Was die Kleine Zeitung schon für die Steiermark berichtet hat, bestätigt sich jetzt auch für ganz Österreich: Der Ausfall der Schulimpfungen hat einen massiven Einfluss auf den Fortschritt des Impfplans für Kinder. 

Denn die üblichen Impfungen bei Schulärzten sind seit Beginn der Corona-Pandemie fast komplett weggefallen. Es gab durch Schulschließungen "großflächige Ausfälle von Schulimpfungen von nahezu 100 Prozent", sagte Rudolf Schmitzberger von der Ärztekammer (ÖÄK) in einer Online-Pressekonferenz des Verbands der Impfstoffhersteller (ÖVIH) am Donnerstag. Der ÖVIH warnt vor einem "Impf-Dilemma", also davor, dass durch Impfungen zurückgedrängte Krankheiten wieder verstärkt ausbrechen könnten.

"Kaum schulärztliche Tätigkeit"

"Es ist kaum eine schulärztliche Tätigkeit und schon gar nicht eine Impftätigkeit festzustellen gewesen in der Pandemie", berichtete Schmitzberger als Leiter des ÖÄK-Impfreferates von einem "Totaleinbruch im Schulärztesystem". Impfungen im Gratis-Impfkonzept seien am Anfang der Pandemie auch bei Kinderärzten nicht ausreichend wahrgenommen worden. Das habe sich aber sehr rasch gebessert, erläuterte Schmitzberger, der selbst Kinderarzt ist. In Sachen Schulimpfungen kritisierte der Ärztekammervertreter den Föderalismus mit unterschiedlichen Zugängen in den Bundesländern sowie in Bundes-und Privatschulen.

Seit April 2020 habe es in Österreich durch die Corona-Maßnahmen keine Masernfälle mehr gegeben. Trotzdem ist hier "großer Nachholbedarf" beim Impfen gegeben. Ein großer Ausbruch sei laut Weltgesundheitsorganisation WHO möglich, sobald die Reisetätigkeit wieder zunimmt. Bei der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) hatte die Pandemie bereits einen negativen Effekt in Österreich. Die Bevölkerung habe sich mehr im Inland und im Freien bewegt, was ein Hoch an FSME-Fällen zur Folge hatte. "Der ,Zeck‘ hält keinen Abstand und trägt auch keine Maske", riet Schmitzberger zur FSME-Impfung.

HPV-Impfung bis zum 12. Geburtstag kostenlos

Vor Lücken bei der HPV-Impfung warnte Elmar Joura von der Universitätsklinik für Frauenheilkunde an der MedUni Wien/AKH. Eine solche Impfung ist bis zum zwölften Geburtstag kostenlos und wird daher vor allem in Schulen durchgeführt. Humane Papillomaviren (HPV) lösen insgesamt sechs verschiedene Krebsarten bei Frauen und Männern aus. Die Impfung sei enorm wirksam, wie jüngste Studien bestätigen. "Wir brauchen eine gute Durchimpfungsrate und je früher geimpft wird, desto besser", sagte Joura.

Es sei wichtig, dass bei den versäumten Schulimpfungen "gratis nachgeimpft wird", betonte Evelyn Kometter vom Dachverband der Elternverbände der Pflichtschulen. Freiwilligkeit solle aber in den Vordergrund gestellt werden. Es gebe nun "diverse Bemühungen in den Bundesländern", berichtete ÖVIH-Vizepräsidentin Sigrid Haslinger. In sehr vielen Schulen werde versucht, die Impfungen noch in den kommenden Monaten durchzuführen. Der ÖVIH stellte online ein Fact-Sheet zu dem Thema bereit und forderte unter anderem vereinfachten digitalen Zugang zu Einverständniserklärungen für Eltern sowie die Eintragung der Schulimpfungen in den E-Impfpass. Außerdem brauche es Aufklärungskampagnen und eine Attraktivierung des Schularztwesens.