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Aufschrei der ÄrztekammerSpitalsärzte arbeiten bis zu 62 Stunden pro Woche

Im Schnitt arbeiten die Spitalsärzte 47 Stunden pro Woche, im längsten Fall bis zu 62 Stunden.

© APA/HELMUT FOHRINGER
 

Die österreichische Ärztekammer (ÖAK) hat am Dienstag mehr Personal und bessere Arbeitsbedingungen für Spitalsärzte von der künftigen Regierung gefordert. "Wir brauchen mehr Personal und bessere Strukturen", sagte der für die Spitalsärzte zuständige ÖAK-Vizepräsident Harald Mayer in einer Pressekonferenz. Unterstützt werden die Forderungen durch eine IMAS-Befragung unter Spitalsärzten.

Von den mehr als 25.000 Spitalsärzten haben 3.570 an der Online-Befragung teilgenommen, die Rücklaufquote betrug damit 14 Prozent. IMAS-Senior Research Direktor Paul Eiselsberg bezeichnete das Ergebnis deshalb zwar als "nicht repräsentativ", aber es sei "die beste Methode gewesen, um ein gutes Stimmungsbild zu erreichen".

Bis zu 62 Stunden

Demnach entfallen nur 58 Prozent der wöchentlichen Arbeitszeit auf ärztliche Tätigkeiten, 37 Prozent jedoch auf Administration. Im Schnitt arbeiten die Spitalsärzte 47 Stunden pro Woche, im längsten Fall bis zu 62 Stunden. Wünschen würden sich die Spitalsärzte eine Arbeitszeit von 38 Stunden. Mehr als die Hälfte der Befragten empfindet die Arbeit im Krankenhaus als unangenehm. Fast drei Viertel der Befragten glauben nicht, dass sie bei gleichbleibender Belastung mit 65 Jahren ihre derzeitige Tätigkeit noch ausüben können. Sie wünschen sich vor allem die Möglichkeit, Dienste und Stunden zu reduzieren.

Mayer wertete die Ergebnisse als "Hilfeschrei von hoch qualifizierten Ärzten", der von der Politik ernst genommen werden müsse. Er richtete die Aufforderung an die Politik, die Ärzte nicht nur von der Bürokratie zu entlasten, sondern auch das Personal aufzustocken. Die Personalplanung dürfe sich dabei nicht nur nach den Dienstposten orientieren, sondern man müsse jetzt auch Personal ausbilden. "Es ist an allen Ecken und Enden zu spät", sagte Mayer, der davor warnte, "ins Verderben" zu stürzen.

Hausärzte zu Anlaufstelle machen

Um die Patienten von den Spitälern zu den niedergelassenen Ärzten zu bringen, bekräftigte Mayer seine Forderung, die Hausärzte zu einer "Anlaufstelle" zu machen. Anreize etwa in Form eines Bonus-Malus-Systems hält er dabei langfristig für erfolgreicher als Strafen. Aufgabe für die nächste Bundesregierung werde es jedenfalls sein, eine "politisch abgestufte Lösung" zu finden.

Als "höchstes Alarmzeichen" sieht Mayer die zunehmende Gewalt in Spitälern. 71 Prozent der an der IMAS-Befragung teilnehmenden Spitalsärzte sind bereits einmal "verbaler Gewalt" ausgesetzt gewesen. 25 Prozent hätten schon einmal "physische Gewalt" durch Patientinnen und Patienten erlebt. Mayer sieht hier "Gefahr im Verzug" und forderte ein "sicheres Arbeitsfeld" für Ärzte und Ärztinnen. Einen "Sicherheitscheck am Eingang" als eine Art "Personenschutz" in Spitälern - ähnlich wie etwa bei Gerichten - hält Mayer für eine mögliche Lösung.

Hinsichtlich der prekären Ausbildungssituation in Spitälern sagte Mayer, dass von cirka 1.280 Medizinabsolventen nur 700 im österreichischen Gesundheitssystem verbleiben. Über 500 gut ausgebildete Mediziner würden jedes Jahr Österreich für "bessere Ausbildungsplätze" den Rücken zukehren. Gründe für diesen "Exodus" erkenne Mayer darin, dass es im laufenden Spitalsbetrieb in Österreich in der Regel keine Zeit für die Ausbildung des Ärztenachwuchs gebe. Dabei sei das kein "Hobby", sondern "eine Verpflichtung gegenüber unseren Patienten und Patientinnen". In der von der ÖVP geforderten Aufstockung der Studienplätze sieht Mayer nicht das "Ei des Kolumbus", wichtiger wären gute Arbeitsbedingungen für die Ärzte.

 

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SoundofThunder
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