"Mic" ist der vor Ort gebräuchliche Name für eine Trattoria, die sich unscheinbar hinter einer Mauer im Örtchen Mossa, fünf Kilometer von Görz/Gorizia entfernt, befindet. Hinweis auf die „alten Provinzen“ (Vecchie Province) findet sich keiner, Smartphone werden Sie dennoch keines brauchen, man folgt einfach seinen Sinnen. Wo angeregtes Gemurmel zu vernehmen ist und feine Düfte den Geruchssinn hungriger Gäste liebkosen, sind Sie richtig. Doch Obacht, was stimuliert hier die Magennerven? Ist es die gegrillte Tagliata oder doch das Aroma der Jakobsmuscheln?

Ja, das ist hier die zentrale Frage, die jeden umtreibt, sobald man auf einer der Holzbänke unter den schattenspendenden Bäumen Platz nimmt: heute Fisch oder Fleisch? Viel mehr gibt es eigentlich nicht zu klären. Speisekarte kennt man bei „Mic“ keine, auch nicht die mitunter zermürbende Wahl einzelner Gerichte. Es geht hier um das große Ganze, um eines der beiden Menüs mit ihren jeweils elf, zwölf Gängen.

Wer sich für Fisch entscheidet, hat gute Chancen, dass Pastete aus Baccalà (Stockfisch) mit krossem Brot, Miesmuschelspaghetti, Langusten, gebackene Sardellen, Oktopus in einer pikanten Tomatensauce oder gegrillte Calamari auf die Teller kommen. Kleinere Portionen, die sich dennoch nach sechs, sieben Gängen im Magen bemerkbar machen. Wer sich für das Fleischmenü gerüstet sieht, darf mit Cevapcici rechnen, die zarte Tagliata ist ebenfalls ein Dauerbrenner. Die Gänge werden meist in vernünftigen Abständen gereicht, je nach Besucherandrang können sie auch ein wenig auf sich warten lassen. Geht es Richtung Nachspeisen, vereinen sich die beiden Menüfolgen wieder friedlich, ehe sie meist mit Sorbetto als Finale enden.

Bezahlt wird pauschal, für das gesamte Menü, inklusive Getränke, wohlfeile 40 Euro. Sitzplätze gibt es auch im Lokal, dort kann es an kühleren Tagen, an denen der Gastgarten nicht in Betrieb ist, durchaus geschäftig zugehen. Apropos Getränke: Auf den Tisch kommen solide Hausweine aus der Gegend, etwa ein fruchtiger Friulano.

Wohl weil das Personal fehlt, öffnet die Trattoria derzeit nur mittags, und das telefonische Reservieren kann zur Geduldsübung werden. Aber lassen Sie sich nicht entmutigen, es zahlt sich aus. Ohne Reservierung kann es knapp werden, vor allem die Einheimischen aus der Umgebung genießen es, im Garten ihre Familienfeste zu feiern.

Am besten lassen sich die Köstlichkeiten im schönen Garten genießen
Am besten lassen sich die Köstlichkeiten im schönen Garten genießen © Uwe Sommersguter