogen, weil die Infektionszahlen anstiegen, aber auch die Testanzahl die höchste Österreichs war und wo stehen die jetzt? Jetzt lacht keiner mehr von Euch über Wien, wenn ihr die Zahlen von Ober- und Niederösterreich, Tirol und Stmk. seht. Das ist der große Unterschied. Ihr türkisen Parteianbeter und Euer Heiliger verstehen den Unterschied zw. Testen, dort wo es Sinn macht und Testen als Geldverschwendung nicht. Doppelt so viel für einen Test zu bezahlen als die Slowaken, das ist schon eine Spitzenleistung. 30 Millionen Mehrkosten und zahlen darf es dann der Bürger. Ihr seid an Unfähigkeit nicht zu überbieten und das einzige was ihr könnt ist Tatsachen zu verdrehen und andere zu beschuldigen.

Balrog206
5
2
Lesenswert?

Rot

Komisch dein Busenfreund Hacker sagt im Interview aber Bravo Bravo zu den Massentests ! Na was jetzt ?

683ef4fffea09cee7bb03eb44338aa27
0
3
Lesenswert?

@Balrog206, falsche Antwort! Meinen Komentar nicht gelesen?

Zeigst mir einen Satz, wo ich die Massentests als schlecht bezeichne?
Das könnte ich gar nicht, da es zu wenig Studien gibt.

Was kritisiere ich mit meinen Worten? Ich kopiere es dir nochmals herein. Vielleicht verstehst es beim zweiten Mal lesen.

Ihr türkisen Parteianbeter und Euer Heiliger verstehen den Unterschied zw. Testen, dort wo es Sinn macht und Testen als Geldverschwendung nicht. Doppelt so viel für einen Test zu bezahlen als die Slowaken, das ist schon eine Spitzenleistung. 30 Millionen Mehrkosten und zahlen darf es dann der Bürger.

Ich kritisiere nicht die Massentests an sich, aber alles "d'rumherum". Zu teuer, schlecht organisiert, keine arbeitsbereite Software und, und, und.

Alles klar jetzt? Bitte genauer lesen, dann ersparst dir sinnlose Kommentare.

Mein Graz
1
1
Lesenswert?

@Rot-Weiß-Rot

Der in Feuer gehüllte Dämon des Schreckens mit der Nummer 206 sieht möglicherweise seine einzige Aufgabe darin, sinnlose Kommentare von sich zu geben.
Ich ignoriere ihn seit Jahren, denn tatsächlich Sinnvolles ist von ihm kaum einmal gekommen.

683ef4fffea09cee7bb03eb44338aa27
1
1
Lesenswert?

@Mein Graz, 👍

!

96b440644093ddef62cd93bc3a77f284
11
24
Lesenswert?

@rochuskobler, sie verstehen den Unterschied nicht.

Zwischen "testen, testen, testen" und dem Sinn der dahinter steht und Massentests ist ein riesengroßer Unterschied und ihr Kommentar zielt nur darauf ab, andere Parteien oder Politikerinnen schlecht zu reden und von der Unfähigkeit der Regierung abzulenken.

Weltreisender
0
63
Lesenswert?

Zuerst

sollte sich die BH Graz Umgebung mit den aktuellen Fällen in Verbindung setzen. Wir warten seit 8 Tagen. Ein Familienmitglied war positiv. Seither ist für den Rest der Familie Funkstille angesagt.

umo10
16
13
Lesenswert?

Testen und Fragebogen

Es wäre wohl beides notwendig. Im Fragebogen muss stehen: werden sie sich an die (Spiel)-Regeln halten und keine Partys feiern, Abstand halten, mns tragen? Sollte diese Frage mit nein angekreuzt werden, muss er/sie auch in Quarantäne

Marmorkuchen1649
1
0
Lesenswert?

Welch sinnloser Beitrag.

Unglaublich....

KarlZoech
43
17
Lesenswert?

Diese Massentests können sehr sinnvoll sein, wenn bestimmte Randbedingungen eingehalten werden, sichergestellt sind.

Wie in der Slowakei muss gelten: Wer sich nicht testen lässt, der/die kommt in häusliche Quarantäne.
Und vor allem muss sichergestellt sein, dass - im Fall der positiv getesteten Personen - Kontaktverfolgung ("Contact tracing") durchführbar ist. Denn ohne Kontaktverfolgung kann nicht verhindert werden, dass binnen ein paar Tagendas Virus weiter verbreitet wird.

elloco1970
6
12
Lesenswert?

Genau.....

Welch Schwachsinn....freiwillig ist der Test und die Argumente im Artikrl machen eine Masdntestung zum Gespött der Leute

romagnolo
9
47
Lesenswert?

Dass der Ärztekammerpräsident dafür ist, ist verständlich,

als Laborbetreiber, wäre ich auch dafür. Ein einmaliger Massentest ist vollkommen sinnlos und diskreditiert wieder einmal eine durchaus sinnvolle Testmethode. Antigentests sind sehr spezifisch bei Symptomatischen und damit ideal für Risikogruppen( z.B. Gesundheitsberufe, sicherlich nicht Lehrer und Polizisten), um zwischen „normalem“ Infekt und SARSCoV2 zu unterscheiden. Genauso ist der PCR Test nur sinnvoll, wenn er den CT Wert mit kommuniziert und bei wirklich positiven Befund durch einen 2 Test bestätigt wird. Momentan produzieren wir nur einen Zahlensalat.

Marmorkuchen1649
1
0
Lesenswert?

Welch ein Unsinn...

Bei positivem Befund nach einem AG Test wird natürlich ein PCR Test gemacht, um eventuelle falsch positive Ergebnisse zu verhindern. Damit sollen ja gerade asymptomatische Fälle gefunden werden. Der CT Wert ist nur bedingt aussagekräftig, das sollte längst bekannt sein.