Außenminister SchallenbergDie Deutschen sollen nicht mit dem Finger auf Österreich zeigen

Berlin schieße mit Schließung der Grenze zu Tirol völlig über das Ziel hinaus. Schuldzuweisungen brächten nichts, sagt Außenminister Alexander Schallenberg.

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Außenminister Alexander Schallenberg kritisiert die von Berlin verfügten Grenzschließungen zu Tirol scharf
Außenminister Alexander Schallenberg kritisiert die von Berlin verfügten Grenzschließungen zu Tirol scharf © (c) Juergen Fuchs (FUCHS Juergen)
 

Sie entrüsten sich über die Grenzschließungen zu Tirol. Was ist verwerflich daran, dass Deutschland und Italien sich gegen mutierte Viren schützen?
ALEXANDER SCHALLENBERG: Es ist völlig legitim, dass Staaten Maßnahmen ergreifen, um die Bevölkerung zu schützen. Das tun wir auch. Hier hat man aber das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Deutschland ist der einzige Staat in Europa, der bei Gütertransporten von Frächtern Tests verlangt. Wir hatten zunächst sogar das Problem, dass der Transit von Tirol nach Salzburg über das Deutsche Eck komplett unterbunden war. Bis jetzt wissen die Tiroler Pendler nicht, ob sie zu ihrem Arbeitsplatz in Deutschland können. Da ist es nur gerechtfertigt, dass Österreich klar Position bezieht.

Österreich schließt ganz selbstverständlich die Grenzen zu Tschechien. Aber wenn Deutschland dasselbe in Tirol macht, heulen alle auf. Ist das nicht scheinheilig?
Wir haben die kleineren Grenzübergänge geschlossen, die großen bleiben natürlich offen. Das liegt in der Natur der Sache, da vermehrt kontrolliert wird. Allerdings haben wir das sowohl im Interesse unserer Nachbarn als auch in unserem eigenen stets so gehandhabt, dass der Güter- und Pendlerverkehr nicht zum Erliegen kommt. Nur, was da Ende letzter Woche an Ankündigungen aus Deutschland gekommen ist, geht doch weit über das Ziel hinaus. Da bestand tatsächlich die Gefahr, dass Tirol zum Lkw-Parkplatz Europas wird.

Vor einer Woche wollte die Bundesregierung Tirol immerhin selbst abriegeln. Schon vergessen?
Wir haben vereinbart, dass man einen negativen Test braucht, wenn man Tirol verlässt. Aber es stand nie im Raum, dass wir eine Mauer um Tirol herumbauen. Das wäre wirtschaftspolitisch und menschlich völlig falsch. Das haben wir auch in Europa in den letzten zwölf Monaten nicht getan. In Paris macht sich aufgrund der deutschen Maßnahmen Nervosität bemerkbar. Man will solche Überraschungen nicht an der deutsch-französischen Grenze haben. Luxemburg hat sich auch besorgt gezeigt. Und die EU-Kommission hat Deutschland aufgefordert, von pauschalen Reiseverboten Abstand zu nehmen, was zu einer unwirschen Reaktion Berlins geführt hat.

Ist Tirol jetzt ein Gefahrenherd, für Europa, oder ist es das nicht?
Tirol hat momentan die höchste Zahl an nachgewiesenen Fällen der südafrikanischen Mutation. Gleichzeitig ist es das Bundesland mit den niedrigsten Inzidenzen. Aber unsere gesamte Exitstrategie aus dieser Pandemie beruht auf den Impfungen. Wenn es also eine Mutation gibt, die das zu unterlaufen droht, ist Feuer am Dach. Daher hat die Bundesregierung gemeinsam mit der Tiroler Landesregierung einen sehr schmerzhaften Schritt gesetzt. Das muss man anerkennen. Das wird auch von den Deutschen anerkannt. Aber das darf Dritten nicht als Entschuldigung dafür dienen, jetzt über das Ziel hinauszuschießen.

Was irritiert Sie am meisten?
Dass die deutschen Maßnahmen praxis- und weltfremd sind. Wir reden immerhin von einer der ganz wesentlichen, wenn nicht der wesentlichsten Wirtschaftsarterie des gesamten europäischen Binnenmarktes. Hier so über das Ziel hinauszuschießen ist fahrlässig.

Wie erklären Sie sich das?
Das müssen Sie die deutsche Bundesregierung fragen. Wir standen im vorigen März mit den Exportbeschränkungen schon einmal vor dieser Situation, wo von der EU-Kommission bis zu den Nachbarstaaten alle aufgetreten sind und Deutschland letztlich ein Einsehen hatte.

Es ist bemerkenswert, dass man in Bayern immer wieder diesen Namen verwendet, so als würde man hier ein Rebranding versuchen. Aber das ist nicht zutreffend.

Schallenberg

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sagt, er wolle ein zweites Ischgl um jeden Preis verhindern. Kann man ihm das verargen?
Es ist bemerkenswert, dass man in Bayern immer wieder diesen Namen verwendet, so als würde man hier ein Rebranding versuchen. Aber das ist nicht zutreffend. Deutschland ist wie alle EU-Staaten Teil des europäischen Binnenmarktes, und es hat sich wiederholt zu den Empfehlungen auf europäischer Ebene verpflichtet, die darauf hinauslaufen, dass man die Wirtschaft nicht mutwillig abwürgt.

In der EU mit dem Finger aufeinander zu zeigen, das bringt nichts. Das tun wir nicht, das ist nicht unsere Art. Es wäre fein, wenn auch unsere deutschen Nachbarn das unterließen.

Schallenberg

Hat Ischgl das Vertrauen in Österreich nachhaltig ruiniert?
Das sehe ich überhaupt nicht. Wo Fehler begangen wurden, muss man daraus lernen. Aber alle Staaten dieser Erde waren letztes Jahr mit herausfordernden Situationen konfrontiert. Österreich hat bei der ersten Welle sehr gut reagiert. Wir waren eines der Länder, das am ungeschorensten blieb. In der EU mit dem Finger aufeinander zu zeigen, das bringt nichts. Das tun wir nicht, das ist nicht unsere Art. Es wäre fein, wenn auch unsere deutschen Nachbarn das unterließen.

Kommentare (16)
Lodengrün
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WIR

sollten uns zunächst einmal die Hoteliers die in Südafrika waren und auf die Quarantäne „pfiffen“ zur Brust nehmen bevor wir unsere Nachbarn attackieren. Nehammmer ruft Seehofer an, Schallenberg richtet der deutschen Regierung „Freundlichkeiten“ aus, was passiert? Sie verlängern auf 3.März. Da sieht man was unser Herr Kurz der permanent mit Frau Merkel korrespondiert noch bewegt. Nun, wie wir gestern erfahren könnten beginnt man mit der Impfung der über 100 Jährigen. Wann verkündete der Kanzler die Wende?

rebuh
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Sollte sich auch schon bis zu ihnen durchgesprochen haben

Die Hoteliers warens nicht! Aber das scheint die gleich Märchen zu werden wie die Eu und die Gurken .

Lodengrün
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Dann klären Sie verehrter @rebuh

mich auf. Ich kenne nur die Geschichte mit Hillinger, Leonhard Stock mit Freunden und dem Privatjet nach Südafrika. Hillinger kam fix und fertig retour. Ich habe über die Reise eine detaillierte Schilderung, auf die von Ihnen warte ich jetzt.

mariopucher@gmail.com
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....mir fällt da gerade...

...die Kellnerin ein,die gegen Ischgl schimpft wie ein Rohrspatz,dort richtig gutes Geld verdient hat und klagen will oder wollte,nebenbei in der „ Ischgljacke“....usw.
Ischgl oder Tirol hat den Virus net erfunden und auch nicht absichtlich verbreitet....Pech gehabt zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort... net mehr oder weniger....

helmutmayr
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Kurz Gedächtnishilfe:

Das Virus kommt mit dem Auto !!!

mbsoft
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Tirol ist ein Transitland

Auf diese Unbegründete dumme Maßnahme sollte Tirol reagieren und den Transit beschränken.
Ich bin im Gegensatz zum Herrn Söder überzeugt, dass in Bayern mindestens so viele Südafrika Mutationen unterwegs sind wie in Tirol. Also ist das alles Unsinn. Außerdem glaube ich, dass es langsam Zeit wird, dass wir mit diesem Virus zu leben lernen. Ich denke nicht, dass all diese Lockdowns den Effekt erzielen den wir uns wünschen, weil das Virus nicht verschwinden wird!

erstdenkendannsprechen
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NIEMAND glaubt daran, dass das virus "verschwinden" wird -

dazu ist kein lockdown gedacht.
die lockdowns sind "leben lernen" mit dem virus.

mbsoft
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6 Monate Lockdown

Wenn Sie mir erklären wollen, dass Lockdowns das Leben mit dem Virus bedeuten, dann möchte ich wissen warum die Zahlen nach so langer Zeit noch immer nicht genug nach unten gehen wollen. Aber ich bin lernfähig, wenn man es mir glaubhaft erklärt.

eston
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Die Vorgaben des Lockdown

werden nicht eingehalten. Deshalb sinken die Zahlen nicht.

himmel17
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Schallenberg aalglatt

Schall und Rauch. Vielleicht freut sich noch irgendwer über den hochbezahlten Landesverteidigungsaußenminister.

SoundofThunder
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😉

Genau! Mit dem Finger zeigen nur wir!

Balrog206
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Und

Nur Ö Politiker fahren ins Ausland um die eigenen Leute schlecht zu reden !!!! 😉

frogschi
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Also das eigene Land darf ein Bundesmitglied ausgrenzen,

doch wenn dies ein fremdes Land macht, dann ist es verwunderlich. Man könnte doch fast sagen "Hut ab Herr Kurz, Söder folgt Ihren Spuren". Das hätte ich mir nie erwartet. Man könnte natürlich auch sagen "Herr Kurz, Sie haben diesem Land den nächsten Bärendienst erwiesen". Mag jeder für sich entscheiden, was eher zutrifft. Traurig sind beide Versionen.

romagnolo
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Hier spielt sich ein Polittheater von einigen Provinzkasperln ab

und Europa sitzt im Parkett.

RonaldMessics
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Und was tut...

...Herr Platter (LH Tirol). Beginne wir lächerliche Aussagen und Politik zu machen???

voit60
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wie war das im Sommer mit Kroatien

Herr Schallenberg?