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"Rote Linie überschritten"Klimaexperte zerpflückt Bierleins Klimaplan

Österreichs führender Klimaexperte Gottfried Kirchengast hält nichts vom Klimaplan der Übergangsregierung. Dieser müsste "komplett neu aufgesetzt" werden. Und zieht sich aus Protest aus dem Klimanetzwerk zurück.

Gottfried Kirchengast
Gottfried Kirchengast © Juergen Fuchs
 

Österreich ist unter den fünf EU-Schlusslichtern bei den Treibhausgas-Emittenten. 2019 werden vermutlich wieder über 80 Millionen Tonnen an Treibhausgasen in die Luft geblasen. Die aktuelle Vorlage des nationalen Klimaplans (NKEP) aus dem Kabinett von Übergangskanzlerin Birgit Bierlein sollte Österreich eigentlich zurück auf die "Klimaspur" bringen und eine CO2-Reduktion gegenüber 2005 um 36 Prozent bis 2030 ermöglichen. Das wird sich laut Wissenschaft- und Umweltschutz-NGOs bei weitem nicht ausgehen. Sie sprechen von einer "Klimaschutzlähmung". Österreich drohen bis zu 8,7 Milliarden Euro Strafzahlungen bei Nichterreichen der Ziele.

"Eine rote Linie der politischen Verantwortung ist überschritten worden," sagte der Klimaexperte Gottfried Kirchengast von der Uni Graz. "Der aktuelle Klimaplan ist so schwach ausgelegt, dass er nicht mal in die Nähe kommt, um die selbstgesetzten Klimaziele zu erreichen."  Selbst wenn die nächste Regierung alle Optionen und die Hetereogenität darin ausnütze, reiche er nicht aus. Der Plan "krankt" am Fehlen von Rahmenzielsetzungen. "Von zwölf notwendigen Brettern für diese Brücke sehe ich nur ein bis zwei Bretter, d.h. die neue Regierung müsste die gesamte Brücke noch selbst zimmern", sagte Kirchengast gegenüber der Kleinen Zeitung. Das jetzige Gerüst kann nur der Anfang eines erfolgsfähigen Plan sein. Die neue Regierung müsse ihn "komplett neu aufsetzen".

Nationaler Klimaplan muss "neu aufgesetzt" werden

Bisher hätten alle Bundesregierungen es verabsäumt, einen erfolgreichen Klimaschutzplan aufzustellen, obwohl Kirchengast und sein Team mit dem erarbeiteten Referenz-NEKP fundierte Vorschläge und Maßnahmen gelegt hätten. "Wir sind darauf angewiesen, dass die Frau Bundeskanzler noch Leaderschip an den Tag legt, um Verbesserungen zu nutzen." Kirchengast forderte die Politik auf - auch die türkis-grünen Koalitionsverhandler, "Nägel mit Köpfen" zu machen. "Der nationale Klimaplan braucht wirklich eine grundlegende Reform."

Kirchengast begrüße eine CO2-Bepreisung gegenüber einem Ausbau des klassischen Emissionshandels (wie im deutschen Modell). Für eine kleine Volkswirtschaft wie Österreich hätte eine CO2-Bepreisung eine stimulierende Wirkung auf die Wirtschaft und eine bessere Lenkungswirkung, sagte Kirchengast. Egal ob bei einem Preismodell oder Emissionshandelsmodell: ein Preis von mindestens 50 Euro pro Tonne CO2 wäre ein Minimum, um Lenkungseffekte zu erzielen.

Kirchengast hofft jetzt auf die Von der Leyen-Kommission, die im europäischen Kontext eine 50 Prozent CO2-Reduktion bis 2030 anstreben will. Diese schärferen Klimaziele müssten dann auch national tiefgreifend nachgebessert werden. 

Kirchengast zieht sich zurück

Für den Klimaexperten Kirchengast  sei jetzt  "alles gesagt". Das zentrale Ziel den nationalen Klimaplan bis Ende 2019 zu verbessern sei grundsätzlich vom Klimaforschungsnetzwerk "Climate Change Centre Austria" (CCCA) verfehlt worden, "obwohl wir alles gesagt haben." Damit verkündete er auch seinen Rückzug aus der aktiven Öffentlichkeitsarbeit rund um CCCA, bis die EU-Kommission die 50% Reduktion bis 2030 beschlossen hat oder die neue Regierung den Klimaplan neu aufgestellt hat.  Kirchengast sei bis dahin nur mehr für Anfragen "freitags, fünf nach zwölf" zu erreichen.

Kommentare (14)

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duerni
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Der Klimaexperte zieht sich zurück - das wundert mich nicht ........

...... denn nicht Experten haben das sagen sondern Poltiker/innen.
DAS ist der Fehler.
Politiker sind keine Experten und hoffnungslos überfordert - und das nicht nur beim Schutz des Klimas. Diese Wichtigtuer/innen beschäftigen derzeit mit der Bildung einer neuen Koalition
- 700 (siebenhundert!) - Personen. Das zahlen sie und ich!
Wir haben das falsche System - ja, wir müssen wählen - aber NUR das Parlament - das Auswählen der Zusammensetzung der Regierung , also Jener welche die Möglichkeiten zur Problemlösung - u.a. unseres Klimaproblems - ausarbeiten, übernimmt unser Bundespräsident. Indem er die Stellen (Minister) öffentlich ausschreibt. Diese müssen dann frei von Parteibindungen sein.
Und unsere Politiker/innen sind endlich auf das reduziert, was sie sollen - nämlich aus durchdachten Lösungsmöglichkeiten - demokratisch - eine auswählen. Dies entspricht dann dem Wählerwillen - aber ist DURCHDACHT!
Wetten - das klappt!

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hagenau
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gewaltritt

dass der aktuelle plan völlig unzureichend und zum vergessen ist, steht fest - ein totes pferd kannst du nicht reiten. aber: die pferde soll man auch nicht mitten im fluss wechseln. soll heissen: das kabinett bierlein ist nur ein übergangskabinett, österreich auf klima-kurs zu bringen, aber angesichts des riesigen rückstands ein gewaltritt. den wird die künftige regierung zu leisten haben. bierlein und kogler wissen das. ob kurz das begreift, werden wir sehen. nach verspielten jahrzehnten wollen wir die paar wochen gerne zugestehn, wenn´s der sache dient, oder?

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huckg
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Es geht um die Sache !

Und wieder der gleiche Fehler: "Wir reden nicht über die Sache!"
Es geht nicht um Herrn Kirchengast, den ich als Experten sehr schätze, es geht nicht um eine Schiffsreise von Frau Greta Thunberg in die USA oder ihre Reden vor der UNO. Es geht nicht um Herrn Kurz und Herrn Kogler, um Türkis oder Grün.
Es geht darum den Klimakollaps zu vermeiden, der immer schneller auf uns zukommt. Es geht darum unsere Umwelt zu schützen und Regeln aufzustellen, die Menschen, welche nicht bereit sind mitzuziehen, eben dazu zwingt.
Es müssen sofort Maßnahmen gesetzt werden, nicht 2025 oder 2030 sondern Heute. Es müssen Verbote kommen die Umweltverschmutzung und Klimazerstörung unter Strafe stellen und zwar sowohl in der Industrie, im Verkehr, beim Wohnen, bei der Nahrung und überall wo es nötig ist. Und diese Maßnahmen gehören auch kontrolliert. Es muss in unsere Köpfe, dass wir keinen Plan(eten) "B" haben.
Wir werden uns darauf einstellen, früher oder später, nur später wird eine Umstellung umso schlimmer und teurer.
Die Klimakatastrophe kommt: das ist Fakt, ob wir es unseren Kindern überlassen oder selbst einen Teil dazu beitragen diese abzumindern steht an der Kippe. Unterstützt die Wissenschaftler die uns vor den Folgen warnen und zwingt die Politik zum handeln!

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brosinor
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bin vollkommen bei Ihnen!

Aber gehen Sie einmal in einen Spar-Markt und überzeugen Sie sich: Verschwendung bis zum Gehtnichtmehr, Plastikverpackung überundüberall, Nahrungsmüll sonder Zahl, sinnloser Produktmüll den niemand braucht.....und: die Leute kaufen das alles ohne mit der Wimper zu zucken.
Es ist die unermessliche Dummheit die jeden Klimagedanken verhindert und Sie werden diese erschreckende Dummheit nie und nimmer in den Griff bekommen, nicht durch Verbote, nicht durch Gesetze.
Es ist längst zu spät. No way out!

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schteirischprovessa
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Hast recht, wollte bei Spar die Teigwaren in dem

Papierbeutel kaufen, die ich sonst beim Merkur kauf. Gibt's dort nicht, nur jene im Plastik. Aber allgemein ist es bei allen Supermärkten ähnlich.

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Trieblhe
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Kleiner Tipp:

Teigwaren selber machen, schmeckt um Ecken besser und ist besser für die Umwelt (regionale Zutaten vom Bauernmarkt verwenden).

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Planck
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Naja, ich kenne den Klimaplan nicht im Detail,

deswegen kann ich in der Sache im Moment nichts sagen.
ABER: Sich als Experte in entscheidenden Momenten auszublenden, ist entweder moralische Erpressung oder einfach nur kindisch, in beiden Fällen jedoch zutiefst verwerflich.
Wir brauchen den Diskurs, wir brauchen jeden, der dazu beitragen kann, wir brauchen den Dissens, bis sich die Vernunft Atemluft verschafft.
Was wir nicht brauchen, sind beleidigte Leberwürschte.
Niemand braucht die, in keiner Wissenschaft.

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heku49
6
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Der Experte hat alles gesagt....

Die Politik ist seit Jahren am Zug....und jetzt erst recht....

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Planck
4
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Sie haben meine Botschaft nicht verstanden.

Dann soll er's nochmal sagen.
Auf Ihrer Ebene kann ich ein Gespräch sofort abbrechen, wenn offensichtlich ist, dass keine Verständigung zustandekommt. Weil es egal ist.
Im akademischen Diskurs ist das etwas anderes, hier haben wir es mit Entscheidungsfindungsprozessen durch Entscheidungsträger zu tun.
Da hat man seine These zu verteidigen, bis man Gehör findet oder falsifiziert ist.
Etwas anderes ist unredlich, sowohl intellektuell als auch moralisch.

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100Hallo
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klima

wiso wird keine Expertise von EIKE hizugezogen?

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che1
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Eike

Das ist leicht zu beantworten.
Es geht hier um Problematik and die man durch fake News und bezahlte Lobbyisten der Ölindustrie nicht lösen kann....

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Mein Graz
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@100Hallo

Und wieso fragen die Zuständigen nicht gleich bei der AfD?

ROFL

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100Hallo
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Klimawandel

Aber das ein Gore pro Monat 75Millionen Gewinn auf Kosten der Arbeitenden Bevölkerung verdient stört Sie scheinbar nicht?????

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Planck
6
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Ja genau.

Oder eine von den Flacherdlern, oder Hohlweltern *lol*

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