Bei unseren südlichen Nachbarn Friaul-Julisch Venetien und Slowenien ist Weihnachten nicht nur ein besinnliches, sondern auch ein kulinarisches Fest, das in den Familien ausgiebig zelebriert wird. Jede Region hat ihre typischen Festtagsspeisen, die nach alt überlieferten Rezepten zubereitet werden. Am ersten Weihnachtsfeiertag wird allerorts getafelt, dass sich die Tische biegen.

Vor allem Sloweniens berühmteste Süßspeise, die Potica, wird in Hinblick auf das Fest hundertfach gebacken. Traditionell standen bis Weihnachten nur gesunde Speisen wie Hülsenfrüchte, Getreidebrei, Stockfisch, Polenta oder Kartoffelsuppe auf dem Speiseplan.

So konnte man sich besonders auf das Fleisch freuen, das erst nach Mitternacht, zu Beginn des ersten Weihnachtsfeiertages, auf den Tisch kam. Es war vor allem Schweinefleisch, da es hieß, man solle wie die Schweine mit dem Rüssel voran dem neuen Jahr entgegenschnüffeln, statt sich am alten festzuklammern. Nach alter slowenischer Tradition muss am Weihnachtstag der Tisch so üppig gedeckt sein, dass kein Glas mehr darauf Platz hat.

Pikantes vor der Potica

Wenn sich am ersten Weihnachtsfeiertag die Tische biegen, dürfen neben den Fleischspeisen die Röstkartoffeln nicht fehlen. Das älteste schriftlich überlieferte Röstkartoffel-Rezept steht in dem 1868 erschienenen Kochbuch „Slovenska kuharica“. Auch Sauerkraut und saure Rüben, gerne mit Grieben (Grammerln) in der „Gusseisernen“ serviert, gehören auf den Tisch. Die fermentierte Beilage sorgt für eine gesunde Verdauung der üppigen Speisen.

Brovada aus Friaul: saure Rüben in Rotwein
© Pietro Rizzato / Davide Monti St (Pietro Rizzato)

Auch nachher geht nichts über eine typisch slowenische Nascherei. Die Potica ist die Nummer eins. In Slowenien kennt man 60 verschiedene Füllungen, die in den Teig eingerollt werden. Daher auch der Name Potica (von poviti – einfüllen). Zu Weihachten herrschen Nuss-, Mohn-, Estragon- oder Topfenfüllungen vor. Die Potica-Backform, auch Potičnik genannt, ähnelt einer Gugelhupf-Form mit kaminartiger Öffnung in der Mitte. Unser Rezept stammt vom talentierten Jungkoch Mojmir Šiftar, der von Gault & Millau zum besten Jungkoch des Jahres 2019 gekürt worden ist.

Die Weihnachtsbräuche in Friaul-Julisch Venetien sind denen in Slowenien – vor allem in den Grenzregionen – ähnlich. Schweinefleisch und süßes Backwerk sind allgegenwärtig. Die Vorweihnachtszeit ist geprägt von Reinigungs- und Schlachtfesten, bei denen die Hausschweine geschlachtet werden. Es werden bereits die Stücke vorbereitet, die in Form von „Muset“ (Musetto) auf den Weihnachtstisch kommen. Es ist eine Art Cotechino (ungeselchte Bratwurst), der zusammen mit Brovade (saure Rüben in Rotwein eingeweicht) serviert wird.

Knisterndes Kaminfeuer und ein Stück Gubana
© Pietro Rizzato/Davide Monti St (Pietro Rizzato)

Gubana gönnt man sich

Eine typische Vorspeise des friulanischen Weihnachtsmenüs ist der „toc in braide“, eine weiche Polenta, die mit einer Creme aus Käsesorten (Montasio) zubereitet und mit morchia, einer Soße aus geschmolzener Butter und Maismehl, garniert wird. Was auf keiner karnischen Weihnachtstafel fehlen darf, sind die Cjarsons. Teigtascherln werden mit Füllungen versehen, die aus Rosinen, Pinienkernen, Schokolade, Wildkräutern, Spinat und Zimt bestehen können. Sie werden gerne mit viel Butter und geräuchertem Ricotta (Scuete) auf den Tisch gebracht.

Die typische Süßigkeit aus dem Natisone-Tal schließt ein üppiges Weihnachtsessen ab. Es ist neben Pandoro und Panettone die viel geliebte Gubana. „Sie bekommt ihren besonderen Geschmack durch die in Grappa getränkten Rosinen. Zu Weihnachten darf es sogar ein bisschen mehr sein“, sagt Roberto, Chefkoch in der Casa Orter in Risano, ein ausgewiesener Gubana-Spezialist.