Kritik an TeststrategieCorona-Tests in fünf Regionen: "Es entsteht ein Zwei-Klassen-Tourismus"

Österreich will das sicherste Urlaubsland der Welt werden und alle Tourismusmitarbeiter auf Corona testen. Begonnen wird damit am Freitag in fünf Pilotregionen. Das sorgt für Unmut bei Betrieben außerhalb der ausgewählten Regionen.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
Tourismusministern Elisabeth Köstinger (ÖVP) hat sich dafür stark gemacht, dass Kärnten eine dieser Modellregionen wird
Tourismusministern Elisabeth Köstinger (ÖVP) hat sich dafür stark gemacht, dass Kärnten eine dieser Modellregionen wird © KK/Martin Steinthaler
 

„Jetzt gibt es also eine offizielle Tourismusempfehlung, wo man in Österreich sicher Urlaub machen kann“, sagt die Salzburger Hotelbesitzerin Tanja Schurmann. Am Freitag dürfen die Hotels in Österreich wieder öffnen, doch bei manchen Hoteliers überwiegt der Ärger. 

Das Tourismusministerium hat nämlich fünf Regionen fixiert, in denen schon ab Freitag alle Tourismusmitarbeiter flächendeckend auf das Coronavirus getestet werden: Das steirische Spielberg und der Wörthersee, das Montafon in Vorarlberg, die Region Wilder Kaiser in Tirol und die Wachau in Niederösterreich. Hier starten ab Freitag präventive Corona-Testungen für alle Mitarbeiter. Die Kosten zahlt der Bund. Bereits getestete Betriebe werden gekennzeichnet.

"Wir schauen durch die Finger"

Betriebe in Salzburg, Oberösterreich, Wien und im Burgenland werden in der ersten Phase nicht getestet. Tanja Schurmann, Inhaberin des Hotels Hahnbaum in St. Johann im Pongau sieht darin eine massive Benachteiligung: „Fünf Regionen werden dann als besonders sicher gekennzeichnet. Aber was ist mit dem Rest? Wir schauen durch die Finger“, sagt sie: „Zur Zeit haben es alle schwer. Aber durch die Bevorzugung einiger Regionen entsteht gerade ein Zwei-Klassen-Tourismus.“ Sie fürchtet, dass Touristen Vorsicht walten lassen und lieber in Regionen urlauben, in denen bereits getestet wird: "Das ist ein massiver Wettbewerbsnachteil." 

Ab Juli wird überall getestet

Im Tourismusministerium wird darauf hingewiesen, dass spätestens ab Anfang Juli alle Tourimusmitarbeiter in Österreich flächendeckend und regelmäßig getestet werden. Dann sollen jede Woche 65.000 Tests durchgeführt werden. Das ist Kern der Initiative „Sicherstes Urlaubsland der Welt“. Die Testphase in fünf ausgewählten Regionen sei notwendig, um die Testlogik für den Vollbetrieb zu testen.  

"Die Aktion zu starten ist ein großer logistischer Aufwand für alle", sagt Susanne Kraus-Winkler, Obfrau des Hotel-Fachverbandes bei der Wirtschaftskammer: "Es wäre unprofessionell, nicht vorab zu testen, was gut funktioniert, und wo nachjustiert werden muss." Da frühestens ab Mitte Juni Gäste aus dem Ausland nach Österreich einreisen dürfen, warnt sie auch davor, jetzt schon einen Wettbewerbsnachteil zu sehen.

Auch im Büro der zuständigen Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) wird auf die Notwendigkeit einer Testphase hingewiesen: "Ein Vollbetrieb für eine ganze Branche kann nicht innerhalb weniger Tage aufgebaut werden." Man müsse etwa erproben, wo und wie die Tests abgenommen werden und wie man die Geschwindigkeit bei den Testauswertungen erhöhen kann.

Kritikerien für Modellregionen

Die fünf Modellregionen wurden von der Wirtschaftskammer und der Unternehmensberatung McKinsey nach geografischen und wirtschaftlichen Kriterien ausgewählt. Die Anzahl der Regionen mit Testungen soll bis zum Vollbetrieb Anfang Juli schrittweise erhöht werden.

„Ich habe mich besonders dafür stark gemacht, dass Kärnten eine dieser Modellregionen wird“, sagt Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP). „Der Tourismus ist für mein Heimatbundesland ein unverzichtbarer Faktor. Mir ist wichtig, dass sich die Gäste in Kärnten nicht nur wohlfühlen, sondern auch ein Höchstmaß an Sicherheit bekommen." 

„Welche Regionen kommen als nächstes? Worauf müssen wir anderen uns einstellen? Das wurde nicht veröffentlicht,“ ärgert sich Tanja Schurmann in Salzburg. Sie will ihr Personal einstweilen auf eigene Kosten testen lassen, um keinen Wettbewerbsnachteil zu haben: „Das ist der nächste Stein, der uns Touristikern in dieser schwierigen Zeit auf den Weg gelegt wird. Einige werden darüber stolpern.“

Zwischen 0 Uhr und 6 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.

fliegenpilz123
0
9
Lesenswert?

Und mit der Sperrstunde

um 23 Uhr werden's auch keine Freud haben....

fliegenpilz123
13
7
Lesenswert?

MNS trägt sicher dazu bei

das wir nur mehr relativ wenige Ansteckungen haben.Aber ob die Touristen sich dann bei uns auch an diese Massnahme halten möchte ich bezweifeln.

samro
0
4
Lesenswert?

touristen

wir muessen uns auch an die regeln im ausland halten.
und in europa wird das mit dem mns ein thema bleiben also sehe ich da nicht das problem.

Apulio
13
12
Lesenswert?

Die Urlauber aus dem Ausland

werde in das sicherste Urlaubsland kommen und uns einheimischen Maskenträger begegnen. Wenn so sicher warum noch Masken????

tenke
1
3
Lesenswert?

So sicher

WEIL Masken!

bierglas
1
19
Lesenswert?

Tests

Dahinter verbirgt sich ein großes Risiko. Sollte in einem Gebiet nur ein Test positiv sein, dann gute Nacht in diesem Gebiet. Andere in der Tourismusbranche werden sich hüten derartige Versuche zu starten. Zur Erinnerung : Vor sehr langer Zeit wurde in Italien sowie bei uns Wein gepanscht. In Italien gab es etliche Tote. In Österreich zerfleischte man sich gegenseitig. Ergebnis unser Wein wurde bokottiert und in Italien wurde massenhaft weiterverkauft.

eston
8
23
Lesenswert?

Testungen sind nur Placebos

um Touristen zu beruhigen. Es geht im Prinzip jeder zunächst sein Risiko ein. Und die Reiserückkehrer sind dann entweder das Risiko für Daheimgebliebene oder wundern sich, wenn sie in 14tägiger Quarantäne landen.

viola68
4
21
Lesenswert?

Gesundheitssystem

Noch sind nicht einmal da alle getestet......

Miraculix11
1
15
Lesenswert?

Das wird auch bis in 2 Jahren nicht der Fall sein

Bis dahin alles zusperren?

Steinschlossblick
18
108
Lesenswert?

Irrfahrt

Jetzt haben sie nicht mal alle Seniorenheime noch getestet, dann reden sie schon von Tests in der Gastronomie?? Da kennt man sich nicht mehr aus? In unserem Seniorenheim wurde uns schon von 1 Monat versprochen das etwas passiert, aber wenn man halt Alt ist ist man leider nichts mehr wert!! Einfach nur traurig

Steinschlossblick
1
37
Lesenswert?

Immer nur versprechen und sonst nix!

Wissen Sie bei was ich mich getäuscht habe? Das in der Gastronomie Steuergeld zu holen ist und in die Seniorenheimen vertient der Vater Stadt leider nichts! Das hat mit Corona Schutzmaßnahmen nichts zu tun. Das ist die Generation denen wir alles verdanken können was wir heute haben! Aber die werden und das gesamte Pflegepersonal in solchen Zeiten vergessen!

derhannes
41
23
Lesenswert?

.... nichts mehr wert?

Bitte täuschen Sie sich nicht. Die bisherigen Maßnahmen zum Schutz gegen das Coronavirus hatten vor allem den Zweck ältere, kranke und immungeschwächte Menschen zu schützen. Ansonsten hätten sich viele die "Quarantänezeit" sparen können.