Ist Ihres dabei?256 Waschmittel im Test: Gut 60 Prozent enthalten Plastik

Konsumentenschützer fanden in 14 von 256 Waschmitteln festes Mikroplastik. Mehr als die Hälfte enthält flüssigen Kunststoff.

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Von 256 Waschmitteln in einem Test von Global 2000 und der Arbeiterkammer Oberösterreich enthalten gut 60 Prozent Plastik. Bei etlichen Produkten verzichten die Hersteller zwar seit einer vorangegangenen Untersuchung im Jahr 2019 auf die Zugabe von festem Mikroplastik - dieses wurde nur mehr in 14 Mitteln nachgewiesen. Allerdings habe sich der Anteil der Produkte mit wasserlöslichen, synthetischen Polymeren verdoppelt.

"Mittlerweile wird wasserlösliches Plastik im großen Stil eingesetzt, häufig als Ersatz zu festem Mikroplastik", sagte Lena Steger von Global 2000. Über mögliche Auswirkungen der Substanzen wisse man allerdings kaum etwas. "Damit gehen die Hersteller ein enormes Umwelt- und Gesundheitsrisiko ein."

Insgesamt enthielten 156 Waschmittel industriell hergestelltes Plastik. Diesmal wurden vor allem die wasserlöslichen Polymere festgestellt: 2019 waren solche Stoffe in 27 Prozent der Erzeugnisse zu finden gewesen, jetzt schon in 55 Prozent. Nach Produktkategorien zeigte sich: 66 Prozent der Waschpulver enthalten wasserlösliches Plastik. Am häufigsten steckt Plastik insgesamt in Gelkissen - in 97 Prozent wurde Mikroplastik oder die wasserlösliche Variante nachgewiesen. Bei Flüssigwaschmitteln enthielten 49 Prozent flüssige Polymere und vier Prozent Mikroplastik.

Warum Mikroplastik in Waschmitteln steckt

Als Mikroplastik bezeichnet man kleine Kunststoffteilchen mit einem Durchmesser unter 5 Millimeter. Die sogenannten synthetischen Polymere gibt es aber auch in flüssiger, gelartiger oder gelöster Form. Synthetische Polymere werden Waschmitteln zugesetzt um beispielsweise Grausschleier oder Verfärbungen zu verhindern oder dem Waschmittel eine bestimmte Konsistenz zu verleihen.

Laut einer Studie würden Menschen bereits jetzt über verschiedene Quellen im Durchschnitt etwa fünf Gramm Mikroplastik pro Woche aufnehmen, das entspricht dem Gewicht einer Kreditkarte, so die Umweltschützer. Das große Problem sei die extreme Beständigkeit: Auch lösliche Polymere können demnach als Mikroschadstoffe in der Umwelt verbleiben, sie seien meist nicht biologisch abbaubar.

Der Test zum Download

Es gibt aber bereits viele Alternativen: 100 getestete Waschmittel kommen ganz ohne Plastik aus, 50 davon zudem ohne umwelt- und gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe, sie sind mit dem "Österreichischen Umweltzeichen", der "Austria Bio Garantie" oder anderen Bio-Siegeln versehen. Dazu gehören zwei Produkte der Spar Eigenmarke "Splendid Bio", eines von Müller "Blink Öko", zwei Produkte des deutschen Herstellers Frosch sowie viele nachhaltige Erzeugnisse kleinerer, heimischer Hersteller, wie Planet Pure, Biobär oder Cliir.

"Als Reaktion auf unsere Analyse von 2019 haben Rewe, Spar und der Waschmittelhersteller Henkel festes Mikroplastik aus ihren Eigenmarken verbannt", freute sich Steger. Lidl und Hofer seien ihren Zusagen noch nicht nachgekommen, wobei Hofer die Umsetzung für 2022 ankündigte.

Wie Mikroplastik in die Umwelt gelangt

Zugesetztes Mikroplastik aus Kosmetika oder Reinigungsmitteln gelangt beim Waschen ins Abwasser. Zwar können Kläranlagen bis zu 95 Prozent davon aus dem Wasser filtern, da der Klärschlamm aber teilweise zum Düngen der Felder verwendet wird, landet das zuerst mühsam aus dem Wasser gefilterte Mikroplastik wieder in der Natur und sammelt sich dort an.

Der kleinere, nicht gefilterte Anteil gelangt aus der Kläranlage wieder in Flüsse, Seen und Meere. Mikroplastik zerfällt in immer kleinere Teile und wird von Pflanzen und Tieren aufgenommen.

Auf diese Weise gelangt es letzten Endes sogar in die Nahrungskette. Wie sich wasserlösliches Mikroplastik in der Umwelt verhält, ist noch weit­estgehend unerforscht und damit auch die Folgen für Mensch und Natur unklar.

Anders als bei Lebensmitteln oder Kosmetika, müssen nicht alle Inhaltsstoffe von Waschmittel direkt am Produkt angegeben werden. Es ist ausreichend, wenn Hersteller diese Angaben in einem Produkt-Datenblatt sammeln und auf der Verpackung angeben, wo dieses online gefunden werden kann. Dennoch waren die Datenblätter einiger Hersteller, die laut EU-Verordnung ohne Beschränkung öffentlich zugänglich sein müssen, nur durch direkte Anfragen zu erhalten – was alles andere als konsumentenfreundlich ist und auch nicht den gesetzlichen Vorgaben entspricht.

Ob in einem Waschmittel Mikroplastik enthalten ist oder nicht, können Konsumentinnen und Konsumenten unmöglich erkennen. Zumindest müssen Duftstoffe mit allergischem Potenzial und Konservierungsstoffe verpflichtend auf der Verpackung angegeben werden.

Festes absichtlich beigemengtes Mikroplastik soll laut der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) unter anderem in Waschmitteln bald verboten werden. Ein Gesetzesvorschlag der EU-Kommission wird bis Jahresende erwartet. Es sei aber zu befürchten, dass wasserlösliches Plastik ausgenommen wird, kritisierten Global 2000 und die Arbeiterkammer Oberösterreich. Sie fordern ein umfassendes Verbot von allen nicht biologisch abbaubaren synthetischen Polymeren.

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