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FaktencheckWelche Auswirkungen hat die Impfkampagne in Israel?

Israel hat - zumindest mit der ersten Teilimpfung - rund die Hälfte seiner Bevölkerung geimpft. In sozialen Medien werden Meldungen geteilt, wonach die Impfkampagne keine Wirkung zeige. Ein Faktencheck.

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In Israel wurde schon rund die Hälfte der Bevölkerung zumindest mit einer Teilimpfung geimpft © (c) AFP (JACK GUEZ)
 

Israel ist, was die Durchimpfungsrate anbelangt weltweiter Musterschüler. Mit Stand 28. Februar haben knapp über 4,7 Millionen Israelis zumindest die erste Impfdosis erhalten - bei einer Einwohnzahl von etwas über neun Millionen. Israel begann am 19. Dezember 2020 mit der Corona-Impfung. Zuerst wurde medizinisches Personal und über 60-Jährige geimpft. 

Doch glaubt man einem viral geteiltem Posting in sozialen Medien, hat diese hohe Durchimpfungsrate in Israel kaum Auswirkungen. Im Posting steht etwa geschrieben, die Impfung der Hochrisikopopulation hätte zu einem starken Rückgang der Todesfallrate (CFR) führen sollen. Leider bleibe die CFR in Israel aber unbeeindruckt von der Impfung.

Mittlerweile wurde das Posting auch von Facebook selbst als Fehlinformation gekennzeichnet.

Virales Posting, Facebook
Auf Facebook geht dieses Posting viral: Es besagt, dass die Covid-Impfung in Israel "nichts bringt". Foto © Screenshot Facebook

Zeit für einen Faktencheck: Bringt die Impfung wirklich nichts? Und kann die Case Fatality Rate darüber Auskunft geben? 

Was besagt die Case Fatality Rate?

Die im Posting gezeigte Grafik stammt von "Our World in Data". Der Zeitraum wurde von 13. Jänner bis 13. Februar 2021 eingestellt. Tatsächlich ist hier ersichtlich, dass die Case fatality rate (CFR) konstant bei etwas über 0,7 liegt.

Die CFR ist der Fall-Verstorbenen-Anteil. Die Zahl der bestätigten Toten wird dabei durch die Zahl aller bestätigten Fälle dividiert. Er zeigt so an, wie viele Todesfälle unter allen positiv Getesteten zu verzeichnen sind. Dieser Wert ist prinzipiell mit Vorsicht zu genießen. Laut "Our World in Data" spiegelt er nicht das Risiko an einer Covid-19-Infektion zu sterben, wieder. Das hat mehrere Gründe: Zum einen schließt er etwa nur bekannte Corona-Fälle mit ein, nicht aber unentdeckte. Zudem darf die Rate nicht als Konstante verstanden werden, da sie abhängig ist von Faktoren wie Zeitpunkt, Ort, Bevölkerung, Kontext und die Anzahl der durchgeführten Covid-19-Tests.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird die Tödlichkeit eines Ausbruchs anhand einer zuverlässigen CFR normalerweise erst am Ende ermittelt, nachdem alle Fälle geklärt wurden. Es ist also denkbar ungünstig, einen ohnehin derzeit wenig aussagekräftigen Wert als Beleg für die fehlende Wirksamkeit der Corona-Impfung heranzuziehen.

Wieso bleibt der Wert in Israel so konstant?

Wie Eva Schernhammer, Professorin für Epidemiologie an der Medizinischen Universität Wien, der APA auf Anfrage sagte, habe Israel bereits Mitte 2020 eine der niedrigsten CFRs weltweit gehabt - diese bewegt sich seitdem zwischen 0,6 und 0,9. In Österreich beträgt die CFR aktuell 1,9, im Mai 2020 lag der Wert bei vier. 

Dass sich die CFR in Israel jetzt kaum geändert habe, könne verschiedene Gründe haben: Einerseits sei die CFR bei Corona extrem vom Alter abhängig. Das Durchschnittsalter (Median) sei in Israel mit 30 Jahren deutlich geringer als beispielsweise in Österreich oder den USA. "Alleine dieser gravierende Unterschied in der Bevölkerungsstruktur kann erklären, warum die Case fatality rate immer schon relativ niedrig war in Israel und sich jetzt kaum ändert, weil es weiterhin vorwiegend junge Menschen sind, die diagnostiziert werden", erklärt Schernhammer.

Wirkt die Impfkampagne in Israel?

Dass die Impfung sehr wohl gewünschte Resultate zeigt, zeigen mittlerweile mehrere Untersuchungen. Die Anzahl der Infektionen blieb zuletzt laut WHO zwar recht hoch, das lag aber unter anderem daran, dass sich viele Jüngere ansteckten. Auch die Virus-Varianten dürften eine Rolle spielen, wie "Die Presse" berichtete.

Die Infektionen und Todesfälle in der Gruppe der Geimpften sanken jedoch stark. Wie die "The Times of Israel" bereits am 11. Februar 2021 berichtete, wurden von einer halben Million Menschen, die beide Dosen bekommen hatten, nur 0,1 Prozent nachweislich mit dem Coronavirus diagnostiziert. Nur vier schlimme Fälle habe es gegeben und niemand sei gestorben. Einem Preprint-Artikel von "MedRxiv" zufolge, begann Mitte Jänner die Zahl der Covid-19-Fälle und der corona-bedingten Krankenhausaufenthalte zu sinken, wobei der Rückgang bei älteren Personen stärker und früher gewesen sei. Der Trend sei zudem in Städten, in denen früher geimpft wurde, deutlicher zu sehen gewesen. Diese Dynamik sei beim früheren Lockdown nicht beobachtet worden.

Die aktuellste Studie zu Israel wurde am 24. Februar 2021 in der angesehenen medizinischen Fachzeitschrift "The New England Journal of Medicine" veröffentlicht - wir haben hier darüber berichtet. Sie kam zu dem Schluss, dass die Wirksamkeit des mRNA-Impfstoffs von BioNTech/Pfizer in einer nicht kontrollierten Umgebung ähnlich ist wie im Vorfeld angekündigt. Die geschätzte Wirksamkeit lag demnach ab sieben Tage nach der zweiten Impfdosis bei 92 Prozent für dokumentierte Infektionen, bei 94 Prozent für symptomatisches Covid-19, bei 87 Prozent für coronabedingte-Krankenhausaufenthalte und bei 92 Prozent für schwere Verläufe.

Das Fazit 

Aktuelle Untersuchungen aus Israel zeigen, dass die Corona-Impfung wirksam ist. Unter den Geimpften werden viel weniger Covid-19-Fälle, schwere Verläufe und Todesfälle verzeichnet. Die Case fatality rate (CFR) ist in Israel konstant, kann aber nicht als Beleg für eine fehlende Wirksamkeit der Corona-Impfung herangezogen werden.

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