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„Wir sind die neue Flex“ Polizei befragt Infizierte, das ruft Kritiker auf den Plan

Innenminister Karl Nehammer sprach von der Polizei als "Flex, die die Infektionskette durchtrennen" soll und von der Löschung von "Glutnestern der Infektion". Das rief SPÖ und FPÖ als Kritiker auf den Plan, die die Eruierung der Kontakte von Infizierten lieber in der Hand von Zivildienern oder Ärzten sähen.

CORONAVIRUS: WIEN - KONTROLLMASSNAHMEN DER POLIZEI AM DONAUKANAL
Polizisten sollen Infizierte telefonisch oder in Schutzkleidung persönlich nach ihren Kontakten befragen © APA/HANS KLAUS TECHT
 

Schneller werden wollen die Behörden beim sogenannten "Kontaktpersonen-Management". Binnen 24 Stunden soll künftig erarbeitet werden, welche Kontakte eine neu mit dem Corona-Virus infizierte Person hatte. Die Befragungen sollen von Polizisten durchgeführt werden, von Befragungsspezialisten des Landeskriminalamtes, betonte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP). "Wir sind der Sicherungshebel, der umgelegt wird, um neue Infektionsketten rasch zu durchbrechen."

Nehammer betonte, dass die Daten bei den Gesundheitsbehörden bleiben. Aber: "Jetzt zählt die Geschwindigkeit." Man agiere dabei immer im Auftrag der Gesundheitsbehörden und nehme den Kontakt mit der infizierten Person auf, um Kontakte und Wege zu ermitteln. Es müsse dafür auch noch eine entsprechende Rechtsgrundlage geschaffen werden.

Gesundheitsminister Rudi Anschober (Grüne) ergänzte, jede Landessanitätsdirektion werde für sich entscheiden, ob dieses Angebot der Polizei angeboten werde.

Die Kontaktaufnahme soll primär telefonisch erfolgen. Sollte das nicht möglich sein, dann werden Beamte mit Schutzausrüstung die Befragungen durchführen, sagte Nehammer. Die Befragung der erkrankten Person erfolgt standardisiert und strukturiert mit einem Fragebogen der Gesundheitsbehörden. Die Fragen beziehen sich vor allem auf mögliche Kontaktpersonen bzw. Personen, die unter Umständen infiziert worden sind.

Positive Anwendungen von diesem "Contact Tracing" habe es bereits in Oberösterreich und der Steiermark gegeben, wo über Ersuchen der Gesundheitsbehörden mehrere hundert Personen befragt wurden, sagte Nehammer. So seien beispielsweise in Oberösterreich mehr als 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines Unternehmens sowie in der Steiermark Patientinnen und Patienten einer praktischen Ärztin kontaktiert worden.

"Glutnester" und "Flex"

Scharfe Kritik übt der stellvertretende SPÖ-Klubchef Jörg Leichtfried an der Wortwahl des Innenministers in seiner heutigen Pressekonferenz mit dem Gesundheitsminister. Ein Innenminister sollte wissen, was er sagt. „Es ist Sache der Gesundheitsbehörde, Corona-Infizierte zu identifizieren, keinesfalls jedoch der Sicherheitsbehörde“, so Leichtfried. Aussagen wie „die Polizei wird Corona-Infizierte aufspüren“ und „Die Glutnester der Infektionen müssen rasch lokalisiert und gezielt gelöscht werden“ sind absolut abzulehnen.

Niemand, der mit Corona infiziert wurde, wann, wie auch immer, hat sich etwas zu Schulden kommen lassen. Infizierte Ärzte, Krankenschwestern, Pfleger oder Insassen von BewohnerInnen in Pensionistenheimen „als Glutnester, die gezielt gelöscht werden müssen“ zu bezeichnen, sei mehr als inakzeptabel. „Politprofi Nehammer sollte wissen, was derartige Aussagen bewirken. Noch dazu, wenn er seine Behörde, die Polizei „als Flex der Gesundheitsbehörde“ bezeichne“, so Leichtfried.

"Infizierte sind keine Kriminellen"

Auch FPÖ-Klubobmann Herbert Kickl ist skeptisch: „Infizierte sind keine Kriminellen. ÖVP-Innenminister Nehammer geht aber offenbar davon aus, dass alle Österreicher bei ihren Gesundheitsangaben lügen und deshalb von Verhörspezialisten zu befragen seien.“ 

Mögliche Infektionsketten zu lokalisieren und diese zu durchbrechen, sei legitim und richtig. Warum die Gesundheitsbehörden – angesichts der positiven Entwicklung bei den Infizierten-Zahlen und der großen Disziplin der Bevölkerung – jetzt plötzlich Kriminalbeamte brauchen sollten, um mit dem Coronavirus infizierte Personen zu befragen, sei sachlich nicht begründbar. „Offensichtlich setzen Kurz, Nehammer und Co. weiterhin auf eine Politik der Panikmache und Verunsicherung“, so Kickl.

Denn natürlich mache es für einen Bürger einen Unterschied, ob jemand von einer Gesundheitsbehörde anruft oder ein Polizist, noch dazu einer, der auf Verhörtechniken geschult ist. Das erzeuge unnötige Panik und komme einer Kriminalisierung gleich. Der FPÖ-Klubobmann schlug daher vor, für diese Aufgabe, wenn die Gesundheitsbehörden personell tatsächlich überfordert sein sollten, Zivildiener einzusetzen. Die Befragung der erkrankten Person erfolge laut Regierung ja ohnehin standardisiert mit einem Fragebogen der Gesundheitsbehörden.

Zivildiener oder Hausärzte

Auch SPÖ-Gesundheitssprecher Philip Kucher übt Kritik am am Vorstoß des Innenministers, dass auch Polizisten „Contact Tracing“ machen sollen: „Die Polizei hat Sicherheitsaufgaben wahrzunehmen, es ist nicht ihre Aufgabe, Contact Tracing zu machen." Wenn die Gesundheitsbehörden hier Unterstützung benötigten, könnte das von den HausärztInnen gemacht werden. „Die haben guten Kontakt zu ihren PatientInnen, kennen die Familienverhältnisse und unterliegen der Schweigepflicht“, so Kucher.

 

 

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Danke für Ihr Verständnis.

willfurth
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...und wieder...

....eine gefährliche Drohung von Seiten unserer Regierung!
"Sag ma einfach, der Herr X hat einen Corona-Infizierten in seiner Umgebung, dann könn ma ihn, mit Sanktus aller Behörden, detailüberwachen..."

....oder habe ich das jetzt für mich falsch übersetzt?

UHBP
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Anscheinend haben wir zu viele Polizisten,

wenn sie schon Zeit zum Herumtelefonieren haben.
Aufgaben die klar nicht in den Aufgabenbereich der Polizei fallen.
Haben sie nichts zu tun?
Aber vielleicht können wir ja Polizisten ins Gesundheitswesen umschulen.

Miraculix11
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Von Befragungsspezialisten des Landeskriminalamtes...

...soll das gemacht werden. Und jetzt rate mal warum die wenig zu tun haben seit die Grenzen dicht sind.

UHBP
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@mir..

"Die Befragung der erkrankten Person erfolgt standardisiert und strukturiert mit einem Fragebogen der Gesundheitsbehörden."
Zum Vorlesen eines Fragebogens braucht man jetzt Befragungsspzialisten der Kriminalamtes. Klingt logisch, aber nur für jene die alles logisch finden was diese Regierung macht.

Miraculix11
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Klug wie immer :-)

Weiter gedacht: Dann kommt der Fragebogen in den Papierkorb oder sollte man vielleicht doch nachgehen mit wem der Infizierte Kontakt hatte und wo er sich aufgehalten hat. Achso, so brauch ma net, wir brauchen ja nur einen ausgefüllten Fragebogen.

Uezze
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Umgang mit der Wortwahl

Bin insgesamt mit den uns auferlegten Einschränkungen voll einverstanden. Sie sollte uns allen helfen und augenscheinlich zeigen sich je auch vorsichtige Erfolge. ABER bitte aufpassen das der Bogen nicht überspannt wird. Es kann leicht eine Seite reißen.

Silvia1962
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Frage:

Von wem wurde bis jetzt Contact tracing gemacht oder wurde das nicht gemacht. Oder interessierte das bis jetzt niemanden dann ist das Schlamperei hoch vier.

Miraculix11
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Man kanns natürlich Zivildiener machen lassen

Und um dann rauszufinden wo die möglicherweise Infizierten wohnen müssen die Zivildiener dann zur Polizei gehen. Die schaut im Melderegister nach. Die Zivildiener steigen mit dieser Info dann in den Bus und fahren von Wien nach Linz um die Person zu kontaktieren.

UHBP
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@mir..

Wieder einmal nichs verstanden.
Hast du keine Freunde die dir denn Text erklären können?

michael787
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Dann bitte gleich....

... in den Gefängnissen Platz schaffen für die Coronakranken!

BRDVKS
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Mir entlockt es jedesmal ein Schmunzeln

wenn ich hier FPÖ oder Kickl lese.
Dann muss ich mir jedesmal Vorstellen was los gewesen wäre wenn die jetzt geltenden Maßnahmen unter Türkis - Blau beschlossen worden wären

willfurth
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Verstehen sie mich bitte nicht falsch...

...aber einer der wenigen guten Vorschläge am Beginn der "Krise" stammte von Kickl (hätt ich mir nicht träumen lassen, dass ich den mal verteidige :-)
Er hatte vorgeschlagen, den "geheimen Expertenrat" der Regierung zur offenen Diskussion ins Parlament zu bitten, was leider nicht aufgegriffen wurde (warum eigentlich?)

Ergo: Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn.

Vernünftige Vorschläge, egal aus welcher Richtung sie kommen, sind mir lieber als unvernünftige....und im Sinne der Gleichberechtigung gilt das sogar für Herrn Kickl.

Die Reaktion der Bevölkerung, wenn das bei blauer Regierungsbeteiligung "passiert" wäre, hätte ich, wenn sie so ausgefallen wäre wie ich mir das vorstelle, als "gesund" empfunden....
Die tatsächliche aktuellen Reaktion, wie glücklich wir doch über den herrschenden Absolutismus sind, wirkt auf mich eher erschreckend.

Armergehtum
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Ich muss wg Falschparken zur Polizeistation und lass mich dort dann gleich Grippeimpfen.

Weiß jemand ob die dort eine Apotheke jetzt auch haben - wäre praktisch.

pescador
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"Auch FPÖ-Klubobmann Herbert Kickl ist skeptisch"

Kickl hätte schon sehr oft bezüglich seiner Wortwahl skeptisch sein können. Seine Skepsis ist sowas von durchschaubar und unglaubwürdig!
Und auch Leichtfried greift nach jeden Halm um in die Medien zu kommen. Wenn er auch noch so dünn wie dieser ist.

Armergehtum
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Früher ging man bei Husten zum Arzt...

... jetzt zu Polizei.
Nehmen die Polizisten die ECard nur bei Corona?

ichsags
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Ich kann es schon...

... nicht mehr lesen... "ruft Kritiker auf den Plan..." ... hätten sie es andersrum gemacht, wären die SELBEN Kritiker am Plan... es gibt halt immer welche, die einfach nur "DAGEGEN" sind...

UHBP
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@ich..

Würdest etwas mitdenken, würdest vielleicht selbst draufkommen, dass das mit der Polizei Schwachsinn ist.
Aber dazu müste man halt denken und nicht nur nicken, wie die lustigen Hunde im Auto.

dieRealität2019
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hier kann ich ihnen nur zustimmen

"...Das rief SPÖ und FPÖ als Kritiker auf den Plan, die die Eruierung der Kontakte von Infizierten lieber in der Hand von Zivildienern oder Ärzten sähen...."
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Jezt haben alle das Maul offen, natürlich die am Größten die nichts zu entscheiden hatten, nur wenn etwas nicht geklappt hätte, was dann? dann hätte man die Regierung zerissen und die Opposition hätte ua. sofort einen Mißtrauensantrag gestellt.
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1.128 Meinungen Ansichten usw. die wie unser Berger jetzt das Maul aufreißen, wenn, hätte, ware, täte usw. nur ist allen Besserwisser eines nicht bewußt, HIER GING ES UM MENSCHEN, um die gesamte österreichische Bevölkerung.
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Kein Entscheidungsträger ist fehlerfrei, nicht in der Wirtschaft noch im öffentlichen Gesellschaftssystem.

dieRealität2019
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natürlich menschlich verständlich nur nicht zulässig

die Opposition möchte gerne einen Teil der positiven und erfolgreichen Entwicklung mitpartiziperen um sich für die nächste NR zu positionieren und um die geht es der Opposition tatsächlich.

scionescio
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"Die Befragung der erkrankten Person erfolgt standardisiert und strukturiert mit einem Fragebogen der Gesundheitsbehörden"

Dafür braucht man einen Polizisten - ich dachte, die sind mehr als ausgelastet.
In einer Firma würde man damit einen Praktikanten beauftragen ... aber vielleicht will auch nur der Nehammer seine wilde Entschlossenheit zeigen;-)

menatwork
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speed kills verstand

Ich gehe davon aus, dass sich kein Regierungsmitglied vor Silvester 2020 jemals groß mit dem Thema Pandemie befasst hat, insofern kann man schon verstehen, dass am Anfang nicht gleich alles friktionsfrei verlief.

Aber während Minister Anschober von Tag zu Tag an Statur gewinnt und auch die Größe hat Fehler einzugestehen und zu korrigieren, wird bei den türkisen Ministern von Tag zu Tag mehr ersichtlich, dass sie eigentlich überfordert sind.

Die Idee mit den Kriminalbeamten entspringt genau dieser Hilflosigkeit.

silentbob79
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Ich hoffe doch,

dass sich die Regierungsmitglieder in den letzten 2 monaten (und damit 10 monate vor silvester 2020) etwas mit dem Thema Pandemie befasst haben ...

Aber wie Sie so schhön gesagt haben: Speed kills Verstand. Hauptsache mal irgendwas gegen die Regierung posten. Das Hirn bleibt ausgeschaltet.

menatwork
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Ein I-Tüpferl oder Hauptsach irgendwas für die Regierung

Ich habe Respekt vor Ihrer Schlagfertigkeit, weshalb sich mein Eindruck von so manchem türkisen Minister natürlich ebenso schlagartig verändern wird, immerhin haben sie einen Kalenderkundigen an ihrer Seite.

Bei näherer Überlegung erscheint mir mein Fauxpas allerdings doch mehr als freudscher Verschreiber ....

Miraculix11
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Man kanns natürlich Zivildiener machen lassen

Und um dann rauszufinden wo die möglicherweise Infizierten wohnen müssen die Zivildiener dann zur Polizei gehen. Die schaut im Melderegister nach. Die Zivildiener steigen mit dieser Info dann in den Bus und fahren von Wien nach Linz um die Person zu kontaktieren.