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Bioethik

Kommission rüttelt am Verbot der Sterbehilfe

Mitwirkung an Selbstmord soll in Ausnahmefällen möglich sein. ÖVP warnt vor "ethischem Dammbruch" und erinnert an Euthanasie-Vergangenheit. Auch Ärztekammer gegen Lockerung des Verbots.

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© APA/HELMUT FOHRINGER
 

Die Bioethikkommission hat ihre Empfehlungen zum Thema Sterbehilfe abgegeben. Die Mehrheit der Mitglieder regt eine Reform jenes Paragrafen im Strafgesetzbuch (StGB) an, der die Mitwirkung am Selbstmord verbietet. Individuelle Hilfe in Ausnahmefällen solle möglich sein. Auch "unverhältnismäßige medizinische Interventionen" sollten vermieden werden, hieß es am Donnerstag bei einer Pressekonferenz.

Die Bioethikkommission des Bundeskanzleramtes hat sich parallel mit der bereits abgeschlossenen parlamentarischen Enquete mit dem Thema Sterbehilfe beschäftigt. Besonders in einem Punkt ist man sich jetzt schon einig: "Wir sehen einen absolut dringenden Bedarf für die Stärkung der Palliativmedizin und der Hospizdienste", zitierte Kommissions-Vorsitzende Christiane Druml aus dem Abschlussbericht.

Was ist "angemessen"?

Ein heißeres Eisen ist der Paragraf 78 im StGB zum assistierten Suizid. Dieser sollte "überdacht werden" meinen zumindest 16 der 25 Mitglieder. Es erscheint laut Bericht "angebracht, für Angehörige und persönlich nahe stehende Personen eine Straflosigkeit vorzusehen, wenn sie einer an einer unheilbaren, zum Tode führenden Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung leidenden Person beim Suizid Hilfe leisten, sofern die Beweggründe der Hilfe auch für einen mit den rechtlich geschützten verbundenen Werten verbundenen Menschen verständlich ist".

Acht Mitglieder sehen eine solche mögliche Regelung in Ausnahmefällen allerdings problematisch und empfehlen keine Änderung im Strafrecht. "Die Frage ist, wie man angemessen damit umgeht", gab Mitglied Walter Schaupp zu bedenken. Assistierter Suizid sollte nicht zum Normalfall werden, findet der Theologe. Eine verfassungsrechtliche Verankerung des Sterbehilfeverbots, wie sie Teile der ÖVP fordern, empfiehlt die Bioethikkommission wenig überraschend nicht, wie deren Vorsitzende Druml berichtete. Auch für die "veraltete und nicht mehr ausreichend klare Terminologie" der "aktiven und passiven Sterbehilfe" empfiehlt die Kommission eine Aktualisierung.

Die ÖVP schäumt

Die ÖVP schäumt angesichts der Empfehlungen der Bioethikkommission zum Thema Sterbehilfe. Gesundheitssprecher Erwin Rasinger sieht in der empfohlenen Lockerung im Strafrecht einen "Irrweg" und warnt vor einem ethischen Dammbruch". Im Gespräch mit der APA stellte er einen Vergleich mit der NS-Zeit an: "Gerade Österreich mit seiner Euthanasie-Vergangenheit sollte da doppelt vorsichtig sein."

Rasinger sieht im Abschlussbericht der Kommission eine Kopie des niederländischen Modells, man gehe sogar noch weiter. Dass es Ausnahmefälle für nahestehende Personen geben soll, hält er für nicht zielführend, auch Angehörige hätten nicht immer ethische Motive. "Wenn man einmal die Tür aufmacht, selbst in bester Absicht, kriegt man sie nie wieder zu", befürchtet der ÖVP-Gesundheitssprecher. Auch der Druck auf ältere Menschen könnte mit den empfohlenen Änderungen steigen.

Die mehrheitliche Empfehlung der im Bundeskanzler angesiedelten Bioethikkommission ist für Rasinger der Beweis, dass es ein in der Verfassung festgeschriebenes Verbot der Sterbehilfe in Österreich braucht. Ein solches brauche lediglich Appellcharakter, wie es bei anderen Themen bereits der fall sei.

Auch die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) lehnt die von der Bioethikkommission empfohlene Lockerung des Verbotes des assistierten Selbstmords ab. Leben zu beenden widerspreche dem ärztlichen Berufsethos und dürfe nicht Bestandteil ärztlichen Handelns sein, verwies Präsident Artur Wechselberger am Donnerstag in einer Aussendung auf eine entsprechende Resolution der Ärzte.

Vielmehr sei es die Pflicht jedes Arztes, so Wechselberger weiter, Leben zu erhalten und Sterbende palliativmedizinisch zu begleiten. Dazu sei ein umfassender Ausbau der Palliativmedizin in Österreich dringend erforderlich.

Kommentare (7)

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vk333
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ich weiß nicht

aber ich denke, auch ein kranker und alter Mensch lebt gerne. Voraussetzung ist die liebevolle Zuwendung, am besten der Angehörigen.
Dann kann auch so ein Mensch glücklich sein, trotz Leiden, die aber mittlerweile mit der Schmerzmedizin sehr gut im Griff ist.
Ich will doch nicht verantwortlich sein am Tod eines Menschen, der ohnehin bald sterben wird.
Du sollst nicht töten!

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Wer es sich leisten kann

der darf im Ausland sich einen Trunk geben lassen. Wer keine Kohle hat, der darf Monate oder Jahre an seiner Krankheit leiden und notfalls wenn er sich kein Altersheim leisten kann, einsam und alleine verrecken. Das ist die Würde des Menschen, er ist das Eigentum von gesetzesmachern, die Bestimmen wann du sterben darfst. Andernfalls darfst du auch verhungern oder verdursten im Altersheim, falls du selbstständig nichts mehr in deinen eigenen Händen halten kannst und trinken, sowie ein Besteck in der Hand halten kannst. Das nennen sie Menschenwürdig krepieren. Ein Tier kann man einschläfern wenn es nur mehr Schmerzen hat, aber ein hilfloser alter Mensch kann nichts entscheiden, wie er und wann er sterben will. In welcher Welt leben wir denn, es ist zum kotzen.

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Da kann ich Dir nur recht geben..

der Hauptgrund dafür, dass dieses angeborene Menschenrecht noch nicht umgesetzt ist, sind nach wie vor die Religionen.Das Leben ist heilig und darf nicht vom Menschen beendet werden, sondern nur durch "GOTT" - dieser Schwachsinn macht mich oft so richtig wütend! Solange all diese Sekten etwas zu reden haben, wird man an der alten "Lösung" wohl weiterhin festhalten - LEIDER!

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joschi41
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Mehrheit

In der Kommission ging die Abstimmung zwar mehrheitlich für eine Änderung im Strafrecht aus, aber in der Bevölkerung sehe ich derzeit keine Mehrheitsfähigkeit. Daher bleibt vorerst alles wie es ist. Ich gehe aber davon aus, dass die nächste Generation (die heute 30 Jährigen) schon in den "Genuss" von Sterbehilfe kommen werden.

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Wenn schon eine künstliche Befruchtung und noch so manches ethische mehr erlaubt ist.sollte auch ein künstliches Sterben erlaubt sein.

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vk333
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hm

mein Kommentar war nett und höflich geschrieben, wo isser geblieben?

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Irgendeiner
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Naja,Rasinger könnte man

überzeugen wenn jeder beim Suizid Anzug und Krawatte tragen muß,aber das ist tatsächlich schwierig.Denn natürlich ists nicht sicherzustellen,daß Angehörige immer im Interesse des Betroffenen handeln,nicht nur aus dem Motiv des erbschleichenden Ahndlvergiftens heraus,sondern weils auch für die eine immense Belastung ist unter der der eine oder andere kippen könnte nur ums zu beenden.Andererseits ist Auslagern auch keine Lösung,sieht man bei Vormundschaftsfällen,wo einzelne Anwälte über 200 Klienten betreuen und für ihr "Wohl" sorgen,also weit über der Dunbar-Zahl liegen,der hat dann kein interesse,daß die Melkkuh den easy way out nimmt.Wie mans regeln soll vermag ich nicht zu sagen,fest steht,daß ich auf meinem Recht zu gehen bestehe wenns unerträglich schmerzhaft und hoffnungslos wird.Weil weitermachen dann nicht Mut ist sondern Idiotie.

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