Der Monte Lussari und vor allem die Wallfahrtskirche auf seinem Bergrücken sind ein gelebtes Zeichen der Völkerverbindung. Und das nicht erst seit einem vereinten Europa, sondern seit 660 Jahren. Pilger dreier Länder kommen von Juni bis Oktober auf diesen Berg und zelebrieren ihren Glauben. Erstmals nach fünf Jahren Pause gibt es heuer, am 25. Juli, auch wieder eine offizielle Dreiländerwallfahrt mit den Bischöfen aus Kärnten, Italien und Slowenien.

„Archäologen vermuten, dass schon die Römer auf dem Lussari ein Heiligtum hatten, das später vom Christentum übernommen wurde“, erzählt Archäologin Anita Pignali. Darauf weisen auch Funde im Tal, in Camporosso (Saifnitz) hin. Die erste christliche Kapelle wurde am Berg 1316 erbaut. Der Legende nach wurde eine hölzerne Madonna am Berg gefunden und durch diese Erscheinung eine Kirche in Auftrag gegeben.

1760 feierten bereits slowenische Gläubige das 400-jährige Jubiläum am Berg. Doch nicht immer war das gern gesehen: Mit einer rigorosen Religionspolitik verbot Kaiser Erzherzog Josef während seiner Regentschaft sämtliche Gottesdienste und Wallfahrten. Die jahrhundertelange Tradition der Pilger schien ihm „entbehrlich“ – der durchaus lukrative Wirtschaftszweig des Dorfes Camporosso kam zum Erliegen. Man kämpfte sich als Wallfahrtsort zurück und im 19. Jahrhundert gab es jährlich bis zu 100.000 Pilger.

Es gab weitere Rückschläge: Blitzeinschläge, Brände und mit dem Ersten Weltkrieg wurde der Berg Kreuzungspunkt der Kampflinien. Die hölzerne Madonna aus der Kirche am Berg wurde ins Tal in Sicherheit gebracht. Doch immer wieder kehrte sie und mit ihr auch die Pilger zurück.

Geradezu symbolträchtig ist es nun, dass heuer, im Covid-19-Krisenjahr, anlässlich des 660. Jahrestages der Erscheinung der Gottesmutter Maria am Monte Lussari die Diözese Udine die Nachbardiözesen zur Dreiländerwallfahrt einlädt. Der Erzbischof von Udine, Andrea Bruno Mazzocato, Diözesanbischof Josef Marketz (Kärnten), Erzbischof Stanislav Zore (Laibach) und Diözesanbischof Jurij Bizjak (Koper/Capodistria) werden die heilige Messe in Deutsch, Italienisch, Slowenisch, Friulanisch und Latein feiern. „Die Dreiländerwallfahrt wurde 1982 vom damaligen Kärntner Bischof Egon Kapellari initiiert“, erklärt die Diözese Gurk, die die Wallfahrt in diesem Jahr wegen Corona „nicht proaktiv“ bewerben wird.

Natürlich sind bei den heurigen Feierlichkeiten einige Maßnahmen zu beachten: Die Messe findet im Freien statt. Der Kärntner Bischof Marketz: „Ich werde über den Büßerweg auf den Berg gehen.“ Dieser alte Pilgerweg auf den 1789 Meter hohen Monte Lussari hat seinen Namen nicht von ungefähr: Der Anstieg ist fordernd.

Es geht aber auch bequemer: Neben dem gut beschilderten Einstieg in den Weg liegt die Talstation der Gondelbahn. Im Pilgerdorf laden allerhand Devotionalien zum Geldausgeben ein. Gut investiert man dieses genussvoll in den Hütten und Gasthäusern. Ein ganz besonderer Tipp ist die 15 Minuten von der Kirche entfernte „Malga Lussari“ (direkt am Büßerweg). Der selbst gemachte Räucher-Ricotta ist himmlisch und die noch erhaltene Rauchkuchl im Inneren einen Blick wert.

Mehr zum Thema