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75. JahrestagTrump vor D-Day-Gedenken: Der Westen zeigt tiefe Risse

Zum 75. Jahrestag der alliierten Landung in der Normandie präsentieren sich die westlichen Verbündeten zerstritten wie selten zuvor.

Trump bei der Queen
Trump bei der Queen © (c) APA/AFP/POOL/VICTORIA JONES (VICTORIA JONES)
 

Flottenparade, Überflug von Kampfflugzeugen und viele Soldaten - die Militärfeier im südenglischen Portsmouth zum 75. Jahrestag des D-Days dürfte Donald Trump gefallen. Der US-Präsident macht aus seiner Vorliebe für Uniformen und schweres Gerät keinen Hehl und wird am Mittwoch bei der Zeremonie in der Hafenmetropole an der Seite von Queen Elizabeth II. im Mittelpunkt des Interesses stehen.

Das "größte britische Militärspektakel der jüngeren Geschichte" kündigte London ganz unbescheiden an - schließlich landeten die alliierten Truppen vor einem Dreiviertel-Jahrhundert in der Normandie auf der anderen Seite des Ärmelkanals. Doch über der sicherlich farbenprächtigen Schau in Portsmouth wird ein Schatten liegen. Denn die westlichen Verbündeten präsentieren sich zerstritten. An der Bewahrung der Nachkriegsordnung und internationaler Bündnisse scheint dem unberechenbaren US-Präsidenten wenig zu liegen. Immer wieder säte Trump Zweifel an dem Verteidigungsbündnis NATO und schloss selbst einen US-Austritt nicht aus, sollten die Partner ihre Verteidigungsausgaben nicht nach oben schrauben.

Schelte in Richtung Berlin

Eine Botschaft, die vor allem an Deutschland und seine Bundeskanzlerin Angela Merkel gerichtet war. Auch die CDU-Politikerin, die in Berlin um den Bestand der Großen Koalition kämpfen muss, wird in Südengland erwartet.

Gastgeber Großbritannien, dessen Kriegspremier Winston Churchill einst die Formel von der "besonderen Beziehung" ("Special Relationship") mit den USA prägte, zeigt sich am symbolträchtigen Jubiläumstag geschwächt. Nachdem Premierministerin Theresa May drei Mal mit ihrem Brexit-Abkommen im Parlament gescheitert ist, will sie in Kürze zurücktreten. Die Teilnahme an der Parade ist wohl ihr letzter großer öffentlicher Auftritt. Für Freitag hat sie bereits angekündigt, ihr Amt als konservative Parteichefin abzugeben.

Macron will Trump mehrfach sehen

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will Trump gleich mehrere Male sehen: einmal in Portsmouth und dann am Donnerstag, dem eigentlichen D-Day, bei einer Gedenkfeier auf dem US-Militärfriedhof in Colleville-sur-Mer in der Normandie. 12.000 Menschen werden dort erwartet. Danach wird es noch Treffen der beiden Staatschefs in der Hafenstadt Caen geben. Hofft Macron, dessen Image durch monatelange Dauerproteste der "Gelbwesten" angekratzt wurde, vielleicht auf ein "Special Relationship" mit dem Gast aus dem Weißen Haus?

Vor dem Jubiläumstag wird in der Pariser Machtzentrale Élyséepalast auf jeden Fall das Verbindende und Versöhnende betont. Der D-Day sei ein Moment, um daran zu erinnern, dass die USA ein beständiger Freund Frankreichs seien, hieß es. Die Vereinigten Staaten hätten dazu beigetragen, dass Frankreich 1944 von der Nazi-Diktatur befreit worden und danach unabhängig geblieben sei.

Auch wenn die Franzosen immer wieder betonen, wie wichtig die Zusammenarbeit mit den US-Amerikanern im Kampf gegen den internationalen Terrorismus sei, werden in Paris Meinungsunterschiede unverhohlen benannt. So hält Macron an dem internationalen Atomdeal mit dem Iran fest, aus dem die USA ausgestiegen waren. Auch der Rückzug der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen wird von Macron offen kritisiert.

Protest erwartet

Ob es am Militärfriedhof unweit des US-Landungsbereichs Omaha Beach Proteste geben wird, bleibt abzuwarten. "Alles ist möglich", sagte der Bürgermeister von Colleville-sur-Mer, Patrick Thomines. Aber bisher habe es vor den Pforten des Friedhofs mit 9380 Soldatengräbern keine Demonstrationen gegeben. "Es gibt eine sehr starke Symbolik. Ich denke, dass die Demonstranten wissen, dass es Tage gibt, gewisse Dinge nicht zu tun", sagte der Lokalpolitiker der Deutschen Presse-Agentur. Er erinnerte daran, dass Weltkriegsveteranen lange Reisen auf sich nähmen, um die Orte der Schlachten wiederzusehen.

Das Rathaus der Gemeinde mit 190 Einwohnern ist für den D-Day festlich geschmückt. Die Straßen werden am Jubiläumstag von 6.00 Uhr morgens an gesperrt sein. "Alle sind es gewohnt. Wir haben das alle fünf Jahre."

2014 spielte sich die Hauptfeier zum D-Day in der Normandie ab. Macrons Vorgänger François Hollande war Gastgeber. Eingeladen war auch dessen russischer Amtskollege Wladimir Putin, der dieses Mal fehlt. Es gab damals Hoffnung, etwas im Ukraine-Konflikt zu bewegen. Das sogenannte Normandie-Format mit Russland, der Ukraine, Frankreich und Deutschland wurde geboren - eine entscheidende Wende brachte die Vermittlung bisher aber nicht.

Massenhaftes Interesse an den Feiern

Zehntausende Menschen werden nun an die früheren Kriegsschauplätze kommen. Mehr als 150.000 Soldaten gingen damals an Land, Tausende fielen oder wurden verwundet. "Es ist eine Schlacht, die entscheidend war für den weiteren Verlauf des Krieges", resümierte der Vizedirektor des Deutschen Historischen Instituts in Paris, Stefan Martens. Die Alliierten hätten zwar Rückschläge hinnehmen müssen, die Gesamtstrategie sei aber aufgegangen. "Auf deutscher Seite gab es eine völlige Fehleinschätzung der eigenen Stärke". Es habe zudem eine einheitliche Führung gefehlt.

Der Historiker zieht es übrigens vor, von einer "Landung" zu sprechen und nicht von einer "Invasion" - denn mit diesem Ausdruck könne man sich - gewollt oder ungewollt - auf die Seite der Verteidiger stellen.

Kommentare (2)

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SoundofThunder
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0
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Und mein Arzt sagt ich muss abnehmen.

Gegen den Trump bin ich schlank wie eine Gazelle!!

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paulrandig
2
2
Lesenswert?

Interessantes Terminologieproblem:

Warum war die Landung am D-Day KEINE Invasion? Fremde Kräfte drangen gewaltsam in ein Gebiet ein, das nicht von ihnen verwaltet wurde - ungeachtet der zweifelhaften Legitimation der Verwaltung durch eine Besatzungsmacht.
Dass nach der erfolgreichen Invasion und der Eroberung der militärischen Herrschaft dieses Gebiet zur souveränen Verwaltung an die ursprünglichen Bewohner zurückgegeben wurde, ändert nichts an der Methode der Invasion.

Auch in der Medizin greifen Ärzte "invasiv" in einen Körper ein um etwa etwas Fremdes oder Fehlerhaftes daraus zu entfernen und den Körper dann wieder - eventuell mit medikamentöser Unterstützung - in seine souveräne Selbstverwaltung zu entlassen.

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