40 Prozent weniger ansteckend?Wie der Sommer die Corona-Pandemie beeinflusst

Der saisonale Faktor ist ein komplexer Sachverhalt. Forscher aus Oxford haben versucht zu berechnen, wie sich der Sommer auf das Coronavirus auswirkt.

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Sommer, Pandemie, Saisonalität, Studie
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Sommer, Sonne, Saisonalität. Drei Wörter, die in Bezug auf die Coronavirus-Pandemie mit Gefühlen der Hoffnung verbunden sind. Denn gemeinhin wird erwartet, dass die Infektionszahlen sinken, wenn die Temperaturen steigen. Doch wie groß dieser Effekt der Saisonalität wirklich ist, ist wissenschaftlich nicht restlos geklärt. Aufgrund fehlender Erfahrungen mit Sars-CoV-2, nahm man im Sommer 2020 erst Anleihen an der Influenza. Auch diese sucht die mitteleuropäischen Breiten in Wellen heim. Ein Rückgang der Covid-Infektionszahlen war im vergangenen Jahr während der Sommermonate erwartet worden, und er ist auch eingetreten.

2021 waren viele Expertinnen und Experten in Österreich skeptisch, ob sich der saisonale Effekt ein weiteres Mal so stark zeigen würde. Denn die wärmere Jahreszeit erreichte uns mit dem Abflachen der dritten Welle und das Niveau der Infektionszahlen war um ein Vielfaches höher als im Jahr davor. „Ja, wir sehen einen massiven saisonalen Effekt“, sagte der Epidemiologe Gerald Gartlehner von der Donau-Universität Krems Ende Mai zur Kleinen Zeitung. Wie auch andere war er von der Tragweite des Rückgangs der Infektionszahlen überrascht. Von anderen Coronaviren weiß die Wissenschaft, dass der Effekt der Saisonalität rund 20 Prozent beträgt. Eine wirklich fundierte wissenschaftliche Evidenz in Bezug auf Sars-CoV-2 und die Saisonalität gibt es nicht.

Neue Studie zu Saisonalität

Dieser versuchen sich aber Forscher der Universität Oxford mit einer neuen Studie anzunähern. Erschienen ist diese erst als Preprint, wurde noch nicht in einem Fachjournal veröffentlicht. Der deutsche Virologe Christian Drosten und andere Experten haben sich aber schon positiv über die Methodik dieser Studie geäußert.

Das Team rund um Jan Kulveit kam zu der Erkenntnis, dass die Reproduktionszahl durch den saisonalen Effekt im Durchschnitt um 40 Prozent verringert wird. Demnach sei der saisonale Effekt mit anderen wirkungsvollen, nicht medizinischen Maßnahmen, wie etwa der Schließung von Schulen vergleichbar. Aber die Forscherinnen und Forscher stellen in der Studie auch klar, dass die Saisonalität alleine dennoch nicht als Erklärung dafür ausreicht, dass sich das Virus während der wärmeren Monaten derart stark zurückzieht.

Mehr als eine Erklärung, mehr als einen Faktor

In solch einem komplexen Sachverhalt wie einer Pandemie gibt es nie nur eine Erklärung, nie nur einen Faktor für den Rückgang oder den Anstieg von Neuinfektionen. Es ist Kombination unterschiedlicher Faktoren. Zum einen wären da nicht-pharmazeutische Maßnahmen wie etwas das Tragen von Masken in stark frequentierten Bereichen, Veranstaltungsbeschränkungen oder Abstandsregeln. Zum anderen gibt es auch pharmazeutische Maßnahmen, die in Bezug auf Sars-CoV-2 natürlich hauptsächlich die Impfungen betreffen. Denn auch der Impfeffekt spielt mittlerweile eine Rolle.

Das bedeutet aber auch, dass es trotz eines saisonalen Effekts im Sommer zu größeren Anstiegen der Neuinfektionen bzw. Clusterbildungen kommen kann. Das hat man im letzten Jahr in Brasilien gesehen, als die Gamma-Variante, auch als P.1 bekannt, um sich gegriffen hat. Aktuell sieht man, trotz Sommer einen starken Anstieg in Portugal, vor allem in und um Lissabon, der der Delta-Variante geschuldet ist.

Saisonaler Faktor

40 Prozent weniger ansteckend soll Sars-CoV-2 im Sommer sein. Forscher haben, um den jahreszeitlichen Einfluss von anderen Faktoren zu trennen, Daten von 143 Regionen in Europa ausgewertet.

Die Saisonalität und der Herbst

Die Delta-Variante, die um etwa 60 Prozent ansteckender ist, als der Wildtyp von Sars-CoV-2, ist in diese Studie noch nicht eingeflossen. Aber das Forscherteam hat in der Studie gezeigt, dass alle Maßnahmen gegen das Virus zusammengerechnet, immer noch einen größeren Effekt erzielen als die Saisonalität alleine.

Doch ein reduzierter R-Wert um 40 Prozent bedeutet nicht nur Entspannung im Sommer. Er bedeutet auch, dass der Effekt der Saisonalität im Herbst zurückgehen wird. Komplexitätsforscher Peter Klimek gibt zu bedenken: „Wir müssen die Faktoren des Rückgangs verstehen, um die richtigen Schlüsse für den Herbst ziehen zu können.“

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Danke für Ihr Verständnis.

Stemocell
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Der Sommer hat überhaupt keinen Einfluss,

auf die Corona-Pandemie.,
Es sind vielmehr ausschließlich die von der Bundesregierung erlassenen Verordnungen und Zwangsmaßnahmen, die die Zahlen immer pünklich zu Sommerbeginn sinken lassen ;)

scionescio
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Auch wenn die schlüssige Erklärung fehlt, ist der Effekt trotzdem da ….

… umso wichtiger ist es, die Verschnaufpause zu nützen, um für den Herbst vorbereitet zu sein- schön langsam sollte das auch unsere Regierung begriffen haben!

Dr.B.Sonnenfreund
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Drosten

Und der "Experte" Drosten hat den saisonalen Effekt nicht erwartet. Ich als Wald und Wiesen Arzt, der sich aber intensiv mit Wetter und Klima beschäftigt, habe diesen Effekt zu 99% vorausgesehen,
und wer hatte recht ? Eben....., ich habe das auch immer in diversen Foren gepostet. Allerdings könnte die aus Indien stammende Delta-Variante tatsächlich hitzeresistenter sein, da sie in einer heißen Gegend entstanden ist, das muss ich durchaus einräumen. Hoffen wir auf nur moderate Infektionszahlen.

niederlh
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Unsere Regierung

allein wird nichts schaffen, denn es ist nun mal alles Vernetzt und Pandemie bedeutet weltweit. Was soll also herauskommen, wenn z. B. in Deutschland Kinder FFP2-Masken tragen sollen während in Österreich Alles aufgesperrt wird (unbegrenzte Zuseherzahl in Spielberg usw.). Wenn nicht Alle Länder an einem Strang ziehen wird das griechische Alphabet zu wenig Zeichen haben für die Varianten. Die Regierung hat jetzt wieder bald "Sommerschlaf" und im Winter kommt dann schon die übernächste Variante.

Mein Graz
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@niederlh

Woher kommt deine Annahme (Behauptung), dass Kinder in Deutschland eine FFP2-Maske tragen sollen?

Das ist nämlich nicht richtig.

Bei der letzten solchen Meldung wurde dies kolportiert, meist von Usern, die des Sinn erfassenden Lesens nicht mächtig zu sein scheinen.

Es ging darum, dass man die Masken NORMIEREN will, damit im Ernstfall auch Kinder diese Masken tragen KÖNNEN.

niederlh
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Kann schon sein

dass ich da zu wenig genau gelesen habe, sollte ja auch nur ein Beispiel für die unterschiedlichen Maßnahmen der einzelnen Staaten sein und ich denke mir halt Corana ist überall Corona, also sollte da wie auch bei anderen Themen EU-weit gleich vorgegangen werden.

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Man weiß nichts,

aber dass Impfen hilft ist sicher. Das sagen doch alle und die Pharmarei freut sich. Das alleine ist jedenfalls nachweislich und sicher.