Welt-Aids-TagTrotz jahrzehntelanger Forschung keine Impfung gegen Aids

Die rote Schleife ist am Welt-Aids-Tag allgegenwärtig. Doch einen prophylaktischen Schutz in Form einer Impfung gibt es gegen diese tückische Krankheit und seinen Erreger immer noch nicht.

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HIV, Welt-Aids-Tag
HI-Viren sind äußerst mutationsfreudig, das macht die Entwicklung eines Impfstoffes umso schwieriger © (c) Natalya Chumak - stock.adobe.com
 

Binnen weniger Monate hat die Wissenschaft mehrere Impfstoffe gegen Covid-19 entwickelt. An einer Spritze gegen Aids arbeiten Mediziner seit Jahrzehnten - ohne durchschlagenden Erfolg. Seit der Entdeckung der Immunschwächekrankheit Anfang der 80er-Jahre gab es enorme Fortschritte bei der Behandlung, doch immer noch sterben jedes Jahr hunderttausende Menschen daran, 2020 waren es 680.000. Der Welt-Aids-Tag am Mittwoch erinnert, dass auch diese Pandemie noch nicht besiegt ist.

Die HI-Viren sind besonders komplex und deshalb schwer zu neutralisieren. "Sie infizieren Zellen des Immunsystems", in deren DNA sie ihr genetisches Material integrieren, sagte Olivier Schwartz vom Institut Pasteur in Paris. Während die meisten Menschen nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 von alleine genesen und danach erst einmal immun sind, ist das bei HIV nicht der Fall.

Mutationsfreudiges Virus

Zudem mutiere das HI-Virus viel leichter als das Coronavirus, sagte Schwartz. Deshalb sei es "schwieriger, Antikörper mit einem breiten Spektrum zu erzeugen, die die Infektion blockieren könnten". Vor Kurzem wurde im südlichen Afrika ein Impfstoff getestet, der gegen mehrere HIV-Varianten schützen sollte. Doch der Versuch wurde abgebrochen, da die Impfung nur unzureichend schützte.

Für die Entwicklung der Corona-Impfstoffe wurden riesige Summen bereitgestellt. Der Aids-Forschung stünden diese Mittel nicht zur Verfügung, bedauerte Nicolas Manel vom französischen Gesundheitsforschungszentrum Iserm. 38 Millionen Menschen leben derzeit mit Aids. Eine Impfung ist die einzige Möglichkeit, die Krankheit auszurotten.

Impfstoffe in Erprobung

Mehrere Dutzend Aids-Impfstoffe werden derzeit erprobt. Das Biotechnologieunternehmen Moderna brachte im Sommer eine mRNA-Impfung gegen HIV heraus, die auf derselben Technologie basiert wie die erfolgreichen Corona-Vakzine. "Die Verwendung dieser Technologie eröffnet neue Möglichkeiten und die machen Hoffnung bei Viren wie HIV", sagte Gilles Pialoux, Aids-Spezialist und Leiter der Abteilung für Infektions- und Tropenkrankheiten am Krankenhaus Tenon in Paris. Mit endgültigen Ergebnissen wird jedoch erst in einigen Jahren gerechnet.

Ein Betroffener erzählt

Michael Hofbauer ist 22 und HIV-positiv. Seine Diagnose zu verheimlichen? Das stand für den Oberösterreicher nie zur Debatte. Viel mehr kämpft er Tag für Tag gegen die Diskriminierung HIV-positiver Menschen im Alltag. Ein Interview mit ihm können Sie hier nachlesen:

Die Corona-Pandemie hat den Kampf gegen Aids einerseits erschwert, die Behandlung HIV-Infizierter litt darunter. "Andererseits wurde noch nie so viel über Gesundheit, Infektionskrankheiten und die kollektiven Anstrengungen gesprochen, die notwendig sind, um eine globale Pandemie zu bekämpfen", sagte Serawit Bruck-Landais von der französischen Anti-Aids-Kampagne Sidaction. Davon könnte auch der Kampf gegen HIV profitieren.

Medikamentöse Behandlung

Die Behandlung erfolgt also hauptsächlich medikamentös. Mehr als 35 Präparate stehen als Einzelwirkstoffe oder fixe Kombinationen von bis zu vier Wirkstoffen für die HIV-Therapie zur Verfügung. Dank dieser Therapiemöglichkeiten können HIV-Infizierte ein weitgehend normales Leben führen und haben zudem eine weitaus höhere Lebenserwartung als noch vor 20 Jahren. Mittlerweile gibt es antiretrovirale Therapien, bei denen Betroffene nur mehr eine einzige Tablette täglich einnehmen müssen.

Um Klarheit über den eigenen Status zu erlangen, kann und sollte man HIV-Tests machen. Diese sind leicht zugänglich, etwa über Apotheken. Zusätzlich gibt es Prä- und Post-Expositions-Prophylaxen, das sind Arzneimittel, mit denen eine HIV-Infektion verhindert werden kann. Und schließlich: Nicht auf das Kondom vergessen! 

Situation in Österreich

Etwa 9.000 Menschen in Österreich leben laut Zahlen der Statistik Austria mit HIV, nach Schätzungen der Österreichischen Aids Gesellschaft kennen rund zehn Prozent von ihnen ihren Infektionsstatus nicht, berichtete der Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs (Pharmig). 2020 haben sich laut Zentrum für Virologie der Medizinischen Universität Wien 332 Personen neu infiziert

Kommentare (2)
wischi_waschi
7
5
Lesenswert?

Aids Impfung

Ja schon komisch, aber die Corona Impfung ist da!!!!!!!

styrianprawda
4
5
Lesenswert?

@wischi_waschi

Also gehört auch sinnerfassendes Lesen (v.a. von Artikeln, zu denen man sich zu posten gedrängt fühlt) nicht zu Ihren Kompetenzen!