Nachhaltige SchuhmodeAuf dem Weg zum grünen Schuhabdruck

Warum nachhaltig produzierte Schuhe so schwer zu finden sind, weshalb „vegan“ nicht automatisch besser ist und welche Gütesiegel beim Einkauf zählen.

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Die Produktionskette bei Schuhen ist leider selten transparent © (c) sebra - stock.adobe.com
 

Umweltfreundlich und zu fairen Arbeitsbedingungen produzierte Mode ist heute keine Seltenheit mehr. Vom Unterleiberl bis zum Beinkleid wird man mühelos fündig, bei den Schuhen ist es allerdings schwer. Mit der Lederverarbeitung bzw. den Gerbereien und Färbereien gehen Umweltvergiftung und prekäre Arbeitsverhältnisse einher. Vegane, also lederfreie Schuhe als Alternative? „Wenn man nur an die Ökologie denkt, schneiden manche Materialien unter den derzeitigen Marktverhältnissen sicher besser ab als Leder. Nachhaltigkeit besteht aber aus drei Säulen, wenn man neben der ökologischen auch die wirtschaftliche und menschenrechtliche mitdenkt, gibt es wenig Alternativen“, sagt dazu Gertrude Klaffenböck, die bei „Südwind – Verein für Entwicklungspolitik und Globale Gerechtigkeit“ die Clean-Clothes-Kampagne (CCK) koordiniert.

Was wir im Schrank haben

Im Durchschnitt besitzen die Österreicher und Österreicherinnen 85 Kleidungsstücke, davon 26 kurzärmelige Oberteile, 13 Hosen, 8 Jacken und 14 Paar Schuhe. Das ist das Ergebnis einer Greenpeace-Umfrage von 2019.
11,4 Prozent der Schuhe werden nicht einmal ein Jahr lang getragen, ehe sie aussortiert werden. Wichtiger als die Frage, welchen Schuh man sich kaufen sollte, ist also oftmals die Überlegung, ob man überhaupt ein neues Paar Schuhe benötigt und wer die alten noch brauchen könnte.

Das große Problem bei Schuhen: „Wenn es um Lederersatzprodukte geht, sei es Wolle oder recycelter Kunststoff, sind die Arbeitsbedingungen der Menschen und die Bedingungen der Rohstoffbeschaffung entlang der Lieferkette – wie beim Leder – leider wenig transparent.“
Aber immerhin: Es gibt den Trend zur Verbesserung. 2016, als im Rahmen der CCK in einem EU-weiten Projekt mit 17 europäischen Partnerorganisationen Schuhproduzenten bzw. -händler zum Umgang mit menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten befragt wurden, standen die meisten davon gerade am Anfang, wie Klaffenböck erklärt. Mittlerweile würden sich führende Unternehmen um eine Dokumentation ihrer Produktionskette und ein Umweltmanagementsystem bemühen. „Aber alles ist noch sehr lückenhaft, und für Konsumenten ist die Werbungssprache schwer von zuverlässiger Information zu trennen.“

Kein Chrom

Schuhproduzenten, die in Sachen Nachhaltigkeit weiter denken als viele Mitbewerber, verzichten laut Verein „Südwind“ auf chromgegerbtes Leder und nutzen Pflanzenöl oder alternative Materialien wie Biobaumwolle für den Oberschuh. Einige kaufen sowohl das gesamte Material als auch die Herstellung vor Ort ein. Andere kaufen in verschiedenen Ländern, aber nur bei zertifizierten Partnern ein.

Ein verlässliches Gütesiegel ist dabei das österreichische Umweltzeichen, das auch bei Schuhen vertreten ist, wenn auch nicht massenweise. Wer österreichische Erzeugnisse wählt, könnte theoretisch auch beim Hersteller nachfragen, womit, wo und wie genau produziert wird. „Leider sind auf öffentlichen Dokumenten bzw. Webseiten aber keine systematischen Dokumentationen zu finden“, sagt Klaffenböck. Teure Markenschuhe schneiden dabei nicht besser ab als billige No-Name-Produkte.
Ein österreichisches Schuhunternehmen, das sich in Sachen Nachhaltigkeit zu den Vorreitern in seiner Branche zählt, ist Legero United. 2015 hatte der Konzern mit einem Think!-Schuh erstmals ein mit dem österreichischen Umweltzeichen versehenes Schuhmodell im Sortiment. „Heute sind 36 unserer Artikel mit dem österreichischen Umweltzeichen und 22 mit dem Blauen Engel ausgezeichnet“, heißt es auf Nachfrage. Wichtig zu wissen: Die Zertifizierung betrifft immer die gesamte Produktion eines spezifischen Modells, ist also aufwendig und teuer. Die Kosten für die Prüfverfahren werden laut Legero United über ein gesondertes Budget finanziert und nicht in den Endverbraucherpreis einkalkuliert.

Umwelt- und Gesundsheitsrisiko durch Gerbereien

Die Lederindustrie ist durch ihren intensiven Einsatz giftiger Chemikalien eine der umweltschädlichsten Branchen überhaupt – mit hohem Gesundheitsrisiko für Arbeiter und Arbeiterinnen. Zur Verarbeitung von 1000 Kilogramm Rohhaut sind cirka 500 Kilogramm Chemikalien erforderlich. Danach bleiben ungefähr 600 Kilo Festabfälle (Fleisch, Lederreste, Polierstaub) und 15 bis 20 Kubikmeter Abwasser zurück. Die genaue Menge und Art der Abfälle hängt von der Art des produzierten Leders und der Gerbmethode ab.

Beim vertiefenden Gespräch über die Nachhaltigkeitsagenda des Konzerns kommt man unweigerlich auf eine unternehmenseigene Entwicklungsplattform für nachhaltige Materialien und die Teilnahme an unterschiedlichen Brancheninitiativen zu sprechen, die Konsumenten weitgehend unbekannt sein dürften. Aber je mehr Unternehmen bei solchen Initiativen mitmachen, desto mehr könne man gemeinsam bewirken, ist man in der Chefetage des Konzerns überzeugt.

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