Die WHO hat für Europa die Zahl von 36 Millionen Menschen kommuniziert, die unter Folgen einer Long-Covid-Erkrankung leiden bzw. gelitten haben. Ist diese Zahl plausibel und wie schätzen Sie die Zahl der Betroffenen in Österreich ein?
KATHRYN HOFFMANN: Diese Zahl ist für mich absolut plausibel, weil Long Covid eben der Übergriff für alle Schäden ist. Österreich ist zahlenmäßig weiterhin eine Blackbox in Bezug auf Long-Covid-Daten und anscheinend ist politisch auch kein Interesse da, diese Zahlen zu erheben und gut darzustellen. Wenn man sich die Zahlen aus Ländern/Bundesländern ansieht, die aus Bevölkerungssicht mit Österreich vergleichbar sind – etwa UK oder Bayern –, dann kommt man auf mindestens 300.000 Menschen mit Long-Covid-Symptomatik in Österreich, alleine bis Ende 2022. Und es gibt aus Studien gute Hinweise, dass davon etwa 20 bis 30 Prozent langfristig betroffen sind. Das würde bedeuten, dass in Österreich rund 60.000 Menschen nachhaltig erkrankt bleiben. Und leider werden es weiterhin ohne Präventionsmaßnahmen täglich mehr.
© (c) Juergen Fuchs (FUCHS Juergen)
© (c) Juergen Fuchs (FUCHS Juergen)
Versorgungslage in Österreich
"Alles, was Long Covid heißt, wird nicht ernst genommen"
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Die Folgen von Long Covid werden für uns als Gesellschaft immer mehr zum Problem, sagt Kathryn Hoffmann von der MedUni Wien. Wie sie die Versorgungslage in Österreich einschätzt und wieso aus ihrer Sicht das Ende der Meldepflicht für Covid-19 keine gute Idee ist.