Nach Ende des letzten Lockdowns und mit Lockerung der Corona-Regeln hatten viele Touristiker und Hüttenwirte ihre Hoffnung voll auf die Urlauber in den Bergen gesetzt. Im Vorjahr, als sich kaum einer ins Ausland zu fahren getraute oder gar keine Möglichkeit dazu hatte, waren Österreichs Seen und Berge von Natur hungrigen Menschen regelrecht gestürmt worden.

Doch heuer sieht die Situation anders aus: "Wetterbedingt weniger Tagesgäste als in der vorigen Saison, weniger Nächtigungen als im Jahr zuvor, Verunsicherung bei vielen Hüttengästen, welche Regeln jetzt gerade gelten" zieht der Österreichische Alpenverein eine Zwischenbilanz.

Vor allem zu Beginn der Saison seien die Nächtigungen auf den Almhütten stark zurückgegangen. Die Nächtigungszahlen liegen bis dato unter denen der Vorjahre, melden die Hüttenwirte. Im vergangenen Coronajahr durften sich einige Hütten sogar über Zuwächse freuen.

Der Alpenverein betreibt allein in Österreich 231 Hütten. Dazu kommen noch 140 Hütten der Naturfreunde, bei denen die Lage ebenfalls nicht mehr so rosig war, wie noch im Vorjahr. Laut Naturfreunde-Sprecherin Regina Hrbek gab es im laufenden Jahr Umsatzverluste zwischen 25 und 30 Prozent.

© Alpenverein/Norbert Freudenthaler

Hütten unter Kapazitätsgrenzen belegt

Von den Hüttenwirten ist zu vernehmen, dass aber viele Besucher noch stark verunsichert auf den Hütten ankommen. „Das liegt wahrscheinlich daran, dass es eine Flut von verschiedensten Informationen von allen Seiten gegeben hat, mit regional großen Unterschieden“, erklärt Andreas Ermacora, Präsident des Österreichischen Alpenvereins. Und er führt auch ein Beispiel dafür an: In Bayern gelten andere Auflagen und Maßnahmen als im benachbarten Tirol, gerade bei grenzübergreifenden Wanderungen sorgt dies natürlich für Verwirrung bei den Bergsportlern. "Viele unserer Gäste waren sehr erstaunt, dass die 3-G-Regel und Kontaktdatenerfassung auch auf den Schutzhütten in den Bergen gilt", ergänzt Hrbek.

Regina Hrbek
© (c) ORF (G�nther Pichlkostner)

Nach wie vor vorsichtig sind die Sektionen und Wirtsleute allerdings bei der Vollbelegung der Hütten, diese fahren meist noch unter ihrer eigentlichen Kapazitätsgrenze. Im Falle neuer Einschränkungen wäre es problematisch, bereits reservierten Gästen abzusagen. Besser wäre es, spontan noch Leute aufnehmen zu können, so der Alpenverein.

Die Adamekhütte der Sektion Austria am Fuß des Hohen Dachstein
© Alpenverein/Pipal
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Meer als große Konkurrenz

Doch nicht nur die sich ständigen ändernden Coronaregeln und das regionale sehr unstabile Wetter machen Österreichs Hüttenwirten heuer zu schaffen - es ist auch die Sehnsucht der Urlauber, heuer statt in die Berge wieder ans Meer zu reisen, was man an den wöchentlichen Verkehrslawinen in Richtung Süden merkt.

Viele Hüttenwirtsleute hoffen nun auf eine Wetterbesserung und sind zuversichtlich, dass der Herbst eine starke Wandersaison bringen wird. Denn auch das unbeständige, teils heftige Wetter im Sommer habe laut Hrbek viele Leute dazu bewogen im Tal zu bleiben.