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"Nein zum Notenzwang"Aus Protest gegen Notenpflicht: Volksschule will nur Zweier verteilen

Kurz vor Semesterende eskaliert an einer Vorarlberger Volksschule der Streit um die wieder eingeführten Noten.

Sujetbild © APA/GEORG HOCHMUTH
 

Die letzte ÖVP-FPÖ-Regierung hat ja bekanntlich die Notenpflicht an Volksschulen wieder ins Leben gerufen. Schlagend wird diese beim Jahreszeugnis. In einer Volksschule in Lustenau regt sich aber jetzt schon der Widerstand. Wie bereits berichtet, wurde eine Petition ins Leben gerufen. Die Petition "Nein zum Notenzwang" haben bisher bereits mehr als 6.240 Menschen unterschrieben. In der Petition sprechen sich die Initiatoren für eine Wahlfreiheit aus.

Aus Protest nur Zweier

Kurz vor den beginnenden Semesterferien am 10. Februar eskaliert der Zwist an der Volksschule in Kirchdorf. Die Lehrer des reformpädagogischen Teils der Volksschule haben beschlossen, die Verordnung einfach nicht umzusetzen, wie Ö3 berichtet. Aus Protest wollen sie in den dritten Klassen ausschließlich Zweier verteilen. Sie fordern, dass die alternative Beurteilung zusätzlich zu jener mit Ziffern wieder eingeführt wird.

Gar nicht glücklich ist die zuständige Bildungsdirektion mit den Protestmaßnahmen. Dienstrechtliche Konsequenzen wurden angedroht. Heute wollen sich alle Beteiligten noch einmal an den Tisch setzen und miteinander verhandeln, wie es in dem Bericht weiter heißt.

Zusätzliche Verbalbeurteilung

In der Petition werden die Verantwortlichen aufgefordert "Schulautonomie zu schützen und zu stärken". Lehrer und Eltern sollen sich im Dialog für Noten oder eine alternative Leistungsbeurteilung entscheiden können.

Ab dem Jahreszeugnis der zweiten Klasse müssen nun verpflichtend Ziffernnoten vergeben werden, beschlossen wurde das von der vergangenen ÖVP-FPÖ-Regierung. Gleichzeitig ist nun in allen Volksschuljahrgängen zusätzlich zu den Ziffernnoten eine Verbal-Beurteilung vorgesehen. Formale Kriterien, wie diese auszusehen hat, gibt es nicht. Im dazugehörigen Erlass heißt es nur, dass die schriftliche Erläuterung in jedem Pflichtgegenstand darüber Aufschluss geben muss, in welchem Ausmaß die Kinder die im Lehrplan vorgesehenen Kompetenzen erreicht haben. Vom Bildungsministerium gibt es als Hilfestellung Kompetenzraster samt Formulierungsvorschlägen für die Lehrer.

Bis zur Neuregelung konnten sich die Schulen in den ersten drei Volksschulklassen autonom anstelle von Ziffernnoten für eine schriftliche "Leistungsinformation" entscheiden. Im Vergleich dazu gibt es mit der Neuregelung also maximal zwei Zeugnisse (zweite und dritte Klasse) und eine Schulnachricht (dritte Klasse) mehr, in denen die Leistung der Kinder mit Ziffernnoten bewertet werden muss.

Schlechte Stimmung

An den Volksschulen sei die Stimmung angesichts der neuen Vorgaben des Ministeriums "nicht so gut", berichtet der oberste Lehrervertreter Paul Kimberger (FCG) im APA-Gespräch. "Das Ministerium glaubt, durch Standardisierung und Kontrolle Leistung erzeugen zu können, und das ist ein fataler Irrtum. In Wirklichkeit bräuchten wir mehr Autonomie und mehr Vertrauen in die Lehrerinnen und Lehrer." Er hätte sich für die ersten beiden Klassen komplette Autonomie bei der Entscheidung gewünscht. Dazu komme der enorme bürokratische Aufwand durch die Neuregelung, dabei seien die Volksschulen aktuell ohnehin durch die neue Schuleinschreibung und die neuen Tests für die Zuweisung zu Deutschförderklassen schon an ihrer Belastungsgrenze.

Kommentare (4)

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Estarte
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BENOTUNG IST NÖTIG

Die Benotung hat Jahrzehnte lang funktioniert, und jetzt auf einmal, ist eine Benotung ein Zwang, der Stress beim Kind auslösen kann ? und dem Kind nicht mehr zumutbar ?
Weder eine verbale Beurteilung, noch eine Benotung kann jemals gerecht sein, und ist immer nur ein Anhaltspunkt.
Wer von den Lehrern sollte denn über eine Kreativität entscheiden, oder gar über ein Talent, oder eine Förderung?
Wer will z.B. eindeutig wissen,dass ein Kind zu dumm, oder doch nur zu faul ist, wenn es irgendetwas nicht beherrscht ?
Verbale Benotung ist genauso individuell und subjektiv, und hat sogar mit Sympathie zu tun.
Ein Kind, das sich belastet und gestresst fühlt, weil es benotet wird, ob gerecht oder ungerecht, wird sich immer schwer im Leben und in der Arbeit tun.
Jeder glaubt heute alles zu können, in Wirklichkeit können die Kinder nicht mehr lesen und rechnen, weil man ihnen einredet, dass sie überfordert sind und Stress haben...
Kaum waren Weihnachtsferien, gibt es schon wieder Semesterferien ,das ist wahrscheinlich auch Stress ?

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agility
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Ich hab

was falsch gemacht. Lehrer müßte man sein.Die verbale Beurteilung ist so individuell wie die Lehrer. Damit verschlüsseln die Pädagogen doch nur ihre eigenen Leistungen. Schauen wir uns doch die Schulabgänger an. Wie hoch ist die Zahl der fast Analphabeten. Und der Schüler, welcher was gelernt hat, hat das über gut bezahlte Nachhilfestunden gemacht. Unser heutiges Schulsystem bringt den Kindern doch nix mehr bei. Da kann man Leistungen ja auch nicht benoten, würde ja schlecht ausschauen, wenn 80% negativ wären. Ich würde mir wünschen, das Lehrer während der Ferien regulär arbeiten müssten (z. B.) in der Gastronomie. Da fehlen Arbeitskräfte und so würde jeder sehen, das auch Lesen und Rechnen im Alltag gebraucht wird. Vielleicht rüttelt das einige wach.

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PiJo
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können oder wollen ??

Können einige Lehrkräfte die Kinder für ihre Leistungen nicht mehr mit Ziffern benoten, oder wollen sie ein längeres Gespräch am Elternsprechtag nicht mehr führen, für welches man ja auch Aufzeichnungen benötigt, die man lieber im Zeugnis unterbringen will.

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UHBP
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Im Vergleich dazu gibt es mit der Neuregelung also maximal zwei Zeugnisse (zweite und dritte Klasse) und eine Schulnachricht (dritte Klasse) mehr, in denen die Leistung der Kinder mit Ziffernnoten bewertet werden muss.

Und das hat Kurz seinen Wählern als Bildungsreform für das 21igste Jahrhundert verkauft.🤣
Das war ein Zugeständnisse von Kurz und Strache an ihre Wähler, weil sie die verbale Beurteilung ihrer Kinder nicht verstanden haben.

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