Die eigene Gesundheit gewinnt einen immer höheren Stellenwert in der Gesellschaft, auch bei der jungen Generation. Stichwort: Work-Life-Balance. Kein Wunder, dass auch auf Social Media das Thema einen starken Aufschwung bekommen hat. Auf TikTok kursieren zum Beispiel zahlreiche Videos über Mental Health und auf Instagram veranstalten Ärztinnen und Ärzte Q&As zu Gesundheitsthemen, bei denen Userinnen und User die Möglichkeit haben, bestimmte Fragen zu einem Thema zu stellen. Die Zahl der Health-Influencerinnen und -Influencer steigt. Für den richtigen Umgang mit solchen Health-Accounts gibt es aber einiges zu beachten.

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie …

Auch wenn es verlockend klingt, auf Instagram seinen gesundheitlichen Problemen auf den Grund zu gehen, ist zu bedenken, dass ein Q&A in einer Instagram-Story keinen Arztbesuch ersetzt. Jeder Körper ist anders, daher gilt Vorsicht, wenn Medikamente oder Therapien empfohlen werden. Es besteht die Gefahr, sich von Angeboten verleiten zu lassen und Produkte zu kaufen, die im schlimmsten Fall der eigenen Gesundheit sogar schaden könnten. "Informiert euch auf Health-Accounts zu allgemeinen Themen, aber bei Krankheit oder spezifischen Fragen wendet euch an einen Arzt oder Apotheker, denn ihr werdet von einem TikTok-Content-Creator keine Diagnose bekommen", rät die 28-jährige Gesundheits- und Krankenpflegerin Hatice Koca.

Google: Unser aller Freund?

Falschnachrichten, Verschwörungstheorien und Co. sind mittlerweile den meisten ein Begriff und besonders vor Gesundheitsthemen machen sie nicht Halt. Auch bei Health-Accounts gelten die üblichen Check-Regeln im Internet. Daher ist es wichtig, sich über die Person hinter dem Health-Account zu informieren und auf offiziellen Stellen über deren Werdegang zu recherchieren. Erst vor Kurzem machte ein Fake-Mediziner auf Facebook Schlagzeilen, der unter falschen Namen als vermeintlicher Arzt Verschwörungstheorien verbreitet und den Klimawandel geleugnet hat. 

Außerdem schadet es nicht, genauer hinzusehen, auf welche Quellen sich gestützt wird. "Meine Informationen beziehe ich von PubMed, der größten medizinischen Online-Datenbank für Studien", erzählt Gesundheitscoach Dominik Klug. Um die wissenschaftliche Aussagekraft einer Studie zu beurteilen, gilt es zusätzlich zu beachten, wer die Studie in Auftrag gegeben hat und wie repräsentativ diese zum Beispiel in Bezug auf die Anzahl der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer ist. 

Egal ob online oder offline, es gilt: Bevor man Informationen für sich weiterverwendet, unbedingt einen Faktencheck durchführen. Dabei können Social-Media-Plattformen wie Instagram, Facebook oder Twitter helfen, die – zumindest rund um das Thema Corona – auf abgesicherte Inhalte des Bundesministeriums verweisen oder vor dem Teilen der Inhalte nachfragen, ob man die Information geprüft hat. Zudem gibt es Websites wie correctiv.org oder mimikama.at, die Falschnachrichten gezielt prüfen und ihre Ergebnisse veröffentlichen. 

Privacy first

Nicht gelesene AGBs, Cookies und unsichere Passwörter: Mit privaten Daten wird in der Online-Welt oftmals allzu leichtsinnig umgegangen und sensible Daten werden oft ohne nachzudenken im Internet preisgegeben. In der Hoffnung auf eine passende Diagnose oder das richtige Medikament neigen Social-Media-Nutzerinnen und -Nutzer dazu, Health-Influencerinnen und -Influencern bis ins kleinste Detail die gesundheitlichen Befindlichkeiten zu schildern. Auch wenn Ärztinnen und Ärzte auch auf Social Media der Schweigepflicht unterliegen, sollte man nicht jeder Person gleich alles offenbaren.

Health sells

"Wenn in der Instagram-Bio schon zwei oder drei Rabattcodes stehen, dann soll man skeptisch werden", rät der zertifizierte Gesundheitscoach Dominik Klug. Im klassischen Influencertum drehe sich vieles um das Business. In den Storys merke man anhand der Art und Weise, wie Produkte empfohlen werden, welche Hauptintention der Health-Account verfolge. Oftmals würden die Influencerinnen und Influencer mit einer emotionalisierten Verhaltensweise agieren und damit zum schnellen, unüberlegten Kauf verleiten. Während die einen ihren Followerinnen und Followern tatsächlich helfen wollen, sieht Klug in den anderen "Strandverkäuferinnen und Strandverkäufer", die lauthals ihre Ware anpreisen.

Ego > Verantwortung

"Als Health-Influencer sollte man seinen Followern eine gewisse Mitverantwortung vermitteln", rät Hatice Koca, der auf TikTok über 160.000 Menschen folgen. Influencer, die anderen ihre Meinung aufzwingen wollen und von weiteren Faktenchecks abraten, sollten dementsprechend vermieden werden. Koca meint auch: "Verantwortungsbewusste Health-Influencer versuchen nicht, euch zu behandeln, sondern vermitteln euch an eine Expertin oder Experten." Das eigene Ego der Health-Influencer sollte nie über der Verantwortung gegenüber anderen stehen.