Was passiert, wenn die eigene Frau plötzlich fragt: „Warum machst du das eigentlich so?“ Bei Daniel Jaunegg war genau das der Anfang einer grundlegenden Veränderung. Jasmin Jaunegg kam mit ihrem Blick als angehende Sommelière ins Weingut und hinterfragte Hefen, Schönungsmittel, Schwefel und vermeintliche Selbstverständlichkeiten. Daniel Jauneggs Antwort war zunächst simpel: weil er es so gelernt hatte.
Heute entstehen die Weine am Eichberg möglichst pur. Keine Reinzuchthefen, keine Schönung, kein Schwefel während der Produktion, dafür Spontangärung, Zeit, Handarbeit und möglichst wenig Eingriff. Ein Weg, der nicht ohne Dürreperioden verlief: Viele Stammkunden gingen bei der stilistischen Veränderung nicht mit. Dafür öffneten sich neue Märkte. Lag der Exportanteil vor wenigen Jahren noch bei wenigen Prozent, bewegt er sich inzwischen Richtung Hälfte der Produktion.
Im Gespräch mit Georg Hoffelner erzählt Jaunegg außerdem, warum Naturwein für ihn ursprünglich gar kein Ziel war, weshalb er technische Perfektion nicht mit möglichst vielen Hilfsmitteln verwechselt und warum ausgerechnet in Zeiten von KI und Digitalisierung viele junge Winzer zurück zu ursprünglicheren Methoden finden.
Es geht um sieben Hektar Weinbau, Steilhänge, alte Rebstöcke, Welschriesling, mögliche Rotweinpläne und die Frage, weshalb man manche Entscheidungen im Weingarten eigentlich für die nächste Generation trifft. Und auch um jenen schweren Unfall im Weingarten, nach dem Jaunegg erfahren hat, wie groß der Zusammenhalt unter den Winzerinnen und Winzern tatsächlich ist.
Bei „Wein, Wahrheit oder Pflicht“ bleiben natürlich auch drei unangenehme Fragen nicht aus. So viel sei verraten: Daniel Jaunegg verlässt das Gespräch um drei Flaschen ärmer.
