Stinkende Kamine Falsches Heizverhalten: Wie sich belästigte Nachbarn wehren können

Warum man die Rauchschwaden aus dem Kamin des Nachbarn nicht dauerhaft hinnehmen muss und wer falsches Heizverhalten abstrafen kann.

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Im Extremfall kann die Bezirksverwaltungsbehörde „Heizungssünder“ abstrafen (Symbolbild) © AP
 

Ein Bild sagt manchmal mehr als Worte. Nach dieser Devise ließ uns ein Leser ein Foto vom Haus seines Nachbarn zukommen, aus dessen Kamin es bedrohlich herausqualmt. „So heizt mein Nachbar sein Haus“, schreibt er zum Bild und erklärt: „Er verwendet selbst besorgtes Holz, wie er sagt, obwohl er bis zu seiner Haustür eine Erdgasleitung verlegt bekommen hat.“ Jetzt möchte unser Leser wissen: „Gibt es gegen diese Umweltverschmutzung und Geruchsbelästigung von uns Nachbarn kein Gesetz? Freundliche Gespräche mit dem Mann helfen nicht.“

Gemeinde und Rauchfangkehrer fragen

Wir haben dazu bei der Umweltanwältin des Landes Steiermark, Ute Pöllinger, nachgefragt. Sie sagt: „Heizungsangelegenheiten fallen im Rahmen des Baurechts in den Wirkungsbereich der Gemeinde als Feuerpolizei.“ Konkret regle das Steiermärkische Feuerungsanlagengesetz 2016 in Verbindung mit der Steiermärkischen Feuerungsanlagenverordnung 2016 und der Steiermärkischen Kehrordnung 2018 die Errichtung und den Betrieb von Feuerungsanlagen sowie die Überprüfung dieser Anlagen und ebenso die Anforderungen an Brennstoffe. Über ein falsches Heizverhalten wäre – wenn sich ein Nachbar nach wiederholten Gesprächen uneinsichtig zeigt – zuerst also die Gemeinde zu informieren, die ihrerseits einen Rauchfangkehrer zur Überprüfung schicken wird. Ergibt dessen fachmännische Überprüfung, dass tatsächlich schlechtes bzw. ungeeignetes Brenngut verheizt wird, die Heizanlage also nicht regelkonform und damit emissionsarm betrieben wird (und dazu ist jeder Hauseigentümer verpflichtet), kann der Rauchfangkehrer eine Anzeige bei der Bezirksverwaltungsbehörde machen. Möglich sind prinzipiell Geldstrafen bis zu 2000 Euro.

Im Prinzip kann zur Beweissicherung, dass es tatsächlich unerträglich aus dem Kamin des Nachbarn qualmt, in einem ersten Schritt freilich auch die Polizei gerufen werden.

Die Rechtslage in Kärnten

Für den Betrieb von Heizungen im Privatbereich – also nicht Gewerbe oder Abfallwirtschaft – ist in Kärnten das Kärntner Heizungsanlagen-Gesetz beziehungsweise die Kärntner Heizungsanlagen-Verordnung ausschlaggebend. Die routinemäßigen Kehrtermine und Sichtprüfungen der Feuerungsanlagen, die von einem Rauchfangkehrer durchzuführen sind, sind in der Kärntner Gefahrenpolizei- und Feuerpolizeiordnung geregelt.

Über falsches Heizverhalten wäre – wenn sich ein Nachbar nach wiederholten Gesprächen uneinsichtig zeigt – zuerst der Bürgermeister zu informieren. Dieser hat daraufhin eine Überprüfung der Heizungsanlage durch einen Rauchfangkehrer anzuordnen. Ergibt dessen fachmännische Überprüfung, dass tatsächlich schlechtes bzw. ungeeignetes Brenngut verheizt wird, die Heizanlage also nicht regelkonform und damit emissionsarm betrieben wird (und dazu ist jeder Heizungsbetreiber verpflichtet), kann der Rauchfangkehrer eine Anzeige bei der Bezirksverwaltungsbehörde machen.

Die Problematik eines stinkenden Kamins ist allerdings vielschichtig, wie Experten betonen: Einerseits kann das Problem am falschen Brenngut liegen, andererseits kann es sein, dass die Heizanlage nicht richtig funktioniert, und dadurch die Abgasnormen nicht eingehalten werden. In diesen Fällen schreibt der Rauchfangkehrer nach einer Überprüfung den Kesseltausch oder eine Sanierung vor. Für unseren Leser heißt das nun: „Nein, dass es aus dem Kamin des Nachbarn ständig qualmt und stinkt, muss man sich nicht gefallen lassen.“ Richtig heizen mit Holz heißt rauch- und rückstandsfrei verbrennen. Bei fachgerechter Installation und richtigem Betrieb arbeitet ein Holzofen nach wenigen Minuten rauchfrei. Imprägniertes oder lackiertes Holz, Spanplatten oder Holzreste von Baustellen gehören nicht in den Holzofen!

Fernwärme mit Anschlusspflicht

Prinzipiell gibt es in der Steiermark - anders als in Kärnten - auch eine Anschlusspflicht an Fernwärmeeinrichtungen. Pöllinger: „Jede steirische Gemeinde, die als ,Vorranggebiet zur lufthygienischen Sanierung in Bezug auf die Luftschademissionen von Raumheizung’ ausgewiesen ist, muss ein kommunales Energiekonzept erlassen, in welchem die Pflicht zum Anschluss an ein Fernwärmesystem enthalten sein kann.“ Sofern von der Gemeinde eine entsprechende Verordnung erlassen wurde, ist, wie Pöllinger betont, der Auftrag zum Anschluss an die Fernwärme bei Neubauten zugleich mit der Baubewilligung mit Bescheid zu erlassen. „Bei bestehenden Gebäuden hat die Baubehörde den Fernwärmeanschlussauftrag spätestens nach Ablauf einer Frist von zehn Jahren ab dem Inkrafttreten der Verordnung zu erlassen. Das Steiermärkische Baugesetz sehe aber eine Reihe von Ausnahmen von der Anschlusspflicht vor, sodass diese im Wesentlichen nur für dauerhaft bewohnte Gebäude mit alten fossilen Heizungen anwendbar sei.

Kommentare (15)
walter1955
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solange die Rauchfangkehrer

für eine Feststoffheizung mehr Kehrgebühr verlangen können wird´ sich nichts ändern,
denen gehört das grüne Mäntelchen abgenommen

wenn sich noch einen Heizkessel aus den 1970er Jahren als Stand der Technik ansehen!!!!

VH7F
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Wir sollen doch alle CO2 reduzieren und mit Holz heizen?

Das böse Erdöl und Erdgas müssen ja weg? Dafür stinkt es ab 17.30 Uhr im Ort, wenn alle ihre Pellets und sonstigen Holzöfen wieder anwerfen. Das ist dann gesund?

shaba88
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Kommentar

Man braucht nur mal im Gegendtal vor Treffen in der Kurve beim Sägewerk vorbeifahren, grausig wie es dort aus den Hauskaminen raucht und stinkt, sogar im Auto bekommt man Tränen in den Augen, danach muss man lüften. Ein Wunder, dass dort noch niemand eingeschritten ist.

NiroMeans
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eine...

.....fachmännisch installierte Pellets Anlage "stinkt" nicht, ob sie CO2 neutral ist, über das kann man streiten, aber stinken tut sie nicht 😏

stolmich
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Die Grünen sollen zahlen,

wenn jeder Wohnungs- oder Hausbesitzer teure Fernwärme anschaffen muss. Es kann nicht angehen, dass günstige Heizmittel nur wegen diesen Grünlingen immer teuer werden, während die Rallöhne und -gehälter immer mehr an Wert verlieren. Stoppt die Parteienförderung, Demokratie darf nix kosten, weil sie ein Grundrecht ist In den USA müssen sich Politiker und Parteien selbst finanzieren, und nicht am Steuertopf hängen.

ichbindermeinung
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die ganzen Holz/Pellets/Hackschnitzelh. sind ein Riesenproblem

spiegel de vom 05 03 2019..."Leider dreckig....Nach einer Berechnung des Umweltbundesamts entsteht bei der Verbrennung von Holz im Schnitt 2500-mal mehr Feinstaub als bei einer Gasheizung......dann hört sich das nicht viel an, aber von den krebserregenden Verbindungen entfallen 30 bis 40 Prozent auf diese Quelle. Holzrauch enthält viel mehr polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe als zum Beispiel Dieselabgas." Die kleinen Partikel sind noch gefährlicher, weil sie tief in die Lunge eindringen können.

VH7F
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Gestank

Weiß wer, warum es seit ein paar Wochen auf Höhe Seigbichl an der Turracher Bundesstraße immer so nach Müll stinkt? Vor allem am Abend. Die Anrainer können einem leid tun.

robinson101
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Stinkende Kamine

Das wird noch explodieren wenn die (bösen) Ölheizungen verboten werden von, unseren Experten in der Regierung, wir leiden schon Jahrelang an den Holzheizungen der Nachbarn, Ein Öffnen der Fenster ist meist unmöglich ohne eine Rauchgasvergiftung zu bekommen, aber unsere neuen Grünen werden wohl
Hoffentlich eine Lösung finden.
Gute Nacht Österreich !

Ifrogmi
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sicher ...

... wir haben da dauerhaftes tiefdruckwetter das den rauch nach unten drückt.
habt's ihr alle nichts anderes zu tun, als bei irgendwem herumzuzündeln, zu reglementieren, anzeigen, aufregen, ... ?

peso
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Ifrogmi

was haben Schadstoffemissionen mit Tiefdruck zu tun???
Entweder emittiert ein Stoff bei der Verbrennung mehr Schadstoffe oder eben weniger und "Rauch" gibt es vorrangig ohnehin nur bei Biomasseanlagen, denn bei Öl- oder Gasheizungen ist es zu 90% nur Wasserdampf. Und wenn Sie sich schon über die Meinung anderer Aufregen, dann sollten Sie zumindest über die Materie, die Sie verteidigen wollen, schon ein wenig Bescheid wissen. Lesen Sie doch einmal die näheren Unterlagen des Umweltbundesamtes und nicht nur die Werbeprospekte der Biomasseindustrie.

aToluna
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Gute Nacht...

In der Schweiz dürfen nur noch bis 2026 Ölheizungen betrieben werden, und das OHNE die GRÜNEN!!!!

Bluebiru
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aToluna

Das wird Robinson aber sicher nicht interessieren, geht es ihm doch nur darum, sein Feindbild zu bedienen.

robinson101
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aToluna

Es geht mir nicht darum mein Feindbild zu bedienen
Sondern nur Tatsachen aufzuzeigen, ich hab nichts gegen die Grünen und versteh mich auch mit den Nachbarn gut , aber eine gut eingestellte Ölheizung produzier keinen Rauch und Gestank im Gegensatz zu
den meisten Holzheizungen, weil meistens nur grünes
Holz verheizt wird und auch sonstige Abfälle leider.

paulrandig
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robinson101

Das Problem ist sehr oft das falsche Heizen, entweder in der Durchführung, mit falschem Brennstoff oder beides. Die "bösen" Holzheizungen sind nicht schuld, vor allem, wenn es moderne Kessel sind.
Wir heizen mit einem günstigen, aber modernen Holzvergaserkessel, halten uns genau an die Anleitung, verwenden ausschließlich trockenes Hartholz und lassen den Kessel regelmäßig warten. Unser Kamin gibt während des Einheizens etwa zehn Minuten lang gewöhnlichen Holzrauch von sich, der nicht chemisch riecht, sondern wie ein Lagerfeuer. Danach ist nichts mehr sicht- oder riechbar, außer man schaut wirklich ganz genau.
Holzheizungen sind nicht "böse", aber die Gesetzgeber sind hier etwas blauäugig, weil sie glauben, alle Heizungen werden korrekt betrieben und haben dann die Emissionen aus den Firmentests. Eigentlich gehört zur Installation einer Heizanlage eine verpflichtende Schulung über deren richtige Verwendung.

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paulrandig

na wenn das eh alles so super ist, dann erklären Sie mir doch einmal, warum der Gesetzgeber - trotz jahrelanger Interventionen - die Grenzwerte von Schadstoffemissionen bei festen Brennstoffen nicht absenkt bzw. mit den fossilen Brennstoffen gleichstellt. Und dann erklären Sie mir noch ganz kurz, warum die Biomasselobby die Gleichstellung mit aller Gewalt verhindert.
Ich helfe Ihnen gleich einmal: Weil dann der Betrieb von Holzheizungen gar nicht mehr möglich wäre!